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  • Streuobst-Crumble

    Streuobst-Crumble

    Eine kleine Apfelmeditation

    Im Spätsommer, wenn es auf meinem Heimweg aus der Museumsverwaltung etwas stärker regnet oder stürmt, kann es auf dem Parkplatz des Fränkischen Freilandmuseums des Bezirks Mittelfranken schon einmal Äpfel regnen. Der Besucherparkplatz ist gleichzeitig als eine große Streuobstwiese angelegt. Hier gedeihen zahlreiche alte Apfel- und Zwetschgensorten. Im Frühjahr zur Zeit der Apfelblüte könnte man einen Blütenrausch in weiß und rosa bekommen. Hier – und sicher auch an vielen anderen Orten Frankens – fallen einem die Äpfel vor die Füße. Und so mancher Baum am Straßenrand verdient, dass seine Früchte geschätzt werden. Beim Markt der Genüsse am zweiten Oktoberwochenende und in den zwei Wochen danach baut der Gärtner des Fränkischen Freilandmuseums in normalen Jahren im Bauernhaus aus Unterlindelbach eine Obstsortenausstellung auf, die die Vielfalt der im Museum gepflegten alten Obstsorten des jeweiligen Jahres präsentiert. Das ist eine besondere Ausstellung im Museum, da sie nicht nur schön anzusehen ist, sondern auch noch besonders gut riecht.

    Apfelentdeckungen

    Im Juli beginnt die Apfelentdeckungszeit. Die ersten Falläpfel vom Sturm heruntergeweht – sind noch zu sauer, um sie roh zu essen. Aber sie ergeben ein gutes, wenn auch noch recht säuerliches Apfelkompott. Doch schon Ende Juli wird als einer der ersten Sorten der „Weiße Klarapfel“ reif. Es ist ein ganz weißer, heller Apfel, der kurz vor der Vollreife geerntet wird, weil er eine so kurze Lagerfähigkeit hat und schnell mehlig wird. Deshalb gibt es die Klaräpfel auch nicht im Supermarkt zu kaufen. Weil er einer der ersten Apfelsorten der Saison ist, ist die Freude an seinem frischen Aroma besonders groß. Ein Beispiel für eine weitere frühe Sorte ist der „Herzogin Olga Apfel“, der nahe der Ausstellungsscheune wächst. Beim Kochen zerfallen die frühen Sorten sehr schnell und man muss aufpassen, dass das Apfelkompott nicht anbrennt. Zum Glück wachsen meine Lieblingsäpfel, die Jakob Fischer Äpfel, die sowohl zum direkten Verzehr als auch zum Backen gut geeignet sind, ganz in der Nähe der Museumsverwaltung. Die großen rotbackigen Äpfel hängen an einem hoch aufwachsenden und ausladenden, ansehnlichen schönen Baum. Allerdings mögen auch die Wespen seine Früchte sehr gerne. Manche der Äpfel der vielen Bäume schmecken roh eher herb. Das sind dann meist die sehr festen, späten Sorten, die eher für die Mostherstellung geeignet sind. Doch auch sie sind für ein gemischtes Apfelkompott durchaus zu gebrauchen.

    Gerade diese festen späten Apfelsorten enthalten am meisten Pektin. Äpfel eignen sich wegen ihres hohen Pektingehaltes besonders gut zum Einkochen. Pektine sind in den festen Pflanzenbestandteilen enthalten. Sie übernehmen dort eine festigende und wasserregulierende Funktion. Pektine dienen in der Küche als Binde- und Geliermittel. Die im Gelierzucker verwendeten Pektine werden unter anderem aus Apfeltrester und Orangenschalen gewonnen.

    Museumsparkplatz als Streuobstwiese, Foto Ute Rauschenbach

    Apfelverwertung

    Bringe ich nun meine Apfelbeute nach Haus – eine bunter Apfelhaufen, ganz unterschiedlich große Früchte, manche haben die Wespen schon angeknabbert – entfaltet sich gleich der Apfelduft in der Küche. Manche der Früchte sind bewohnt. Das spricht für sie, denn Würmer „bevorzugen Bioqualität“. Bald sollten die angestoßenen Früchte verarbeitet werden!

    Das Fallobst lädt nun zu einer kleinen Apfelmeditation ein. Jeder Apfel braucht eine sorgfältige Einzelfallprüfung: Nicht nur schälen und das Kernhaus entfernen steht an, sondern auch großzügig die schlechten Stellen ausschneiden. Hier ist Sorgfalt angesagt, weil faulige Stücke gesundheitsschädlich sind und das Apfelkompott schnell verderben liesen. Wie bekommt diese Tätigkeit einen guten Flow? Auf dem Arbeitsbrett werden die Früchte geschält, geviertelt, ausgeschnitten und ggf. kleingeschnitten. Der Schäler und die Messer sind gut geschärft. Es bietet sich ein Obstmesser mit einer kurzen, geschwungenen Klinge an, mit dem man besonders leicht der runden Apfelform folgen kann. Zügig arbeiten und dabei entspannt atmen ist angesagt. Meine kleine Apfelmeditation vollziehe ich in Ruhe oder ich höre dabei auch gerne Musik. Es ist auch eine gute Gelegenheit für ein nettes Gespräch. Jedenfalls ist es immer wieder spannend, die verschiedenen Sorten zu kosten. Am Ende ist die Kompostschale mit den Apfelschalen und dem Ausgeschnittenen genauso gefüllt wie der Kochtopf mit den Apfelstücken. Und der Büromensch, der den ganzen Tag vor dem Bildschirm gearbeitet hat, ist durch die Apfelmeditation wieder geerdet. Traditionell war das Apfeleinputzen eine Arbeit, die auch die Großmutter noch erledigen konnte – oft im Freien auf der Bank vor dem Haus.

