{"id":2538,"date":"2021-05-05T12:21:52","date_gmt":"2021-05-05T12:21:52","guid":{"rendered":"https:\/\/margarete.meggle-freund.de\/?p=2538"},"modified":"2021-05-26T13:32:33","modified_gmt":"2021-05-26T13:32:33","slug":"waldmeisterbowle-soloauftritt-fuer-ein-seltenes-gewuerzkraut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/margarete.meggle-freund.de\/?p=2538","title":{"rendered":"Waldmeisterbowle &#8211; Soloauftritt f\u00fcr ein seltenes Gew\u00fcrzkraut"},"content":{"rendered":"<h1>Waldmeisterbowle<\/h1>\n<h1>Soloauftritt f\u00fcr ein seltenes Gew\u00fcrzkraut<\/h1>\n<div>\n<p>Zu besonderen Gelegenheiten wird im Fr\u00e4nkischen Freilandmuseum des Bezirks Mittelfranken Bowle serviert. Bei der Veranstaltung \u201eK\u00fcche und Kochen im Wandel der Zeit\u201c kann man die Entwicklung der Kochtechniken und der zeittypischen Gerichte bei einem Gang durch die H\u00e4user des Museums nacherleben. Im Stahlhaus aus Nerreth werden beispielsweise Speisen pr\u00e4-sentiert, die bei Cocktailpartys in den F\u00fcnfziger und Sechzigerjahren beliebt waren. Die Bowle durfte bei diesen Gelegenheiten selten fehlen. Als Waldmeisterbowle bietet sie einen Soloauftritt f\u00fcr das seltene Maikraut. Diese \u201eWildkr\u00e4uterk\u00fcche\u201c weckt bei \u00e4lteren Museumsbesuchern nostalgische Erinnerungen an gesellige Feiern. Um den Fr\u00fchlingsmonat Mai geh\u00f6rig zu feiern, verrate ich hier ein sch\u00f6nes Maibowle-Rezept, das am n\u00e4chsten Tag auch kein Kopfweh ergeben sollte.<\/p>\n<\/div>\n<h4>Bowle und Punsch aus England<\/h4>\n<div>\n<p>Heute bezeichnet man mit Bowle ein eisgek\u00fchlt serviertes Getr\u00e4nk und mit Punsch ein Hei\u00dfgetr\u00e4nk. Der englische Begriff \u201ebowl\u201c beschreibt einen Napf oder eine gew\u00f6lbte Schale. Das englische \u201epunch\u201c ist daf\u00fcr ein Synonym. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wird der Begriff Bowle \u00f6fter vor f\u00fcr eine in einer Terrine mit dem Sch\u00f6pfl\u00f6ffel serviertes Getr\u00e4nk verwendet. Bowle ist ein alkoholisches Mischgetr\u00e4nk auf Wei\u00dfweinbasis, h\u00e4ufig mit Fruchtst\u00fccken. Der in England ebenso beliebte Punsch ist ein alkoholisches Mischgetr\u00e4nk mit Rum, Arrak oder auch Wein und Gew\u00fcrzen. Bowle und Punch werden in gew\u00f6lbten Gef\u00e4\u00dfen aufgetragen und mit Sch\u00f6pfkellen ausgegeben. Die beiden Begriffe \u201eBowle\u201c und \u201ePunsch\u201c sind in historischen Texten oft vermischt und austauschbar (auch in der Definition, z. B. in Pierer&#8217;s Universal-Lexikon von 1857, S. 156). Dies zeigt der Begriff \u201eFeuerzangenbowle\u201c \u2013 der eigentlich einen Widerspruch in sich darstellt.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/csm_Bowle_und_50er-Jahre_Parrtygerichte_im_Stahlhaus__Foto_Heidemarie_Lehmann-Wetzel_def95c5bc4.jpg\" alt=\"\"><\/p>\n<div>\n<p><i>Bowle und andere Speisen, die in den F\u00fcnfzigerjahren beliebt waren, gibt es bei der Veranstaltung \u201eK\u00fcche und Kochen im Wandel der Zeit\u201c im Stahlhaus aus Nerreth im Fr\u00e4nkischen Freilandmuseum, Foto Heidemarie Lehmann-Wetzel<\/i><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<h4>Pr\u00e4chtige Bowls f\u00fcr den Tafelmittelpunkt<\/h4>\n<div>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/csm_Gesellschaft_bei_Bowle__1950er_WDRdigit__65927b170b.jpg\" alt=\"\"><\/p>\n<div>\n<p><i>Eine Gesellschaft trinkt Bowle 1950er, Foto im WDRdigit &#8211; Archiv des analogen Alltags<\/i><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<p>Schon in der Namensgebung spielt der Serviertopf eine gro\u00dfe Rolle. Der besonders sch\u00f6ne Bowletopf mit den dazu passenden Trinkbechern und das Getr\u00e4nk, in dem Fr\u00fcchte schwimmen, macht die Bowle zu einem dekorativen Gang \u2013 dem Gegenteil einer Alltagsspeise. Eigentlich k\u00f6nnten man sie ja auch im Suppentopf oder in der Suppenterrine servieren. Wie Eisbecher mit aufw\u00e4ndigem Dekor, Flambiertes oder Sahne-Torten beansprucht die Bowle den Mittelpunkt der Tafel. F\u00fcr eine Bowle braucht es auch eine gr\u00f6\u00dfere Trinkgesellschaft. Denn es gilt, dem Inhalt des gro\u00dfen Topfes Herr zu werden. Damit garantiert die Bowle eine besondere Geselligkeit.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>Im 19. Jahrhundert sind \u00fcberaus kunstvolle Bowlegef\u00e4\u00dfe gefertigt worden. Besonders der Historismus brachte \u00fcppig geschm\u00fcckte Bowlet\u00f6pfe aus Silber, Kristallglas, Kupfer oder Keramik hervor. Mathilde Erhardt bildet in ihrem \u201eillustrierten Kochbuch f\u00fcr den einfachen b\u00fcrgerlichen und den feinen Tisch\u201c im Jahr 1904 gleich mehrere solcher Gef\u00e4\u00dfe ab: eines aus Glas und eines aus \u201erheinischem Steinzeug\u201c. Sogar einen speziellen \u201eMaitrankl\u00f6ffel mit Deckel\u201c schl\u00e4gt sie vor. Das ist eine silberne Sch\u00f6pfkelle mit einem durchbrochenen Deckel. Ist er geschlossen, geht nur Fl\u00fcssigkeit durch. Ist er aber ge\u00f6ffnet kann man Fr\u00fcchte absch\u00f6pfen. Der Bowletopf aus Steingut ist geschm\u00fcckt mit einem Knaben, der auf der Laute einer kost\u00fcmierten Dame mit F\u00e4cher ein St\u00e4ndchen singt \u2013 umgeben von reichlich Neorenaissance Rollwerk. Solche historisierenden Objekte mit plastischer Oberfl\u00e4che wurden im Rheinland und im Westerwald in der dortigen Keramikproduktion hergestellt. Damit retteten die T\u00f6pfer-Handwerker ihr Gewerbe noch ins Industriezeitalter hin\u00fcber.