Jakobsweg, Santiago de Compostela
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Sportliche Motive: Jakobspilgern als k├Ârperlich erfahrbare Reiseform in der Natur

Zuvorderst das Gehen und all die praktischen Aspekte, die mit der gro├čen Fernwanderung verbunden sind. Zahlreiche Wanderf├╝hrer bedienen das Bed├╝rfnis nach Reise-Informationen. Keine der privaten Websites und Erfahrungsberichte kommt ohne praktische Tipps aus, aber auch nicht ohne die Klagen ├╝ber die M├╝hsal der langen Wanderung. Trotzdem erfreut sich das Pilgern immer gr├Â├čerer Beliebtheit. Gehen ist eine k├Ârperliche Bet├Ątigung, die (fast) alle Menschen ohne gro├če Ausr├╝stung und Ausbildung ausf├╝hren k├Ânnen. Jeder Mensch lernt als Kind das Gehen ┬ľ somit ist es eine Elementarerfahrung. In der modernen Arbeits- und Lebenswelt mit stark technisierten Abl├Ąufen, der Konzentration auf Virtuelles am Bildschirm und der Fortbewegung in erschlossenen Verkehrsnetzen, leben viele weitgehend ohne die Notwendigkeit zu k├Ârperlicher Bewegung. Im Gehen k├Ânnen die modernen Zeitgenossen ├╝ber die k├Ârperliche Erfahrung wieder ihre elementare Menschlichkeit erleben, ohne Vermittlung von Medien oder Technik ist das Gehen direkt. So kann das Fernwandern unter sportlichem Aspekt Befriedigung bieten.

Die Bew├Ąltigung l├Ąngerer Strecken zu Fu├č erfordert aber auch, seinen eigenen Rhythmus zu finden. Das hei├čt zuerst sich dem Atem anzuvertrauen. Damit f├╝hren die Fu├čwallfahrer mit der Konzentration auf den Atem oft unwillk├╝rlich die Grundform aller Meditationstechniken aus. Gleichzeitig gibt der Rhythmus von tags Wandern und nachts in den Herbergen Station-Machen eine fest Struktur vor. Die Ausrichtung auf das Ziel Santiago zieht vorw├Ąrts. Eine solche feste Strukturierung l├Ąsst alle Freiheit des Denkens offen und gibt doch in Zeiten der scheinbaren technischer All-Machbarkeit und postmoderner Beliebigkeit einen sicheren Halt.

Zur Nat├╝rlichkeit der Bewegung kommt der Kontakt mit der Natur im Durchwandern der Landschaft. Bezeichnenderweise sind in den zahlreichen Bildb├Ąnden und auch in privaten Reisealben zum Jakobsweg ├╝berwiegend stimmungsvolle Landschaftsbilder ausgew├Ąhlt. Dass der Jakobsweg aber auch durch weniger romantische Vorortsiedlungen und h├Ąssliche Industriegebiete f├╝hrt, spiegelt die Bildauswahl meist nicht wieder. Vielen erscheint der Weg wie naturgegeben: Nach der mittelalterlichen Legendentradition wies die Milchstra├če, der die Jakobspilger auf dem camino folgen, den Weg nach Compostela. Der Jakobsweg wird deshalb auch als der Sternenweg bezeichnet, f├╝r den im Logo neben der Muschel die gelben Sterne auf blauem Grund stehen.

Heutige Pilgerberichte beziehen sich auch immer wieder darauf, dass der Camino entlang ein geomantischer Verwerfung, der sogenannten ┬äLey-Linien┬ô verl├Ąuft. Nach esoterischer Tradition soll das Bewegen in diesen Linien die geistige Bewusstwerdung unterst├╝tzen. Shirley MacLaine etwa auf ihrer ┬äspirituellen Reise┬ô misst gerade deshalb dem Jakobsweg eine besondere ┬änat├╝rliche┬ô Bedeutung zu.


Historisierende Motive: Rückbezug auf ein überzeitliches „Mittelalter“

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