    Obstsortenausstellung beim Markt der Genüsse im Fränkischen Freilandmuseum, Foto Margarete Meggle-Freund

    Streuobst-Crumble

    Streuobst-Crumble, Foto Margarete Meggle-Freund

    „Crumble“ – was im Deutschen so etwa „Krümel“ bedeutet – ist eigentlich ein Obstkuchen mit Streuseln – nur ohne Boden. Er soll in England während des zweiten Weltkriegs als preiswerte Alternative zum Kuchen erfunden worden sein. Im US-amerikanischen Raum läuft dieses Gericht auch als „Crisp“. In den 2010er-Jahren war Crumble in vielen Variationen in Deutschland in Mode. Für mich steht der Crumble für die Fülle der Ernte im Herbst. Als warmes Dessert mit dem wärmenden Zimt kann er Seelentröster gegen die kälter werdenden Tage zum Winter hin sein.

    Für 4 Portionen als Nachtisch benötigt man:

    für das Apfelkompott: 1 kg geschälte und geschnittene Äpfel oder anderes Streuobst (wie Zwetschgen, Birnen oder Quitten), Saft einer Zitrone, Rosinen und/oder Zucker zum Süßen nach Geschmack, 100 ml oder mehr Wasser, 1 Esslöffel Rum. Ein Kilo Äpfel ergibt etwa 700 Gramm Apfelkompott. Wenn es ganz schnell gehen soll, geht – unter Verzicht auf die Meditation – natürlich auch ein fertiges Apfelmus.

    für die Streusel: 140 g Butter, ½ Teelöffel gemahlener Zimt, 1 Prise Salz, 2½ gehäufte Esslöffel Vollrohrzucker, 200 g Mehl (Das kann auch ersetzt werden durch Hafermehl und/oder gemahlene Mandeln), 40 g feinblättrige Haferflocken, 40 g Mandelblättchen

    und als Extra obendrauf: 4 Kugeln Vanilleeis.

    Für das Apfelkompott die Äpfel mit Zitronensaft und Wasser erhitzen, zum Kochen bringen und bei geringer Hitze etwa 15 Minuten köcheln lassen, bis die Äpfel anfangen zu zerfallen. Die Rosinen gegen Ende der Kochzeit etwas mitkochen lassen. Eventuell mit Zucker abschmecken. Das Schöne ist, dass reif vom Baum gefallenes Obst genug Fruchtsüße hat, so dass kein Zucker nötig ist.

    Das Apfelkompott lässt sich auf Vorrat einkochen. Dazu werden die Blechdeckel von Twist-off-Gläsern in Wasser gekocht. Die sehr sauber gespülten Gläser mit heißem Wasser ausschwenken, dann schnell das heiße Apfelkompott bis einen halben Zentimeter unter den Rand des Glases einfüllen. Den Rand des Glases mit einem Küchentuch sauber abreiben, damit an dieser Stelle kein Schimmel entstehen kann. Den ausgekochten Deckel mit jeweils einem Esslöffel Rum ausschwenken und dann verschließen. So läuft noch etwas Rum oben auf das eingefüllte Kompott. Die befüllten Twist-Off-Gläser umgekehrt auf den Deckel auf ein feuchtes Tuch stellen und abkühlen lassen. Wenn sich die Blechdeckel etwas nach innen gezogen haben, ist wunschgemäß im Inneren des Glases ein Vakuum entstanden. Kühl, trocken und dunkel gelagert hält sich das Apfelkompott einige Monate im Glas.

    Für das Crumble eine Auflaufform einfetten und Apfelkompott 2 cm hoch einfüllen. Im Backofen bei ca. 200 Grad backen. Dann die Streusel herstellen: Dafür die Butter in einem Topf schmelzen lassen; Zucker, Zimt und Salz zugeben; soviel Mehl und Haferflocken einrühren, bis große Krümel entstehen; abschließend Mandelblättchen unter die Krümel mischen. Nun werden die Streusel auf das schon vorgewärmte Apfelkompott verteilt und ca. 10 Minuten gebacken bis sie leicht hellbraun sind. Etwas abgekühlt mit Vanilleeis servieren.

    In meiner Kulinarikserie des Fränkischen  Freilandmuseum Bad Windsheim finden sich alte und erneuerte Rezepte mit Zutaten aus Franken, einfach und alltäglich, oder auch einmal aufwendigere, kreative Rezepte mit kulturhistorischem Hintergrund.

  • Haferflockenküchle

    Haferflockenküchle

    Reformkost aus der hygienischen Küche

    Die Ideen der Hygiene veränderten das Leben auf dem Lande seit dem Ende des 19. Jahrhundert grundlegend. Die aktuelle Sonderausstellung (noch bis Dezember 2020) „Sauberkeit zu jeder Zeit!“ im Fränkischen Freilandmuseum des Bezirks Mittelfranken zeigt, wie fast alle Lebensbereiche – vom Stall, Hausbau, Geburtshilfe, Waschen, Schlafen, Kochen bis zur persönlichen Hygiene – nach den neuen Regeln umgestaltet wurden. Dazu passend stellen wir „Haferflockenküchle“ als ein Rezept der Reformkost aus der hygienischen Küche vor.