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>Das abgebildete Bowleset mit Motiven der Rheinromantik aus den Zwanzigerjahren wurde bereits industriell gefertigt von der Aktiengesellschaft Wick-Werke in H\u00f6hr-Grenzhausen, dem Zentrum der Westerw\u00e4lder Keramikproduktion. Seit Ende des 19. Jahrhunderts waren derartige mit Rhein-Burgen dekorierte T\u00f6pfe beliebt. Sie sind im Grundaufbau alle \u00e4hnlich. Dieser hier verr\u00e4t mit Fruchtk\u00f6rbchen als Deckelknauf und den Ecken der Henkel mit jugendstiligen Fr\u00fcchten seine sp\u00e4te Entstehungszeit. Die Rheinromantik entdeckte die Flusslandschaft des Rheintals mit k\u00fchnen Burgen auf wilden Felsen als romantische Sehnsuchtslandschaft und fr\u00fches touristisches Reiseziel. Seit der Rheinkrise im Jahre 1840, als in der franz\u00f6sischen \u00d6ffentlichkeit der Rhein als Au\u00dfengrenze beansprucht wurde, wurde diese Rheinromantik zunehmend nationalistisch aufgeladen. So konnte die Darstellung der wehrhaften Burgen am Rhein auch f\u00fcr die \u201eWacht am Rhein\u201c stehen. Das entsprechende Lied, das zur inoffiziellen Nationalhymne im deutschen Kaiserreich avancierte, beschwor deutschnationale Verteidigungsbereitschaft. Die Rheinlandschaft passte aber auch in kulinarischer Hinsicht besonders gut zur Bowle, gedieh dort doch der edle Rhein- und Moselwein. Wegen des milden Klimas im Rheinland galten die dortigen Weine bis in die Achtzigerjahre des zwanzigsten Jahrhunderts als die lieblichsten und spritzigsten deutschen Weine. So empfehlen die Kochbuchautoren gerne \u201eRhein- oder Moselwein\u201c f\u00fcr die sommerliche Bowle. Sogar im \u201ePraktischen Kochbuch f\u00fcr die Deutschen in Amerika\u201c von 1897 (S. 348) wird f\u00fcr Maiwein \u201eRhein- und Moselwein\u201c empfohlen. Eine Familie aus D\u00fcsseldorf brachte den abgebildeten Bowletopf kurz nach seiner Herstellung mit nach Bayern.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/csm_Bowleset_Rheinromantik__1920er__Foto_Guenther_Freund_992133d14f.jpg\" alt=\"\"><\/p>\n<div>\n<div class=\"mediaelement mediaelement-image\">\n<p class=\"news-img-caption\"><i>Bowleset mit Motiven der Rheinromantik Wein und Burgen, Westerw\u00e4lder Steinzeug, 1920er, Foto G\u00fcnther Freund<\/i><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><a href=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/csm_Fahrende_Habe__Holzschnitt_von_Hans_Paur__um_1475_ff0cecc5ba.jpg\"><\/a><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Maitrankloeffel_abgebildet_in_Mathilde_Erhardts_Grossem_illustriertem_Kochbuch_fuer_den_einfachen_buergerlichen_und_den_feineren_Tisch_aus_dem_Jahr_1904.jpg\" alt=\"\"><\/p>\n<div>\n<p><i>Maitrankl\u00f6ffel abgebildet in Mathilde Erhardts Gro\u00dfem illustriertem Kochbuch f\u00fcr den einfachen b\u00fcrgerlichen und den feineren Tisch aus dem Jahr 1904<\/i><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/csm_Tassen_hinten_-_Detail_Bowleset_Rheinromantik__1920er__Foto_Guenther_Freund_f91cd31bc5.jpg\" alt=\"\"><\/p>\n<div>\n<div class=\"mediaelement mediaelement-image\">\n<p class=\"news-img-caption\"><i>Bowlebecher aus Bowleset mit Motiven der Rheinromantik Wein und Burgen, Westerw\u00e4lder Steinzeug, 1920er, Foto G\u00fcnther Freund<\/i><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><a href=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/csm_Fahrende_Habe__Holzschnitt_von_Hans_Paur__um_1475_ff0cecc5ba.jpg\"><\/a><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/csm_Burg_Stolzenfels__-_Detail_auf_Bowletopf_Rheinromantik__1920er__Foto_Guenther_Freund_605357da16.jpg\" alt=\"\"><\/p>\n<div>\n<div class=\"mediaelement mediaelement-image\">\n<p class=\"news-img-caption\"><i>Bowlebecher aus Bowleset mit Motiven der Rheinromantik Wein und Burgen, Westerw\u00e4lder Steinzeug, 1920er, Foto G\u00fcnther Freund<\/i><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><a href=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/csm_Fahrende_Habe__Holzschnitt_von_Hans_Paur__um_1475_ff0cecc5ba.jpg\"><\/a><\/p>\n<\/div>\n<h4>Eisgek\u00fchltes Luxusgetr\u00e4nk<\/h4>\n<div>\n<p>Auch die Servierform der Bowle: gek\u00fchlt am besten mit Eis \u2013 machte die Bowle zum Luxusgetr\u00e4nk. Schon bei den R\u00f6mern galt mit gepresstem Schnee gek\u00fchlter Wein als dekadenter Luxus. Im Barock waren eisgek\u00fchlte Getr\u00e4nke im h\u00f6fischen Umfeld gefragt (Camporesi, 1992). Das Spektrum der in der besseren Gesellschaft beliebten Sommergetr\u00e4nke zeigt der genussfreudige Wolfgang Amadeus Mozart in einem Kanon (KV 234\/382) auf, den er 1782 in Wien komponierte:<\/p>\n<p><em>\u201eBei der Hitz im Sommer \u2026<br \/>nehm [ich] Limonade, Mandelmilch,<br \/>auch zu Zeiten Horner Bier;<br \/>das im hei\u00dfen Sommer nur.<br \/>Ich f\u00fcr mich in Eis gek\u00fchlts Glas Wein,<br \/>Auch mein Glas Gefrohrnes.\u201c<\/em><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>Heute ist dieser Kanon unter dem etwas allgemeineren Text \u201cEssen, Trinken, das erh\u00e4lt den Leib\u201d bekannt. Brunnenwasser und Most, die Sommergetr\u00e4nke der einfacheren Leute, erw\u00e4hnt Mozart erst gar nicht. Er nennt gek\u00fchlte Getr\u00e4nke: Bier, das einen (Eis-)Keller zur Lagerung erfordert und Wein, gek\u00fchlt mit Eis aus dem Haushalt \u2013 oder gleich Speiseeis.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>F\u00fcr die Eisk\u00fchlung der Bowle gab es Kr\u00fcge mit Glaseins\u00e4tzen oder sogenannte Bowleeier aus Glas, die man in den Bowletopf h\u00e4ngt. Damit kann man Bowle k\u00fchlen, ohne sie zu verw\u00e4ssern. Man vermeidet damit auch die direkte Ber\u00fchrung des Eises mit dem Getr\u00e4nk. Noch bis in das 20. Jahrhundert warnen Kochbuchautoren davor, Natureis direkt zu konsumieren, denn es konnte Verunreinigungen enthalten. Im Winter wurde aus Seen Eis gebrochen, das man in sogenannten Eiskellern bis zum Sommer lagerte. Gasth\u00e4user und besser gestellte Haushalte lie\u00dfen sich mit diesem Eis beliefern. Im Eisschrank k\u00fchlte das Eis Speisen und Getr\u00e4nke, bis es weggeschmolzen war und durch eine neue Lieferung Eis ersetzt werden musste. Mit Strom gek\u00fchlte Schr\u00e4nke wurden zwar schon Ende des 19. Jahrhunderts erfunden, setzten sich als K\u00fchlschr\u00e4nke in Privathaushalten aber erst mit der allgemeinen Elektrifizierung in den 1950er-Jahren durch. Von da an waren Eisw\u00fcrfel aus den anfangs noch kleinen Eisf\u00e4chern der K\u00fchlschr\u00e4nke allgemein verf\u00fcgbar.