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Niedergang der europäischen Santiagofahrt
Die mittelalterliche Wallfahrt zum Grab des Hl. Apostel
Jakobus erlebte nach ihrer ersten Blüte im 11. und 12. Jahrhundert ihren
zahlenmäßigen Höhepunkt im Spätmittelalter. Pilger aus ganz Europa waren auf
dem gut ausgebauten Wegenetz mit zahlreichen Pilgerhospizen und Klöstern, die
Versorgung boten, unterwegs. Damit aber ging bereits ein Niedergang der
Wertigkeit einher. Nun waren nicht mehr nur religiös motivierte Wallfahrer
unterwegs, sondern auch Räuber, Bettler, Straf- und Delegationspilger;
Geschäftemacher nutzten die Infrastruktur des Jakobsweges und verbargen sich
unter dem Deckmantel der Pilgertracht. Und selbst die Reformation konnte die
Jakobswallfahrt nicht zum Erliegen bringen. Bis ins 18. Jahrhundert war die Santiagowallfahrt immer
noch eine Erscheinung von beachtlicher europäischer Resonanz. Zwischen 1738 und
1750 erhielt die größte romanische Kirche der Christenheit über dem Grab des
Hl. Jakobus noch eine gewaltige Westfassade, deren Türme bis zu 70 Meter hoch
aufragen.
Erst die geistigen und materiellen
Umwandlungen infolge der Französischen Revolution ließen Santiago seine
Bedeutung als europäisches Pilgerziel verlieren. Besonders gravierend wirkte
sich die Aufhebung fast aller spanischer Klöster im Jahr 1820 aus.
Jahrhundertelang hatte die Pilgerfahrt nach Santiago von der karitativen
Infrastruktur für die Pilger gelebt. Fortan blieb die Santiagowallfahrt bis auf
wenige Ausnahmen ein innerspanisches Phänomen.[2]
→ Wiederbelebung der internationalen Santiagofahrt
© Dr. Margarete Meggle-Freund
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