    Reform-Küchen

    Eine Schlüsselrolle bei der Umsetzung der Hygiene kam den Frauen zu. Besonders den Haushalt sollten sie hygienisch führen. Die landwirtschaftlichen Haushaltungsschulen vermittelten Regeln und Fähigkeiten für eine hygienische ländliche Hauswirtschaft und berieten die Bäuerinnen auf den Höfen. Das in der Ausstellung gezeigte Foto eines mustergültig hygienischen Küchenschranks aus den Fünfzigerjahren diente dabei in der Landwirtschaftsschule in Bischofsheim an der Röhn als Anschauungsmittel. Das offensichtliche Vorbild für den Schulschrank war die sogenannte „Reformküche“, welche die Firma Eschebach 1927 auf der Leipziger Messe vorgestellt hatte. In ihrem weit verbreiteten Ratgeber „Der neue Haushalt“ stellte Erna Meyer den Reformküchenschrank als Vorbild gelungener rationeller Küchenorganisation dar. Ihr Ratgeber sollte ein Wegweiser zu „wirtschaftlicher Haushalts- und Lebensführung“ sein. Der Anspruch war nicht nur, den Haushalt vernunftmäßig zu organisieren, sondern das ganz Leben nach Vernunft- und Hygieneregeln zu gestalten. In der Küche geht es ihr etwa um kurze Wege. Im Reformküchenschrank ist nach dem Vorbild von Apothekeneinrichtungen alles kompakt, übersichtlich, gut sichtbar verstaut und mit dicht schließenden Schranktüren vor dem Verstauben geschützt. In Glasschütten sind offene Lebensmittel wie Mehl, Salz und Zucker griffbereit untergebracht. Im Schulschrank findet auch das Putzgerät seinen Platz – ordentlich verstaut im Schrank. Leisten an den Türen für Kochlöffel und Topfdeckel nutzen den Raum optimal aus. Ausziehbare Bretter über den mittleren Schubladen schaffen zusätzliche Abstellflächen. Typisch ist auch der weiße Schleiflack, der eine abwischbare Oberfläche ergab und schon von der Farbe her für Hygiene stand. Hochaktuell mutet uns der modulare Aufbau der Eschebach Küche an: Die Einzelteile haben jeweils eigene Füße und konnten so auch getrennt aufgestellt werden und so in verschiedenen Raumsituationen eingesetzt werden. Um sich die aufsehenerregende Modernität dieser Küchenschränke klar zu machen, denke man an die dunklen Küchen der meisten Museumshäuser, die bestenfalls über kleine offene Stellagen für die Küchengeräte verfügen.

    Mit dem Bild dieses Küchenschrankes warben die Beraterinnen der Landwirtschaftsschule Röhn-Grabfeld für eine rationell und hygienisch organisierte Küche. Fotoarchiv Fränkisches Freilandmuseum Fladungen

    Die „Reformküche“ der Firma Eschebach war Vorbild für hygienisch Küchenausstattung und Vorläufer moderner modularer Küchen. Tafel X im Ratgeber „Der neue Haushalt. Ein Wegweiser

    Das neue hygienische Kochgeschirr aus Glas

    Offenbar hatte meine Großmutter 1939 ihren Küchenschrank nach den Anregungen von Erna Meyer geplant. Der Ratgeber fand sich in ihrem Nachlass ebenso wie die für das Foto der Haferflockenküchle verwendeten Glasgefäße. Glas gilt bis heute als besonders hygienischer Werkstoff, der mit seiner porenfreien Oberfläche keinen Geschmack annimmt und besonders beständig gegen Wasser und Chemikalien ist. 1887 entwickelte der Chemiker und Glastechniker Otto Schott erstmals hitzebeständiges Borsilikatglas, das im Labor verwendet wurde. Seit den 1920er-Jahren wurde dann feuerfestes Gebrauchsglas unter dem Markennamen „Jenaer-Glas“ produziert und für den privaten Haushalt vertrieben. Das Material Pressglas ermöglicht im Vergleich zu geblasenem Glas eine kostengünstige industrielle Produktion der Entwürfe. Das entsprach der Idee des Bauhauses, gutes Design für breite Bevölkerungsschichten verfügbar zu machen. Bedeutende Gestalter aus der Schule des Bauhauses wirkten an der Formgebung dieser Glasprodukte mit.

    So entwarf 1939 Wilhelm Wagenfeld die eckigen Vorratsgefäße aus Pressglas. Sie waren Teil der „Kubus“-Serie, die in der Gesamtgröße genau den Fächern der ersten Kühlschränke, die seit den 1930ern für Privathaushalte aufkamen, entsprach. In ihrer eckigen Form, mit den Deckeln und vor allem wegen ihrer Stapelbarkeit nutzten sie den Raum optimal aus. Das war der Grund, warum sie bei der Haushaltsauflösung nicht aussortiert wurden. Der hier als ofenfeste Servierschale genutzte multifunktionale Deckel einer Auflaufform könnte aus der „JENA 2000“-Reihe von Backformen stammen, mit der Heinrich Löffelhardt in den 1960er Jahren die Entwürfe von Wilhelm Wagenfeld weiterentwickelt hat. Typisch ist die organische Form der Einheit von runder Deckelform und Griffen, die industriegerecht in einem Guss hergestellt werden konnten. Die feuerfesten und durchsichtigen Auflaufformen waren für Privathaushalte die beliebteste Anwendung des hygienischen Jena-Glases. So dass der umgangssprachliche Begriff „Jenglas“ gleichbedeutend mit „Kochgeschirr aus Glas“ verwendet wurde, auch wenn es von anderen Anbietern bald billiger produziert wurde. Trotz aller Stabilität des Materials gingen die Auflaufformen bei häufiger Benutzung auch hin und wieder zu Bruch – weshalb wohl auch im Haushalt meiner Großmutter von den Fünfzigerjahre-Entwürfen nur die kleinen Schüsseln übrig blieben und der verwendete Deckel im Familienmaß wohl in den Sechzigerjahren ersetzt wurde. Die Leinentischdecke aus den frühen Sechzigerjahren mit dem folklorisierenden rot-blauen Muster lockert die labormäßige Strenge der „guten Form“ des Industriedesigns in Glas etwas auf. Die Tischdecke stammt aus dem Haushalt einer Landwirtschaftsrätin, die in dieser Zeit junge Bäuerinnen unterrichtete.