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>In dieser Zeit entwickelte sich die Bowle zum beliebten Partygetr\u00e4nk. Passend zur neuen Leichtigkeit der Fifties waren nun transparente Bowlesets aus Glas \u2013 gerne mit Kristallschliff, wie auf den Einstiegsbildern zu sehen, verbreitet. Ebenso wie Bowlesets waren zu dieser Zeit auch andere dekorative Serviergeschirre sehr beliebt: wie das K\u00f6rbchen f\u00fcr die Weinflasche, der Salzlettenst\u00e4nder, die nierenf\u00f6rmige Geb\u00e4ckschale, der Schnapsgl\u00e4schenhalter aus Bambus oder Elox und \u00e4hnliches \u2013dekoriert mit exotischen Motiven wie venezianischen Gondeln, Eifelt\u00fcrmen oder Ananasfr\u00fcchten. Alles in allem die verdinglichte Sehnsucht nach dem guten Leben und der Freiheit nach den Entbehrungen in den Kriegsjahren. Solche Ausstattungsst\u00fccke f\u00fcr die Cocktailparty waren hoch gesch\u00e4tzte Geschenke. F\u00fcr sie wurde im Vergleich zu Alltagsgeschirr viel mehr Geld ausgegeben, obwohl diese St\u00fcck viel seltener benutzt wurden. Dementsprechend haben sich auch zahlreiche solcher Partyrequisiten erhalten. Sie waren die Pr\u00e4mien des neuen guten Lebens, die Zierde im (Gelsenkirchner-)Wohnzimmerbuffet, in deren Mittelpunkt oft das gro\u00dfe Bowleset im Vitrinenfach stand. Dazu passend gab es Bowlespie\u00dfe zum Aufspie\u00dfen der Fr\u00fcchte aus der Bowle oder spielerische Anh\u00e4nger zur Markierung der Gl\u00e4ser, etwa mit kleinen Glasfr\u00fcchten oder Fig\u00fcrchen. In den Siebzigerjahren waren die Bowlet\u00f6pfe dann gern wieder aus Keramik glasiert in bunten Farben \u2013 rustikal-folkloristisch mit und ohne Blumenmuster, bis Bowle aus der Mode kam und die Bowlet\u00f6pfe in den meisten Haushalten in der Versenkung verschwanden.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Bowle_mit_Glaesern_abgebildet_in_Mathilde_Erhardts_Grossem_illustriertem_Kochbuch_fuer_den_einfachen_buergerlichen_und_den_feineren_Tisch_aus_dem_Jahr_1904.jpg\" alt=\"\"><\/p>\n<div>\n<div class=\"mediaelement mediaelement-image\">\n<p class=\"news-img-caption\"><i>Bowletopf aus Glas, abgebildet in Mathilde Erhardts Gro\u00dfem illustriertem Kochbuch f\u00fcr den einfachen b\u00fcrgerlichen und den feineren Tisch aus dem Jahr 1904<\/i><\/p>\n<\/div>\n<div class=\"mediaelement mediaelement-image\">\u00a0<\/div>\n<\/div>\n<p><a href=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/csm_Fahrende_Habe__Holzschnitt_von_Hans_Paur__um_1475_ff0cecc5ba.jpg\"><\/a><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Bowletopf_aus_rheinischem_Steinzeug_abgebildet_in_Mathilde_Erhardts_Grossem_illustriertem_Kochbuch_fuer_den_einfachen_buergerlichen_und_den_feineren_Tisch_aus_dem_Jahr_1904.jpg\" alt=\"\"><\/p>\n<div>\n<div class=\"mediaelement mediaelement-image\">\n<p class=\"news-img-caption\"><i>Bowletopf aus rheinischem Steinzeug, abgebildet in Mathilde Erhardts Gro\u00dfem illustriertem Kochbuch f\u00fcr den einfachen b\u00fcrgerlichen und den feineren Tisch aus dem Jahr 1904<\/i><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><a href=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/csm_Fahrende_Habe__Holzschnitt_von_Hans_Paur__um_1475_ff0cecc5ba.jpg\"><\/a><\/p>\n<\/div>\n<h4>Bowle Getr\u00e4nk f\u00fcr M\u00e4nnerabende, b\u00fcrgerliche Gartennachmittage und Familienfeiern<\/h4>\n<div>\n<p>Auf dem anonymen Scherenschnitt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts trinken zwei j\u00fcngere M\u00e4nner offenbar Bowle. Das Gegenst\u00fcck dazu sind Scherenschnitte mit Kaffee trinkenden Damen. Auch auf fr\u00fchen Fotografien wovon z. B. das Portal WDRdigit &#8211; Archiv des analogen Alltags einen aussagekr\u00e4ftigen Querschnitt ver\u00f6ffentlicht, finden sich einige Herrengesellschaften mit Bowle. Julius Stettenheim geht in seinem \u201eModerne(n) Knigge\u201c von 1905 (S. 84-85) selbstreden von M\u00e4nnern als Bowlegesellschaft aus. Ganz zum Ende l\u00e4ngerer Auslassungen erw\u00e4hnt er auch noch die Ausnahme:<\/p>\n<p><em>\u201eGeh\u00f6ren Damen zur Bowlenrunde, so sage man ihnen, es schade ihnen die Bowle nicht, sie k\u00f6nnten trinken nach Herzenslust. Dies wird von ihnen nicht geglaubt, und sie trinken daher mehr als sie vertragen k\u00f6nnen. So reizend eine Frau ohne Spitz sein kann, so reizend kann eine Frau mit einem Spitz sein.\u201c<\/em><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>So galt die Bowle offenbar Anfang des 20. Jahrhunderts noch eher als Herrengetr\u00e4nk. Einige wenige Fotos zeigen so ab den 1920er Jahren auch schon gemischte, b\u00fcrgerliche Gartengesellschaften mit sommerlicher Bowle. Kurt Tucholsky sieht in einem Gedicht von 1920 \u201eWas fange ich Silvester an?\u201c drei Optionen in drei Gedichtstrophen f\u00fcr diesen Abend: Silvester entweder mit dem Generaldirektor zu feiern, im Familienscho\u00dfe zu bleiben oder im Am\u00fcsierviertel zu verbringen. Zur Familienfeier schreibt er:<\/p>\n<p><em>\u201eW\u00e4lz ich mich im Familienscho\u00dfe? \u2026<br \/>Um zw\u00f6lf steht R\u00fchrung auf der Uhr.<br \/>Die Bowle \u2013! (\u203aLeichter Mosel\u2039 nur \u2013).<br \/>Prost Neujahr!\u201c<\/em><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>Die Silvesterbowle scheint also schon zum Repertoire der h\u00e4uslichen Familienfeier zu Silvester zu geh\u00f6ren. Auch aus den F\u00fcnfziger- und Sechzigerjahren als die Bowle und auch die Fotografie popul\u00e4r wurden, zeigen private Fotos nun h\u00e4ufig Bowle-Gesellschaften mit Weihnachtsbaum im Hintergrund, auch maskierte G\u00e4ste an Fasching, Sommerbowle im Garten, aber auch bowletrinkende Gesellschaften zu anderen Gelegenheiten sogar Hochzeiten und Taufen. Bowle ist nun ein popul\u00e4reres Familiengetr\u00e4nk. Sie scheint besonders bei Frauen beliebt gewesen zu sein. Auf dem eingangs abgebildeten Foto f\u00e4llt auf, dass nur vor den Frauen die Bowlebecher stehen, vor den M\u00e4nnern dagegen Bierflaschen. Immer wieder habe ich von l\u00e4ngst Erwachsenen erz\u00e4hlt bekommen, wie f\u00fcr sie als Kinder das Naschen von den Bowlefr\u00fcchten die erste Erfahrung mit Alkohol war. So singt der selbsternannte \u201eWein-Kabarettist\u201c Ingo Konrad ein Loblied auf die Bowle.