    Haferflockenküchle

    Haferflockenküchle, Foto Margarete Meggle-Freund

    „Haferflockenküchle“, ein reformerisch angehauchtes Rezept, habe ich ebenso wie die Geschirre von meiner Großmutter übernommen, aber inzwischen mit einem höheren Gemüseanteil variiert. Es ist einfache, preiswerte und nahrhafte Alltagsküche, mit dem Anspruch gesund zu sein. Haferflocken sind schon seit dem 19. Jahrhundert ein verbreitetes Nährmittel. Spätesten seit dem Birchermüsli auf Haferflockenbasis, das seit den 1920er Jahren propagiert wurde, gelten sie als gesundes Lebensmittel. Bratlinge aus Haferflocken finden sich z. B. auch in einem Kochbuch der Nürnberger Frauen- und Kochschule von 1899. Dort ist es ein Sparrezept, in dem Fleischreste verwendet werden. Dank der nahrhaften Haferflocken war mit diesem Gericht leicht eine Familie satt zu bekommen. Auch in der modernisierten Variante mit hohem Gemüseanteil kann das Rezept der Resteverwertung dienen. Schon etwas „angeschrumpeltes“ Wurzelgemüse, kann man – vorher in Wasser eingeweicht und fein gerieben – hierfür noch gut verarbeiten.

    Grundrezept pro Person benötigt man:

    4 Esslöffel zarte Haferflocken, 1 Esslöffel Mehl, 1 Ei, 1 Teelöffel Gemüsebrühe, knapp 1/8 Liter Milch oder Reismilch, Gewürze, Fett zum Ausbacken

    Varianten:

    vom Gemüse fast die gleiche Menge wie die Haferflocken,

    fein geriebene Karotten mit ¼ Teelöffel gemahlener Rosmarin (Brecht Gewürze im Reformhaus) und 1 Prise Knoblauchpulver oder

    feingeriebene Rote Beete mit 1 Prise Piment oder

    feingeriebener Sellerie oder Petersilienwurzel oder

    grob geraspelte Zucchini mit Pfeffer und ev. Dill,

    ½ klein geschnittene Zwiebel (roh oder angedünstet),

    gewürfelter Schinken, gepökelt und gekochte Rippchen, Fleisch- oder Wurstreste.

    Die vegetarische Variante Grundrezept mit Karotten ist besonders gut.

    Alle Zutaten werden gemischt und 10 Minuten oder auch einige Stunden vor dem Ausbacken stehen gelassen, damit die Haferflocken quellen können und sich die Masse gut verbindet. Der Teig soll fester als Pfannkuchenteig und flüssiger als Frikadellenteig sein, so dass er in der Pfanne etwas verläuft.

    1 Esslöffel Fett in einer beschichteten Pfanne heiß werden lassen. Mit einem Tropfen Teig testen, ob das Fett schon heiß genug ist. Dieser soll sofort fest werden, aber nicht schwarz. Wenn nicht genug Fett verwendet wird oder das Fett nicht heiß genug ist, oder zu heiß ist, besteht die Gefahr, dass die Bratlinge anbrennen. Bei diesem Rezept Fett zu sparen, macht wenig Sinn, weil erst das Braten im heißen Fett das Röstaroma als spezifischen Geschmack ergibt. Das Braten lässt sich auch nicht beschleunigen. Deshalb bei einer größeren Menge lieber mit mehreren Pfannen gleichzeitig arbeiten.

    Gehäufte Esslöffel Teig in die heiße Pfanne setzen. Auf beiden Seiten braten. Im vorgewärmten Backrohr warmhalten. Mit Salat und Senf, Chutney oder Grüner Kräutersoße servieren.

    Auch kalt als Picknick schmecken diese Bratlinge sehr gut. Dann sollte ihre Konsistenz eher fester sein, damit man sie gut als Fingerfood in die Hand nehmen kann. Mit einer Scheibe Tomate und Mozzarella oder anderem Käse überbacken schmecken sie auch am nächsten Tag noch gut.

    In meiner Kulinarikserie des Fränkischen  Freilandmuseum Bad Windsheim finden sich alte und erneuerte Rezepte mit Zutaten aus Franken, einfach und alltäglich, oder auch einmal aufwendigere, kreative Rezepte mit kulturhistorischem Hintergrund.

  • Hygiene am Bauernhof in Haus und Stall – Saubere Höfe und gesunde Tiere für unverseuchte Lebensmittel

    Hygiene am Bauernhof in Haus und Stall

    Saubere Höfe und gesunde Tiere für unverseuchte Lebensmittel

    Begleitend zur großen Sonderausstellung „Sauberkeit zu jeder Zeit! Hygiene auf dem Land“, die in der Saison 2020 im Fränkischen Freilandmuseum des Bezirks Mittelfranken zu sehen ist, stellt das Museum eine kleine Geschichte der Hygiene auf dem Land als Zeitungsserie in sechs Stationen vor. In der dritten Station beschäftigt uns die Frage, wie die neuen Ideen und Erkenntnisse der Hygienebewegung das Leben in Haus und Stall am Lande verändert haben. Mit welchen baulichen Maßnahmen sollten die traditionellen Bauernhöfe hygienisch umgestal-tet werden? Was sollten die Menschen im Umgang mit den Tieren und den tierischen Le-bensmitteln wie der Milch verändern?

    Das enge Zusammenleben von Menschen und Tieren prägte das Arbeiten und Wohnen am Lande. Besonders im Winter schätze man die Nähe zu den Tieren wegen ihrer Wärme. Der Fortschritt der Neuzeit brachte eine immer weiter gehende Trennung von Wohnung und Stall. An diesem Punkt setzten die Reformvorstellungen von gesundem Wohnen seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert an. Waren bis dahin der Schutz der Menschen vor Nässe und Kälte, das Bewahren der Essensvorräte vor Ungeziefer und Verderben und das Bergen der wertvollen Nutztiere vorrangige Ziele des Behausens, so kam jetzt Licht, Luft und geordnete Beseitigung der tierischen und menschlichen Exkremente als Leitideen des Bauens dazu. Noch in den 1960er-Jahren des Zwanzigsten Jahrhunderts drehte sich die Beratung der Landwirtschaftsämter um diese Themen.

    Mensch, Vieh und Mist auf engstem Raum

    Elisabeth Freund, Lehrerin an der Landwirtschaftsschule Bischofsheim a. d. Röhn, war in den 1960er Jahren als Beraterin für den Umbau von landwirtschaftlichen Anwesen im Auftrag des Landwirtschaftsministeriums unterwegs. Sie dokumentierte einige der besuchten Höfe. Diese Schwarzweißfotos gewähren Einblick in eine Alltagsrealität hinter den Fassaden, wie sie bis dahin über Jahrhunderte normal war, die aber sonst fast nie abgebildet wurde. Damit sind diese unscheinbaren Fotos für Alltagshistoriker wertvolle Dokumente für ein Leben, das sich seitdem grundlegend verändert hat.

    Hier zeigen wir als Beispiel einen Blick in den Innenhof eines Röhner Bauernhofes, den Elisabeth Freund fotografierte. Die Natursteinmauer links im Bild gehört zum Stall, in dem das Großvieh, also Rinder und Pferde untergebracht war. Wohntrakt und Stall finden sich im Wohnstallhaus unter einem gemeinsamen Dach. So blieb die Abwärme der Tiere im Haus und die großen Nutztiere, als das wichtigste Besitztum der Bauern, waren stets in der Nähe der Bewohner untergebracht. Ammoniakemissionen und Gerüche der Tierhaltung drangen unlöslich tief ins Mauerwerk ein. Etwas zurückversetzt schließt der überbaute Schweinestall und schließlich die Scheune an. Nur eine schmale Fläche an der Stallwand ist befestigt. In der Bildmitte ist ein großer Misthaufen zu sehen, dessen Exkremente meterweit in den sonst unbefestigten Hof abfließen. Rechts sind Äste mannshoch aufgeschüttet. Das könnte Krackelholz sein, dürre Äste, die mit Stangen von den Bäumen abgeschlagen wurden, um sie als Brennholz zu verwenden. Davor liegt ein Hackstock, der umgefallen ist. Im ganzen Hof bewegen sich scharrende und pickende Hühner. Damit diese und andere Tiere nicht durch die offene Haustüre ins Haus gelangen konnten, hatten manche Höfe halbe Lattentüren am Hausflur. Bei Regen weichte der ganze Hof auf. Unweigerlich trugen die Bewohner, wenn sie diesen Hof überquerten die Exkremente und den Mist auch ins Wohnhaus. Bei Betrachtung des Fotos kann man sich auch gut vorstellen, dass oft auch die Nähe von Misthäufen zu Hofbrunnen ein Problem darstellte, wodurch Keime ins Trinkwasser gelangen konnten.

    Röhner Bauernhof mit offenem Misthaufen, Foto Elisabeth Freund, 2. Hälfte 1960er (Sammlung Freilandmuseum Fladungen)

    Handmelkerin in der verschmutzten Einstreu, Buxheim bei Ingolstadt, 1960er Jahre (Fotosammlung Späth)

    Bauliche Maßnahmen für Licht, Luft und Sauberkeit

    Eine bauliche Maßnahme zur Verbesserung der Hygiene ist im Bild zu erkennen. Wenigstens ein schmales Stück am Haus ist befestigt. Die Pflasterung der Gred, des Bereichs vor dem Hauseingang, und ein Dachüberstand, ein Greddach, konnten dazu beitragen, trockenen Fußes über den Hof zu gelangen. Um die neuen Leitideen von Licht, Luft und Sauberkeit im Haus umzusetzen, war im Inneren der wichtigste bauliche Schritt den Wohnbereich vom Rauch des offenen Feuers zu befreien. Solange über dem offenen Feuer mit offenen Kaminen gekocht wurde, waren besonders die Küchen mit beißendem Rauch erfüllt. Die Einführung geschlossener Herde, bei denen das Herdfeuer in einem gemauerten Raum oder in einem Metallkasten brannte, befreite die Wohnräume vom Rauch. Die sich seit dem 19. Jahrhundert durchsetzenden geschlossenen Herde wurde wegen ihres geringeren Holzverbrauchs „Sparherde“ genannt. Größere Fenster und das Verputzen der Wände im Wohnbereich und im Stall ließen die Räume heller wirken. Kalkputz verhindert aufgrund seiner chemischen Eigenschaften die Ansiedlung von Bakterien und Schimmelpilzen und wurde deshalb besonders für Ställe empfohlen. Für den Stall wurden steinerne Futtertröge und vor allem die Trennung von Mist- und Futtergang angeraten. So konnten in einer getrennten Jaucherinne die flüssigen Exkremente abfließen, ohne dass es zu einer Vermischung mit dem Futter kam. Die Misthäufen wurden an die Außenseiten der Höfe verlegt. Heute legt die Bauordnung eine Schmutzschleuse für landwirtschaftliche Anwesen fest.

    Tier- und Lebensmittelhygiene

    Gesunde Tiere sollten gesunde Lebensmittel garantieren. So gehen Tier- und Lebensmittelhygiene über weite Strecken Hand in Hand.