<\/p>\n<p><em>\u201eNeulich war ich bei meinen Eltern zu Besuch. \u2026 pl\u00f6tzlich sehe ich ihn: Unseren neobarocken Bowletopf. Er war ein Koloss unseres Hausrates, ein Erbst\u00fcck ganzer Generationen. Drei Tonnen schwer und aus Keramik. \u2026 Augenblicklich f\u00fchlte ich mich in meine Kindheit versetzt. Der Raum begann sich zu drehen, ein Zeitloch tat sich auf und ich taumelte und nahm wie von einer fremden Macht gesteuert Platz auf dem kreisrunden roten Sitzkissen mit den orientalischen Motiven, das auf einmal wieder wie damals mitten im Raum stand. Offensichtlich war ich in den 1970er Jahren gelandet. Tats\u00e4chlich: Das Wohnzimmer sah jetzt wieder aus wie in meinen Kindertagen: Der Boden bestand aus gro\u00dfen, cremewei\u00dfen Natursteinfliesen, darauf ein kreisrunder Flauschteppich, in dem wir Kinder immer Erdn\u00fcsse fanden. An der Seite ein aus Backsteinen kubistisch gemauerter offener Kamin. Mittig ein rechteckiger Couchtisch, der auf einer zentralen S\u00e4ule ruhte und sich mittels eines ausgekl\u00fcgelten Federmechanismus&#8216; und eines kleinen Hebels in der H\u00f6he verstellen lie\u00df. \u2026 Ich beobachtete, wie mein Vater, jetzt wieder ganz der junge Mann von damals, feierlich mit der Bowle den Raum betrat. Breitbeinig wie ein Matrose. Mit zum Bersten angespannter Oberk\u00f6rpermuskulatur. Vor sich gef\u00fchlte 50 Liter Fl\u00fcssigkeit. In einem aufwendigst verzierten Bowlentopf. An den Seiten waren Darstellungen von sechs Rheinburgen zu sehen, dazwischen Reliefs von Weinlaub und Trauben. Und oben drauf hockte die halbnackte Loreley, die als Deckelgriff diente. \u2026 Die Pfirsiche und der Wein waren schon drin, jetzt sch\u00fctteten meine Eltern noch Sekt und Schnaps als Wirkungsbeschleuniger dazu. So eine Bowle soll ja in erster Linie wirken. Wir Kinder durften nicht von der Bowle probieren. Wegen des Alkohols. Aber von den Fr\u00fcchten durften wir naschen. Die waren ja gesund. \u2026 Ich hing meinen Gedanken nach. Es war meine Mutter, die mich aus meinen Tr\u00e4umen riss: \u201eIngo, wo bleibst Du \u2026?\u201c \u2026 \u201eDu sprichst ja genau so wie fr\u00fcher, als Du von den Bowlefr\u00fcchten genascht hast!\u201c (http:\/\/ weinjocker.blogspot.com am 14.4.2021)<\/em><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/csm_Bowletrinker_anonymer_Scherenschnitt__wohl_Mitte_19_Jhr_938b8d50fa.jpg\" alt=\"\"><\/p>\n<div>\n<p><i>Bowletrinkende M\u00e4nner, Scherenschnitt Mitte 19. Jahrhundert<\/i><\/p>\n<\/div>\n<p><a href=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/csm_Fahrende_Habe__Holzschnitt_von_Hans_Paur__um_1475_ff0cecc5ba.jpg\"><\/a><\/p>\n<\/div>\n<h4>Der fruchtig-geistvolle Inhalt der Bowle: Ananas und Erdbeeren<\/h4>\n<div>\n<p>Die Bowlefr\u00fcchte scheinen die Bowle erst auszumachen. Waldmeisterbowle wird in historischen Kochb\u00fcchern fast nie allein erw\u00e4hnt. Daneben wird meist auch ein Rezept f\u00fcr Ananas- oder Erdbeerbowle empfohlen. Obwohl immer wieder behauptet wird, Bowle solle schon 400 Jahre alt sein, konnte ich keine Belege f\u00fcr ein Getr\u00e4nk unter diesem Namen finden. In Amaranthes Frauenzimmerlexikon aus dem Jahr 1715 (S. 486) ist noch von einer \u201ekalten Weinschale mit Erdbeeren\u201c die Rede. Erst seit dem 19. Jahrhundert finden sich vermehrt Rezept und Erw\u00e4hnungen von Bowle als Getr\u00e4nk. In einer Rezeptsammlung aus dem Goethehaus Anfang des 19. Jahrhunderts finden sich mehrere Rezepte f\u00fcr Erdbeer- und Ananasbowle (S. 88 &#8211;\u00a089). Von Adele Schopenhauer stammt das Rezept f\u00fcr den \u201eMaitrank\u201c. Zuerst kommt hier eine Orange und einem Pfund Zucker in den Topf. \u201eDann f\u00fcllt man die ganze Terrine mit Waldmeister und gie\u00dft 4 Flaschen leichten Moselwein auf.\u201c (S. 87) Mit dem Waldmeister ging man also sehr gro\u00dfz\u00fcgig um.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>Mit der Ananas verfuhr man dagegen umso sparsamer. Eine \u00dcbertragung des Kochbuch-Klassikers von Henriette Davidis f\u00fcr Deutsche in Amerika von 1897 rechnet \u201eeine in d\u00fcnne Scheiben geschnittene Ananas\u201c f\u00fcr 13 Flaschen Wein. Und schlie\u00dft dann noch eine Empfehlung zum Einkochen einer eventuell \u00fcbrigbleibenden Frucht an. Ananas und Erdbeeren wurden beide ab Mitte des 19. Jahrhunderts gewerbsm\u00e4\u00dfig in gr\u00f6\u00dferem Umfang angebaut. Die im 18. Jahrhundert schon in der h\u00f6fischen Orangerie in Sanssouci gez\u00fcchteten Ananas waren unerschwinglicher Luxus. Im 19. Jahrhundert kultivierten dann auch Handelsg\u00e4rtnereien Ananas. Ein Potsdamer H\u00e4ndler bewarb ab 1840 in der Vossischen Zeitung seine eingekochte Ananas unter anderem f\u00fcr Ananasbowle. (Potsdamer Neueste Nachrichten vom 09.07.2015, online) Teuer blieben eingemachte Ananas aber weiterhin. Noch in den F\u00fcnfzigerjahren war Ananas aus der Dose f\u00fcr breite Bev\u00f6lkerungsschichten in der Bundesrepublik ein erreichbares, aber doch noch etwas exotisches Luxusgut. In dieser Zeit kommt auch der Toast Hawaii mit Ananas, Kochschinken und K\u00e4se auf. In der DDR waren Ananas bis in die 1980er Jahre nur in Delikat- oder Exquisitl\u00e4den f\u00fcr den gehobenen Bedarf sehr teuer oder nur gegen Devisen erh\u00e4ltlich. Von Ananastorte oder Bowle mit Ananas als ganz besonders guten Speisen erz\u00e4hlten viele Gespr\u00e4chspartner in Interviews zur Alltagsgeschichte der DDR (Meggle, 2004, S. 343, 391). Heute wird Bowle ostalgisch als typisches DDR-Getr\u00e4nk etikettiert, das ruhig etwas st\u00e4rkeren Alkohol und etwas mehr Zucker enthalten darf, damit sie schneller wirkt. 1959 wurde in der DDR zum 10. Jubil\u00e4um der Republik der Film \u201eMaibowle\u201c produziert. Es war ein Lustspielfilm mit freundlichen Lobpreisungen der sozialistischen Menschengemeinschaft und des Chemieprogramms der DDR und einigen reichlich trunkenen Darstellern. Als Aufh\u00e4nger diente ein j\u00e4hrliches Familientreffen mit Maibowle zum Geburtstag des Vaters. Bowle war in der DDR aus den gleichen Gr\u00fcnden wie im Westen in den F\u00fcnfziger und Sechziger Jahren beliebt: Sie war dank der exotischen Fr\u00fcchte und Gew\u00fcrze etwas Besonderes, gleichzeitig war sie auch einfach. Jeder Alkohol, der zur Verf\u00fcgung stand, auch unterschiedliche Arten, konnten zusammengemischt werden. Der Zucker \u00fcbert\u00f6nte dann eventuelle geschmackliche Ungereimtheiten und beschleunigte den Anstieg der Stimmung. Im Osten Deutschlands hat sich die Vorliebe f\u00fcr Bowle l\u00e4nger gehalten als im Westen, wo teurere Cocktails die Bowle abl\u00f6sten. Letztlich ist das Rezept f\u00fcr Bowle als gek\u00fchlte Mischung von Wein, anderem Alkohol, Gew\u00fcrzen oder Fr\u00fcchten und Zucker auch seit dem 19. Jahrhundert im Wesentlichen gleichgeblieben.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Monatserdbeere_abgebildet_in_Mathilde_Erhardts_Grossem_illustriertem_Kochbuch_fuer_den_einfachen_buergerlichen_und_den_feineren_Tisch_aus_dem_Jahr_1904.jpg\" alt=\"\"><\/p>\n<div>\n<div class=\"mediaelement mediaelement-image\">\n<p class=\"news-img-caption\"><i>Monatserdbeeren abgebildet in Mathilde Erhardts Gro\u00dfem illustriertem Kochbuch f\u00fcr den einfachen b\u00fcrgerlichen und den feineren Tisch aus dem Jahr 1904. Monatserdbeeren sind eine von den Walderdbeeren abgleitete Sorte, die \u00fcber Monate hinweg Fr\u00fcchte tr\u00e4gt.<\/i><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><a href=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/csm_Fahrende_Habe__Holzschnitt_von_Hans_Paur__um_1475_ff0cecc5ba.jpg\"><\/a><\/p>\n<\/div>\n<h4>Waldmeister oder Mayenkraut f\u00fcr die Maibowle<\/h4>\n<div>\n<p>Zur Maibowle, der Fr\u00fchlingsbowle, braucht es als essenzieller Zutat das Waldmeisterkraut. \u201eMaitrunk\u201c, \u201eMaiwein\u201c und \u201eMaybowle\u201c gibt es nur im April, Mai und Juni, wenn der Waldmeister w\u00e4chst. Waldmeisterkraut ergibt ein sehr spezifisches Aroma. Sein botanischer Name ist \u201eGalium odoratum (L.) scop.\u201c. Im Volksmund hat die Pflanze verschiedene Namen wie z.B. Waldmeister, Waldmeier, M\u00e4serich, Gliedkraut, Maikraut oder Maienkraut. Die Pflanze wird 10 &#8211; 30 cm hoch. Sie wird als Heil- und Gew\u00fcrzkraut verwendet. Die einzelnen aufrecht wachsenden St\u00e4ngel haben spitze kahle Bl\u00e4tter in Quirlen. Die kleinen wei\u00dfen Bl\u00fcten bilden endst\u00e4ndigen Scheindolden. Die Pflanze soll geerntet werden, bevor sie bl\u00fcht. Ihr Geruch ist angenehm. Erst wenn man die Pflanze trocknet, entwickelt sich das intensive Aroma. Die Pflanze bevorzugt Buchen- und Mischw\u00e4lder mit n\u00e4hrstoffreichen B\u00f6den. Waldmeistersirup oder Waldmeisteraroma f\u00fcr G\u00f6tterspeise wird heute eher k\u00fcnstlich im Labor hergestellt, weil die Waldmeisterpflanze Cumarin enth\u00e4lt. Cumarin wirkt in gr\u00f6\u00dferer Menge als Nervengift. Cumarin findet man auch in anderen Pflanzen. Es verleiht z. B. dem Heu seinen typischen Geruch oder ist in den jetzt modischen Tonkabohnen enthalten. Gern werden damit heute auch Kosmetika aromatisiert. Da der Cumaringehalt im Waldmeister ziemlich gering ist, treten kaum ernsthafte Vergiftungen beim Verzehr des Waldmeisters auf. Wird Waldmeister jedoch in gr\u00f6\u00dferen Mengen genossen, k\u00f6nnen durchaus Kopfschmerzen\u00a0und Benommenheit auftreten. Der Waldmeister wurde fr\u00fcher wegen seines angenehmen Duftes auch als Motten- und Insektenschutz \u2013 gerne in B\u00fcscheln \u2013 in die Kleiderschr\u00e4nke geh\u00e4ngt (https:\/\/www.pflanzenfreunde.com\/heilpflanzen\/waldmeister.htm, abgerufen am 16.4.2021). Wer ganz sicher gehen will, kann die Pflanze auch als Gew\u00fcrzkraut im Topf kaufen, z.B. beim Kr\u00e4utermarkt im Fr\u00e4nkischen Freilandmuseum.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/csm_Waldmeisterpflanze__Foto_Margarete_Meggle-Freund-160142_35a390a237.jpg\" alt=\"\"><\/p>\n<div>\n<div class=\"mediaelement mediaelement-image\">\n<p class=\"news-img-caption\"><i>Waldmeister w\u00e4chst in Buchenw\u00e4ldern. Foto Margarete Meggle-Freund<\/i><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><a href=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/csm_Fahrende_Habe__Holzschnitt_von_Hans_Paur__um_1475_ff0cecc5ba.jpg\"><\/a><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/Waldmeister_abgebildet_in_Mathilde_Erhardts_Grossem_illustriertem_Kochbuch_fuer_den_einfachen_buergerlichen_und_den_feineren_Tisch_aus_dem_Jahr_1904.jpg\" alt=\"\"><\/p>\n<div>\n<div class=\"mediaelement mediaelement-image\">\n<p class=\"news-img-caption\"><i>Waldmeisterpflanze abgebildet in Mathilde Erhardts Gro\u00dfem illustriertem Kochbuch f\u00fcr den einfachen b\u00fcrgerlichen und den feineren Tisch aus dem Jahr 1904<\/i><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><a href=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/csm_Fahrende_Habe__Holzschnitt_von_Hans_Paur__um_1475_ff0cecc5ba.jpg\"><\/a><\/p>\n<\/div>\n<h4>Waldmeister-Erdbeer-Bowle<\/h4>\n<div>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/05\/csm_Waldmeisterbowle__Foto_Margarete_Meggle-Freund-2873_b442f0affe.jpg\" alt=\"\"><\/p>\n<div>\n<p><i>Waldmeister-Erdbeer-Bowle in einem Glastopf von 1919, Foto Margarete Meggle-Freund<\/i><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<p>Die Anregung zu meinem Bowleexperiment lieferte ein gl\u00e4serner Bowletopf. Zuerst wollte ich ihn nur als Blumenvase verwenden. Aber die Bowle stie\u00df auf so positive Resonanz, dass er nun \u00f6fters zum Einsatz kommt. Den Glastopf hatte die Mutter der Schenkerin aus einem st\u00e4dtischen Handwerkerhaushalt im Jahr 1919 zur Hochzeit bekommen. Typisch f\u00fcr die Zeit ist die Wahl des edlen Bleikristalls, dabei aber der Verzicht auf \u00fcppiges Ornament. Nur ein schlichter paralleler Schliff markiert den Rand des zylindrischen Gef\u00e4\u00dfes. Die Tischdecke mit dem eingewebten antikisierenden, geometrischen M\u00e4andermuster und die sp\u00e4ter rot gestrichenen K\u00fcchenst\u00fchle mit den senkrechten Leisten im R\u00fccken stammen aus der gleichen Zeit. Von den ebenfalls zylindrischen Trinkbechern haben sich nur wenige erhalten. Sie wurden in den Sechzigerjahren um rundbauchige Trinkbecher und Cocktailspie\u00dfchen aus Kunststoff zum Aufspie\u00dfen der Bowlefr\u00fcchte erg\u00e4nzt. Die Sch\u00f6pfkelle aus Plexiglas kam in den Siebzigerjahren dazu.