    Seit bekannt wurde, welche Rolle Bakterien bei der Entstehung von Krankheiten spielen, stellte die Milch einen Brennpunkt der hygienischen Bemühungen dar. Die Milch wurde als ebenso wertvolles wie verderbliches Lebensmittel identifiziert. Selbst wenn die Milch aus kerngesunden Eutern stammt, weisen die ersten Milchstrahlen erschreckend hohe Keimzahlen auf, weil Bakterien ein Stück weit über die Zitzen eindringen. Aber erst recht nach dem Melken ist die Milch gefährdet, bildet sie doch einen idealen Nährboden für die rasante Vermehrung von Keimen, von denen die Luft selbst in vorbildlichen Ställen schwirrt. (S. 237-238) Im Laufe des 20. Jahrhunderts setzte sich die Milchhygiene immer mehr durch: Schritte auf dem Weg zunehmender Sauberkeit von Stall, Kuh und Melkpersonen waren das Lüften des Stalls, der Verzicht auf das Füttern und Misten während des Melkens, saubere und gesunde Melkpersonen, Säubern des Euters, Vormelken und restloses Ausmelken, Reinigen der Milch mit Seihtüchern, rasches Herunterkühlen der Milch und penible Hygiene beim Lagern und Transportieren. Milch ist heute zu einem sicheren Lebensmittel geworden.

    Inzwischen haben automatisierte Melkanlagen das Handmelken überflüssig gemacht. Es legt kein Mensch mehr Hand an. Und auch baulich gibt es in den heutigen Milchviehbetrieben eine fast vollständige Trennung von Tier und Mensch. Das war eine Voraussetzung für die Umsetzung der Hygiene am Bauernhof. Unterstützt wird sie seit den 1950er Jahren durch ein allgemeines landwirtschaftliches Schulwesen. Einen grundlegenden Wandel brachte seit den 1970er Jahren die flächendeckende Wasserversorgung und der Anschluss an die Kanalisation auch am Lande. Inzwischen gibt es Entwicklungen ins Extreme. Auf Ertragsoptimierung hochgezüchtete Schweine werden unter prophylaktischem Einsatz von Antibiotika in Dauerquarantäne gehalten. Diese liefern äußerlich reines Fleisch, das aber schädlich für Mensch und Umwelt ist. Auch heute sind begrenzende Vorschriften und ihre Durchsetzung durch Kontrollen zum gesundheitlichen Wohl der Allgemeinheit gefragt. Staatliches Engagement und Vorschriften im Schulwesen, der Wasserversorgung, der Bauordnung oder bei Hygienevorschriften führte in den letzten hundert Jahren zur allgemeinen Durchsetzung hygienischer Standards.

    Der nächste Beitrag dieser Serie betrachtet den Lebensbereich der Bäuerinnen. Wie hat sich das Kochen, Schlafen oder Waschen unter hygienischen Vorstellungen verändert und damit auch die Rolle der Frauen? Haben Frauen die äußeren Hygienenormen verinnerlicht? Die Sonderausstellung „Sauberkeit zu jeder Zeit! Hygiene auf dem Land“ im Fränkischen Freilandmuseum bietet gerade aus dem häuslichen Lebensbereich viele Beispiele, an die sich die älteren Besucher gerne und lebhaft erinnern. In Zeiten der Pandemie riechen wir nicht nur nach frisch gewaschener Wäsche, sondern auch nach Desinfektionsmittel. Erscheint uns das inzwischen schon als Wohlgeruch?

    Diese Serie stützt sich auf den Katalog zur gleichnamigen Ausstellung: „Sauberkeit zu jeder Zeit! Hygiene auf dem Land. Petersberg (Michael Imhof Verlag) 2019, 256 S. mit zahlreichen farbigen Abbildungen, ISBN 978-3-7319-0837-1, 19,95 €, Bezug über Fränkisches Freiland-museum info@freilandmuseum.de oder den Buchhandel.

  • Lustige Kapuziner

    Lustige Kapuziner

    Im Freilandmuseum, wo der Bartel den Most holt

    In der Mühle aus Unterschlauersbach im Fränkischen Freilandmuseum des Bezirk Mittelfranken wird der Museumsmost ausgeschenkt. Dazu gibt es Griebenschmalzbrot. Erfahrene Museumsbesucher legen hier – etwa in der Mitte des Museumsgeländes – gerne einen kleinen Zwischenstopp ein. Wegen seiner natürlichen Kohlensäure und zusätzlich mit Mineralwasser gespritzt ist Most ein erfrischendes Sommergetränk. Most wurde traditionell das ganz Jahr über getrunken, weil er neben Bier und Wein in der Zeit vor der Erfindung des Sterilisierens am Land das einzige haltbare Getränk darstellte. Im Herbst hat der junge Most noch einen geringeren Alkoholgehalt. Im Winter trinkt man den Most auch erwärmt als Glühmost.

    Most aus dem Museum wird in der Mühle aus Unterschlauersbach im Fränkischen Freiland-museum ausgeschenkt. Foto Margarete Meggle-Freund

    Mühle aus Unterschlauersbach im Fränkischen Freilandmuseum, Foto Ute Rauschenbach

    Die Herstellung von Most

    Der Museumsmost wird aus den vielen alten Apfel- und Birnensorten, die im Freilandmuseum gepflegt werden, hergestellt. Typische Sorten für die Mostherstellung sind z.B. der Bohnapfel, der Brettacher oder der Rote Trierer Weinapfel. Auch aus Quitten oder Trauben lässt sich Most gewinnen. Aus den späten und holzigeren Sorten mit einem höheren Gerbstoffanteil, die an sich nicht schmecken, wird der beste Most gewonnen. Dazu wird zuerst das Obst zerkleinert, dann der Saft kalt gepresst. Traditionell ließ man den Saft nun einfach gären. Zur Klärung gab man Speierlingssaft hinzu, der mit ihrem hohen Gerbstoffgehalt dazu beitrug, dass der Most klar wird. Heute wird der Gärvorgang kontrolliert: Er wird mit Weinhefe gestartet; nach Beendung der Gärung wird auch Schwefe zugesetztl, der verhindert, dass der Most oxidiert. Zur Sicherheit der Museumsbesucher wird das Ergebnis heute mit Laborproben kontrolliert.