<\/p>\n<p>250 g Erdbeeren, 3 Teel\u00f6ffel Agavensirup, 1 Str\u00e4u\u00dfchen Waldmeisterkraut (8 St\u00e4ngel), 1 Flasche (0,75 l) sommerlicher Wei\u00dfwein, 1 Flasche (0,75 l) trockener Sekt, Mineralwasser mit viel Kohlens\u00e4ure und nach Bedarf Eisw\u00fcrfel<\/p>\n<p>Den Waldmeister \u00fcber Nacht antrocknen lassen oder einfrieren, erst dann entfaltet sich sein Aroma. Dabei wird er schwarz. So kann man sich auch etwas Vorrat an Waldmeister anlegen. Die Erdbeeren waschen und die gr\u00f6\u00dferen Fr\u00fcchte in St\u00fccke schneiden, die sich gut aufspie\u00dfen lassen. Mit Agavensirup leicht s\u00fc\u00dfen, darauf den Wein gie\u00dfen und einige Stunden kaltstellen und einziehen lassen. Dann f\u00fcr eine halbe Stunde das Waldmeisterstr\u00e4u\u00dfchen \u00fcber einem Kochl\u00f6ffel, der \u00fcber den Topf gelegt wird, an einem Faden in den Wein h\u00e4ngen. Die holzigen Enden der Pflanzen sollen nicht ins Getr\u00e4nk kommen. Kurz vor dem Ausschenken den gut gek\u00fchlten Sekt zugie\u00dfen. Die Bowle schmeckt am besten kalt, deshalb bei Bedarf noch Eisw\u00fcrfel zugeben. Wer weniger Alkohol zu sich nehmen m\u00f6chte, kann auch mit gut gek\u00fchltem Mineralwasser verd\u00fcnnen.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><strong>Variante Rosenbowle:<\/strong>\u00a0Hier noch als Variante eine Rosenbowle, die ebenfalls im 19. Jahrhundert \u00fcberliefert ist, falls man die Erntezeit des Waldmeisters verpasst hat. Passend zur Romantik soll sie auch aus England kommen.<\/p>\n<p>4 ungespritzte Rosenbl\u00fcten, einige Rosenbl\u00e4tter als Dekor, 5 Spritzer Rosenwasser, 1 Flasche (0,75 l) sommerlicher Wei\u00dfwein, 1 Flasche (0,75 l) trockener Sekt, Mineralwasser mit viel Kohlens\u00e4ure und nach Bedarf Eisw\u00fcrfel<\/p>\n<p>Rosenbl\u00e4tter abzupfen mit Rosenwasser und Wein ansetzen und 4 Stunden ziehen lassen, vor dem Servieren mit Sekt aufgie\u00dfen und mit einigen Rosenbl\u00e4ttern als Dekor bestreuen.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>Ob es Kopfweh gibt, h\u00e4ngt an der Qualit\u00e4t des Weins. Eine Bowle aus einem guten trockenen (fr\u00e4nkischen) Wein und Sekt mit nicht zu viel Zucker und nat\u00fcrlich in Masen getrunken, ist bek\u00f6mmlich. Sehr gut passt das Waldmeisteraroma auch zu Spargel.<\/p>\n<\/div>\n<p><a href=\"https:\/\/freilandmuseum.de\/\"><img decoding=\"async\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/freilandmuseum_badwindsheim_signet_RGB_gross-1.jpg\" alt=\"\"><\/a><\/p>\n<div>\n<p>In meiner<a href=\"https:\/\/margarete.meggle-freund.de\/?page_id=1950\"> Kulinarikserie<\/a> des<a href=\"https:\/\/freilandmuseum.de\/\"> Fr\u00e4nkischen\u00a0 Freilandmuseum Bad Windsheim<\/a>\u00a0finden sich alte und erneuerte Rezepte mit Zutaten aus Franken, einfach und allt\u00e4glich, oder auch einmal aufwendigere, kreative Rezepte mit kulturhistorischem Hintergrund.<\/p>\n<\/div>\n<p><!-- {\"name\":\"Bratwurstpfanne\",\"type\":\"layout\",\"children\":[{\"type\":\"section\",\"props\":{\"style\":\"default\",\"width\":\"default\",\"vertical_align\":\"middle\",\"title_position\":\"top-left\",\"title_rotation\":\"left\",\"title_breakpoint\":\"xl\",\"image_position\":\"center-center\"},\"children\":[{\"type\":\"row\",\"children\":[{\"type\":\"column\",\"props\":{\"image_position\":\"center-center\",\"media_overlay_gradient\":\"\"},\"children\":[{\"type\":\"headline\",\"props\":{\"title_element\":\"h1\",\"content\":\"Waldmeisterbowle\",\"margin_remove_bottom\":false}},{\"type\":\"headline\",\"props\":{\"title_element\":\"h1\",\"content\":\"Soloauftritt f\\u00fcr ein seltenes Gew\\u00fcrzkraut\",\"title_style\":\"h3\",\"margin_remove_top\":true}},{\"type\":\"text\",\"props\":{\"margin\":\"default\",\"column_breakpoint\":\"m\",\"content\":\"\n\n<p>Zu besonderen Gelegenheiten wird im Fr\\u00e4nkischen Freilandmuseum des Bezirks Mittelfranken Bowle serviert. Bei der Veranstaltung \\u201eK\\u00fcche und Kochen im Wandel der Zeit\\u201c kann man die Entwicklung der Kochtechniken und der zeittypischen Gerichte bei einem Gang durch die H\\u00e4user des Museums nacherleben. Im Stahlhaus aus Nerreth werden beispielsweise Speisen pr\\u00e4-sentiert, die bei Cocktailpartys in den F\\u00fcnfziger und Sechzigerjahren beliebt waren. Die Bowle durfte bei diesen Gelegenheiten selten fehlen. Als Waldmeisterbowle bietet sie einen Soloauftritt f\\u00fcr das seltene Maikraut. Diese \\u201eWildkr\\u00e4uterk\\u00fcche\\u201c weckt bei \\u00e4lteren Museumsbesuchern nostalgische Erinnerungen an gesellige Feiern. Um den Fr\\u00fchlingsmonat Mai geh\\u00f6rig zu feiern, verrate ich hier ein sch\\u00f6nes Maibowle-Rezept, das am n\\u00e4chsten Tag auch kein Kopfweh ergeben sollte.<\\\/p>\"}}]}]},{\"type\":\"row\",\"children\":[{\"type\":\"column\",\"props\":{\"image_position\":\"center-center\",\"media_overlay_gradient\":\"\"},\"children\":[{\"type\":\"headline\",\"props\":{\"title_element\":\"h4\",\"content\":\"Bowle und Punsch aus England\"},\"name\":\"Bowle und Punsch aus England\"}]}]},{\"type\":\"row\",\"props\":{\"layout\":\"3-5,2-5\"},\"children\":[{\"type\":\"column\",\"props\":{\"image_position\":\"center-center\",\"media_overlay_gradient\":\"\",\"width_medium\":\"3-5\"},\"children\":[{\"type\":\"text\",\"props\":{\"margin\":\"default\",\"column_breakpoint\":\"m\",\"content\":\"\n\n<p>Heute bezeichnet man mit Bowle ein eisgek\\u00fchlt serviertes Getr\\u00e4nk und mit Punsch ein Hei\\u00dfgetr\\u00e4nk. Der englische Begriff \\u201ebowl\\u201c beschreibt einen Napf oder eine gew\\u00f6lbte Schale. Das englische \\u201epunch\\u201c ist daf\\u00fcr ein Synonym. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wird der Begriff Bowle \\u00f6fter vor f\\u00fcr eine in einer Terrine mit dem Sch\\u00f6pfl\\u00f6ffel serviertes Getr\\u00e4nk verwendet. Bowle ist ein alkoholisches Mischgetr\\u00e4nk auf Wei\\u00dfweinbasis, h\\u00e4ufig mit Fruchtst\\u00fccken. Der in England ebenso beliebte Punsch ist ein alkoholisches Mischgetr\\u00e4nk mit Rum, Arrak oder auch Wein und Gew\\u00fcrzen. Bowle und Punch werden in gew\\u00f6lbten Gef\\u00e4\\u00dfen aufgetragen und mit Sch\\u00f6pfkellen ausgegeben. Die beiden Begriffe \\u201eBowle\\u201c und \\u201ePunsch\\u201c sind in historischen Texten oft vermischt und austauschbar (auch in der Definition, z. B. in Pierer's Universal-Lexikon von 1857, S. 156). Dies zeigt der Begriff \\u201eFeuerzangenbowle\\u201c \\u2013 der eigentlich einen Widerspruch in sich darstellt.<\\\/p>\"}}]},{\"type\":\"column\",\"props\":{\"image_position\":\"center-center\",\"media_overlay_gradient\":\"\",\"width_medium\":\"2-5\"},\"children\":[{\"type\":\"panel\",\"props\":{\"link_text\":\"Read more\",\"title_hover_style\":\"reset\",\"title_element\":\"h3\",\"title_align\":\"top\",\"title_grid_width\":\"1-2\",\"title_grid_breakpoint\":\"m\",\"meta_style\":\"meta\",\"meta_align\":\"below-title\",\"meta_element\":\"div\",\"content_column_breakpoint\":\"m\",\"icon_width\":80,\"image_align\":\"top\",\"image_grid_width\":\"1-2\",\"image_grid_breakpoint\":\"m\",\"image_svg_color\":\"emphasis\",\"link_style\":\"default\",\"margin\":\"default\",\"content\":\"\n\n<p><i>Bowle und andere Speisen, die in den F\\u00fcnfzigerjahren beliebt waren, gibt es bei der Veranstaltung \\u201eK\\u00fcche und Kochen im Wandel der Zeit\\u201c im Stahlhaus aus Nerreth im Fr\\u00e4nkischen Freilandmuseum, Foto Heidemarie Lehmann-Wetzel<\\\/i><\\\/p>\",\"image\":\"wp-content\\\/uploads\\\/2021\\\/05\\\/csm_Bowle_und_50er-Jahre_Parrtygerichte_im_Stahlhaus__Foto_Heidemarie_Lehmann-Wetzel_def95c5bc4.jpg\",\"panel_style\":\"card-default\"},\"name\":\"Bowle und andere Speisen, die in den F\\u00fcnfzigerjahren beliebt waren, gibt es bei der Veranstaltung \\u201eK\\u00fcche und Kochen im Wandel der Zeit\\u201c im Stahlhaus aus Nerreth im Fr\\u00e4nkischen Freilandmuseum\"}]}]},{\"type\":\"row\",\"children\":[{\"type\":\"column\",\"props\":{\"image_position\":\"center-center\",\"media_overlay_gradient\":\"\"},\"children\":[{\"type\":\"headline\",\"props\":{\"title_element\":\"h4\",\"content\":\"Pr\\u00e4chtige Bowls f\\u00fcr den Tafelmittelpunkt\"},\"name\":\"Pr\\u00e4chtige Bowls f\\u00fcr den Tafelmittelpunkt\"}]}]},{\"type\":\"row\",\"props\":{\"layout\":\"3-5,2-5\"},\"children\":[{\"type\":\"column\",\"props\":{\"image_position\":\"center-center\",\"media_overlay_gradient\":\"\",\"width_medium\":\"3-5\"},\"children\":[{\"type\":\"panel\",\"props\":{\"link_text\":\"Read more\",\"title_hover_style\":\"reset\",\"title_element\":\"h3\",\"title_align\":\"top\",\"title_grid_width\":\"1-2\",\"title_grid_breakpoint\":\"m\",\"meta_style\":\"meta\",\"meta_align\":\"below-title\",\"meta_element\":\"div\",\"content_column_breakpoint\":\"m\",\"icon_width\":80,\"image_align\":\"top\",\"image_grid_width\":\"1-2\",\"image_grid_breakpoint\":\"m\",\"image_svg_color\":\"emphasis\",\"link_style\":\"default\",\"margin\":\"default\",\"content\":\"\n\n<p><i>Eine Gesellschaft trinkt Bowle 1950er, Foto im WDRdigit - Archiv des analogen Alltags<\\\/i><\\\/p>\",\"image\":\"wp-content\\\/uploads\\\/2021\\\/05\\\/csm_Gesellschaft_bei_Bowle__1950er_WDRdigit__65927b170b.jpg\",\"panel_style\":\"card-default\"},\"name\":\"Eine Gesellschaft trinkt Bowle 1950er\"},{\"type\":\"text\",\"props\":{\"margin\":\"default\",\"column_breakpoint\":\"m\",\"content\":\"\n\n<p>Schon in der Namensgebung spielt der Serviertopf eine gro\\u00dfe Rolle. Der besonders sch\\u00f6ne Bowletopf mit den dazu passenden Trinkbechern und das Getr\\u00e4nk, in dem Fr\\u00fcchte schwimmen, macht die Bowle zu einem dekorativen Gang \\u2013 dem Gegenteil einer Alltagsspeise. Eigentlich k\\u00f6nnten man sie ja auch im Suppentopf oder in der Suppenterrine servieren. Wie Eisbecher mit aufw\\u00e4ndigem Dekor, Flambiertes oder Sahne-Torten beansprucht die Bowle den Mittelpunkt der Tafel. F\\u00fcr eine Bowle braucht es auch eine gr\\u00f6\\u00dfere Trinkgesellschaft. Denn es gilt, dem Inhalt des gro\\u00dfen Topfes Herr zu werden. Damit garantiert die Bowle eine besondere Geselligkeit.<\\\/p>\"}},{\"type\":\"text\",\"props\":{\"margin\":\"default\",\"column_breakpoint\":\"m\",\"content\":\"\n\n<p>Im 19. Jahrhundert sind \\u00fcberaus kunstvolle Bowlegef\\u00e4\\u00dfe gefertigt worden. Besonders der Historismus brachte \\u00fcppig geschm\\u00fcckte Bowlet\\u00f6pfe aus Silber, Kristallglas, Kupfer oder Keramik hervor. Mathilde Erhardt bildet in ihrem \\u201eillustrierten Kochbuch f\\u00fcr den einfachen b\\u00fcrgerlichen und den feinen Tisch\\u201c im Jahr 1904 gleich mehrere solcher Gef\\u00e4\\u00dfe ab: eines aus Glas und eines aus \\u201erheinischem Steinzeug\\u201c. Sogar einen speziellen \\u201eMaitrankl\\u00f6ffel mit Deckel\\u201c schl\\u00e4gt sie vor. Das ist eine silberne Sch\\u00f6pfkelle mit einem durchbrochenen Deckel. Ist er geschlossen, geht nur Fl\\u00fcssigkeit durch. Ist er aber ge\\u00f6ffnet kann man Fr\\u00fcchte absch\\u00f6pfen. Der Bowletopf aus Steingut ist geschm\\u00fcckt mit einem Knaben, der auf der Laute einer kost\\u00fcmierten Dame mit F\\u00e4cher ein St\\u00e4ndchen singt \\u2013 umgeben von reichlich Neorenaissance Rollwerk. Solche historisierenden Objekte mit plastischer Oberfl\\u00e4che wurden im Rheinland und im Westerwald in der dortigen Keramikproduktion hergestellt. Damit retteten die T\\u00f6pfer-Handwerker ihr Gewerbe noch ins Industriezeitalter hin\\u00fcber.