    Speierling, ein heute ganz seltenes Wildobst aus der Gattung der Mehlbeeren, wurden dem Most traditionell zur Klärung beigemischt. Foto Margarete Meggle-Freund

    Most in Franken

    Die Herstellung von Most ist schon in der Antike nachgewiesen und für Franken seit dem Spätmittelalter belegt. Im 18. und 19. Jahrhundert propagierten die Volksaufklärer den Obstbau am Land stark. Damit wurde auch der Most zum verbreiteten Alltagsgetränk. Das große aufklärerische Nachschlagewerk „Zedlers Universallexikon“ von 1731-54 ordnet den Obstmost als Getränk am Lande ein: „Er wird gemacht, wo es viel Obst gibt, da sich denn die Landleute sehr befleißigen, einen dergleichen aus Obst gepreßten Most statt ihres Getränks zu bereiten.“ (Spalte 308) Für Mainfranken in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts schreibt Otto Beck, der große Sammler der traditionellen Kultur am Lande in Mainfranken, dass besonders aus den „Hänserbirnen“ Most gewonnen wurde. Birnenmost ist etwas milder als der Apfelmost. Beck schreibt von einer Familie, in der jeden Tag vier Liter Most geholt worden. Davon habe der Vater 1,5 Liter getrunken. Die Keramikkrüge, in denen der Most aus dem Keller geholt wurde, hießen „Bartel“ (Beck Notizhefte, 7.178). Die Unterfranken schreiben sich das Sprichwort „Wissen, wo der Bartel den Most holt“ zu. Vielleicht heißen ja die Krüge nach dem Sprichwort – oder umgekehrt. Die Redensart ist jedenfalls schon seit dem 17. Jahrhundert literarisch belegt und meint so viel, wie „gut Bescheid wissen“. Otto Beck inszenierte das Sprichwort für ein Foto: Ein Mann ist beim Mostholen mit Bartelkrug in der Kirchenburg in Mönchsondheim zu sehen. Dort hatte jeder Dorfbewohner entlang der Kirchenburgmauer seinen Raum, in dem Vorräte gelagert wurden. Da weiß der Bartel, wo er den Most holt.

    Die Unterfranken schreiben sich das Sprichwort „Wissen, wo der Bartel den Most holt“. Für das Foto inszenierte Otto Beck das Mostholen aus den Vorratsräumen in der Kirchenburg in Mönchsondheim.

    Lustige Kapuziner – Kuchen mit Most

    Lustige Kapuziner – Kuchen mit Most, Foto Margarete Meggle-Freund

    Der unter dem Namen „Lustige Kapuziner“ bekannte Mostkuchen wird aus einem einfachen Biskuitteig schnell gemacht. Mit warmem Most getränkt wird er schön saftig. Bäckt man ihn aber in kleinen Törtchenformen und garniert ihn entsprechend mit Sahne oder gar einem Mostchadeau (= Mostschaum), wird er zum feinen Dessert. Ich habe ihn hier mit den handgelöteten Törtchenformen meiner Urgroßmutter, die klassische Wiener Küche gekocht hat, gebacken und auf Glastellerchen und Serviette aus den Sechzigerjahren serviert.

    Für eine Kastenform von 30 cm benötigt man: 4 Eier, 100g Vollrohrzucker, 100g Semmelbrösel, 350 Milliliter Most, 2 Teelöffel Rohrzucker, ½ Teelöffel Zimt und eine Prise gemahlene Nelken.

    Zuerst werden die Eier getrennt. Das Eiweiß wir zu Schnee geschlagen. Dann wird das Eigelb mit dem Zucker cremig gerührt. Anschließend die Semmelbrösel unterrühren und den Eischnee unterheben. Eine Kastenform einfetten und mit Semmelbrösel ausstreuen oder kleine Törtchenformen mit Muffinpapier auslegen. Sofort bei 130 Grad im Umluftherd 35 Minuten backen – die Törtchen etwas kürzer. Den Most mit Rohrzucker, Zimt und Nelken würzen und erwärmen. Den warmen sirupartigen Most über den Kuchen gießen. Nach Belieben mit Schlagsahne oder einem Weinschaum aus Most garniert servieren.

    In meiner Kulinarikserie des Fränkischen  Freilandmuseum Bad Windsheim finden sich alte und erneuerte Rezepte mit Zutaten aus Franken, einfach und alltäglich, oder auch einmal aufwendigere, kreative Rezepte mit kulturhistorischem Hintergrund.

  • Schwitzbaden, Schröpfen und Kurieren – Virtuelle Eröffnung der Ausstellung zum Baderhandwerk

    Virtuelle Eröffnung der Ausstellung zum Baderhandwerk

    Am Montag, dem 18. Mai, eröffnet das Fränkische Freilandmuseum des Bezirks Mittelfranken wegen der derzeitigen Kontaktbeschränkungen seine neue Sonderausstellung zum Baderhandwerk in Franken per Video im virtuellen Raum. Die Bader sorgten vom Spätmittelalter bis in das 20. Jahrhundert hinein für die Gesundheitspflege und wundärztliche Versorgung m Land.

    „Bader“ ist im deutschsprachigen Raum ein weit verbreiteter Familienname. Das spiegelt wider, dass es im Spätmittelalter eine flächendeckende Versorgung mit Badstuben gab. Nur ein handwerklich ausgebildeter, geprüfter und in der Zunft organisierter Bader durfte eine Badstube betreiben. So finster und dreckig kann das Mittelalter also gar nicht gewesen sein. Das Badhausforschungsteam des Fränkischen Freilandmuseums begleitet den Wiederaufbau des mittelalterlichen Badhauses aus Wendelstein, das nächstes Jahr im Museum wieder in Betrieb genommen werden soll. Als Vorgeschmack darauf präsentiert das Team seine Forschungsergebnisse zum fast vergessenen Berufsstand der Bader in Franken nun in einer Ausstellung zum Baderhandwerk.

    Im Spätmittelalter war es bei Armen und Reichen üblich, das Badhaus zu besuchen. „Seelbäder“ waren Stiftungen, die es auch Armen ermöglichten, ins Badhaus zu gehen. Nach dem Verständnis der „Säftelehre“ galt es, überflüssige Körpersäfte loszuwerden. Wege dazu waren zum Beispiel der Aderlass, aber auch Schwitzen und Schröpfen. Gesundheit stellte man sich als das Gleichgewicht der Säfte vor. Der Bader bot im Badhaus ein Schwitzbad an – ähnlich unserer heutigen Sauna. Im großen Badeofen wurden heiße Steine mit Wasser übergossen, so dass die Badegäste kräftig in Schwitzen kamen. Waren sie dann erwärmt und gut durchblutet, ließen sie sich häufig vom Bader blutig schröpfen. Dazu ritzte der Bader die Haut zunächst etwas an, dann setzte er den erwärmten Schröpfkopf auf. Durch den entstehenden Unterdruck saugte sich der Schröpfkopf fest und entzog kleine Mengen Blutes aus der Haut. Haare waschen, schneiden und Rasieren rundeten den Badhausbesuch ab.

    In einem nachgebauten hölzernen Schwitzkasten, der zur Behandlung Kranker diente, können die Besucher der Ausstellung selbst einmal Platz nehmen. Ab dem 16. Jahrhundert nahmen die Badetage in den öffentlichen Badstuben immer mehr ab. Wer auf sich hielt, legte sich stattdessen ein privates Badstübchen zu. Eine Rolle spielten auch die steigenden Holzpreise und die Angst vor der Übertragung der Syphillis. Für die Bader wurde somit ihr zweites Standbein als Wundärzte immer wichtiger.

    Seit dem Hochmittelalter galt eine von der Kirche vorgegebene Trennung: die innere Medizin oder „Leibarznei“ betrieben studierte Ärzte, die Wundarznei hingegen blieb den handwerklichen Badern oder Barbieren überlassen. So war mancher Bader auf das Zähneziehen spezialisiert. Kleine chirurgische Eingriffe, wie beispielsweise das Öffnen von Abszessen oder die Behandlung von Furunkeln, übernahmen ebenfalls die Bader. Zahnzangen, Aderlassbestecke oder auch eine Amputationssäge für größere Operationen zeugen von der umfassenden wundärztlichen Tätigkeit der Bader. Solche seltenen wundärztliche Gerätschaften sind als kostbare Leihgaben in der temporären Ausstellung zu sehen.

    Die Bader standen in Konkurrenz mit den studierten Ärzten. Manch ein durchaus versierter Chirurgus, wie Doktor Eisenbarth, bot seine Künste auf Jahrmärkten durchs Land ziehend an. Aber auch Quacksalber waren als Heiler tätig. In Windsheim beschwerte sich 1740 der Bader Bäumler beim Rat der Stadt, dass „allhiesiger Scharfrichter sich unterstand … Schäden zu verbinden und seine Quaksalberey … zu parcticieren,“ Der Henker gab daraufhin zu Protokoll, dass er sich mit äußerlichen Kuren auskenne, denn, „ein Scharfrichter müsse soviel verstehen, daß wann ein Inquisit [Angeklagter] in die Tortur komme, und ihm seine glieder verrenkt wurden, er solche wieder in die vorige positur bringen könne.“

    Die Bader sorgten für eine medizinische Grundversorgung in der Fläche. Auf dem Land gab es bis ins 19. Jahrhundert hinein kaum studierte Ärzte. Die allerletzten fränkischen „Boder“ zogen noch im 20. Jahrhundert Zähne oder öffneten Abszesse, wie uns Zeitzeugen in einer Hörstation sehr anschaulich berichten.

    Die spritzig und farbenfroh gestaltete Ausstellung ist nicht nur inhaltlich interessant, sondern auch ein optisches Vergnügen. Einzelbesucher können die Ausstellung im Freilandmuseum besichtigen. Aber auch von zu Hause aus ist die virtuelle Eröffnung mit ausführlichen Informationen zum Baderhandwerk und Einblicken in die Entstehung der Ausstellung auf Instagram, Facebook und auf der Webseite des Museums www.freilandmuseum.de zu erleben.

    Ein Bader lässt eine Frau zur Ader. Hans Dirmstein 1471, Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg, Frankfurt am Main

    Bader beim Schröpfen. Holzschnitt aus Jost Amman´s „Eygentliche Beschreibung aller Stän-de auff Erden …“, erstmals Frankfurt am Main 1568

    Schröpfszene in einer Badstube, Abbildung aus den Hausbüchern der Mendelschen Zwölf-brüderstiftung 1612, Stadtbibliothek Nürnberg

    Hans Wertinger Badstubenszene: Im Vordergrund schröpft der stehende Bader die beiden sitzenden Männer. 1516 bis 1525, Germanisches Nationalmuseum, Foto Monika Runge

    Das Badhausforschungsteam des Fränkischen Freilandmuseums (Archivar Ralf Rossmeissl, Museumleiter Dr. Herbert May, wiss. Volontär Felix Schmieder, Restaurator Frank Wittstadt, Historikerin Dr. Susanne Grosser nicht im Bild) bei der virtuellen Eröffnung der Ausstellung „Bader in Franken“, Foto Margarete Meggle-Freund

    Diese Serie stützt sich auf den Katalog zur gleichnamigen Ausstellung: „Sauberkeit zu jeder Zeit! Hygiene auf dem Land. Petersberg (Michael Imhof Verlag) 2019, 256 S. mit zahlreichen farbigen Abbildungen, ISBN 978-3-7319-0837-1, 19,95 €, Bezug über Fränkisches Freiland-museum info@freilandmuseum.de oder den Buchhandel.