<\\\/p>\"}},{\"type\":\"text\",\"props\":{\"margin\":\"default\",\"column_breakpoint\":\"m\",\"content\":\"\n\n<p>Das abgebildete Bowleset mit Motiven der Rheinromantik aus den Zwanzigerjahren wurde bereits industriell gefertigt von der Aktiengesellschaft Wick-Werke in H\\u00f6hr-Grenzhausen, dem Zentrum der Westerw\\u00e4lder Keramikproduktion. Seit Ende des 19. Jahrhunderts waren derartige mit Rhein-Burgen dekorierte T\\u00f6pfe beliebt. Sie sind im Grundaufbau alle \\u00e4hnlich. Dieser hier verr\\u00e4t mit Fruchtk\\u00f6rbchen als Deckelknauf und den Ecken der Henkel mit jugendstiligen Fr\\u00fcchten seine sp\\u00e4te Entstehungszeit. Die Rheinromantik entdeckte die Flusslandschaft des Rheintals mit k\\u00fchnen Burgen auf wilden Felsen als romantische Sehnsuchtslandschaft und fr\\u00fches touristisches Reiseziel. Seit der Rheinkrise im Jahre 1840, als in der franz\\u00f6sischen \\u00d6ffentlichkeit der Rhein als Au\\u00dfengrenze beansprucht wurde, wurde diese Rheinromantik zunehmend nationalistisch aufgeladen. So konnte die Darstellung der wehrhaften Burgen am Rhein auch f\\u00fcr die \\u201eWacht am Rhein\\u201c stehen. Das entsprechende Lied, das zur inoffiziellen Nationalhymne im deutschen Kaiserreich avancierte, beschwor deutschnationale Verteidigungsbereitschaft. Die Rheinlandschaft passte aber auch in kulinarischer Hinsicht besonders gut zur Bowle, gedieh dort doch der edle Rhein- und Moselwein. Wegen des milden Klimas im Rheinland galten die dortigen Weine bis in die Achtzigerjahre des zwanzigsten Jahrhunderts als die lieblichsten und spritzigsten deutschen Weine. So empfehlen die Kochbuchautoren gerne \\u201eRhein- oder Moselwein\\u201c f\\u00fcr die sommerliche Bowle. Sogar im \\u201ePraktischen Kochbuch f\\u00fcr die Deutschen in Amerika\\u201c von 1897 (S. 348) wird f\\u00fcr Maiwein \\u201eRhein- und Moselwein\\u201c empfohlen. Eine Familie aus D\\u00fcsseldorf brachte den abgebildeten Bowletopf kurz nach seiner Herstellung mit nach Bayern.<\\\/p>\"}},{\"type\":\"panel\",\"props\":{\"link_text\":\"\",\"title_hover_style\":\"reset\",\"title_element\":\"h3\",\"title_align\":\"top\",\"title_grid_width\":\"1-2\",\"title_grid_breakpoint\":\"m\",\"meta_style\":\"meta\",\"meta_align\":\"below-title\",\"meta_element\":\"div\",\"content_column_breakpoint\":\"m\",\"icon_width\":80,\"image_align\":\"top\",\"image_grid_width\":\"1-2\",\"image_grid_breakpoint\":\"m\",\"image_svg_color\":\"emphasis\",\"link_style\":\"default\",\"margin\":\"default\",\"content\":\"\n\n<div class=\\\"mediaelement mediaelement-image\\\">\\n\n\n<p class=\\\"news-img-caption\\\"><i>Bowleset mit Motiven der Rheinromantik Wein und Burgen, Westerw\\u00e4lder Steinzeug, 1920er, Foto G\\u00fcnther Freund<\\\/i><\\\/p>\\n<\\\/div>\",\"image\":\"wp-content\\\/uploads\\\/2021\\\/05\\\/csm_Bowleset_Rheinromantik__1920er__Foto_Guenther_Freund_992133d14f.jpg\",\"panel_style\":\"card-default\",\"link\":\"wp-content\\\/uploads\\\/2021\\\/02\\\/csm_Fahrende_Habe__Holzschnitt_von_Hans_Paur__um_1475_ff0cecc5ba.jpg\",\"link_target\":false,\"panel_link\":true},\"name\":\"Bowleset mit Motiven der Rheinromantik Wein und Burgen, Westerw\\u00e4lder Steinzeug, 1920er\"}]},{\"type\":\"column\",\"props\":{\"image_position\":\"center-center\",\"media_overlay_gradient\":\"\",\"width_medium\":\"2-5\"},\"children\":[{\"type\":\"panel\",\"props\":{\"link_text\":\"Read more\",\"title_hover_style\":\"reset\",\"title_element\":\"h3\",\"title_align\":\"top\",\"title_grid_width\":\"1-2\",\"title_grid_breakpoint\":\"m\",\"meta_style\":\"meta\",\"meta_align\":\"below-title\",\"meta_element\":\"div\",\"content_column_breakpoint\":\"m\",\"icon_width\":80,\"image_align\":\"top\",\"image_grid_width\":\"1-2\",\"image_grid_breakpoint\":\"m\",\"image_svg_color\":\"emphasis\",\"link_style\":\"default\",\"margin\":\"default\",\"content\":\"\n\n<p><i>Maitrankl\\u00f6ffel abgebildet in Mathilde Erhardts Gro\\u00dfem illustriertem Kochbuch f\\u00fcr den einfachen b\\u00fcrgerlichen und den feineren Tisch aus dem Jahr 1904<\\\/i><\\\/p>\",\"image\":\"wp-content\\\/uploads\\\/2021\\\/05\\\/Maitrankloeffel_abgebildet_in_Mathilde_Erhardts_Grossem_illustriertem_Kochbuch_fuer_den_einfachen_buergerlichen_und_den_feineren_Tisch_aus_dem_Jahr_1904.jpg\",\"panel_style\":\"card-default\"},\"name\":\"Maitrankl\\u00f6ffel abgebildet in Mathilde Erhardts Gro\\u00dfem illustriertem 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Schon bei den R\\u00f6mern galt mit gepresstem Schnee gek\\u00fchlter Wein als dekadenter Luxus. Im Barock waren eisgek\\u00fchlte Getr\\u00e4nke im h\\u00f6fischen Umfeld gefragt (Camporesi, 1992). Das Spektrum der in der besseren Gesellschaft beliebten Sommergetr\\u00e4nke zeigt der genussfreudige Wolfgang Amadeus Mozart in einem Kanon (KV 234\\\/382) auf, den er 1782 in Wien komponierte:<\\\/p>\\n\n\n<p><em>\\u201eBei der Hitz im Sommer \\u2026<br \\\/>nehm [ich] Limonade, Mandelmilch,<br \\\/>auch zu Zeiten Horner Bier;<br \\\/>das im hei\\u00dfen Sommer nur.<br \\\/>Ich f\\u00fcr mich in Eis gek\\u00fchlts Glas Wein,<br \\\/>Auch mein Glas Gefrohrnes.\\u201c<\\\/em><\\\/p>\"}},{\"type\":\"text\",\"props\":{\"margin\":\"default\",\"column_breakpoint\":\"m\",\"content\":\"\n\n<p>Heute ist dieser Kanon unter dem etwas allgemeineren Text \\u201cEssen, Trinken, das erh\\u00e4lt den Leib\\u201d bekannt. Brunnenwasser und Most, die Sommergetr\\u00e4nke der einfacheren Leute, erw\\u00e4hnt Mozart erst gar nicht. Er nennt gek\\u00fchlte Getr\\u00e4nke: Bier, das einen (Eis-)Keller zur Lagerung erfordert und Wein, gek\\u00fchlt mit Eis aus dem Haushalt \\u2013 oder gleich Speiseeis.<\\\/p>\"}},{\"type\":\"text\",\"props\":{\"margin\":\"default\",\"column_breakpoint\":\"m\",\"content\":\"\n\n<p>F\\u00fcr die Eisk\\u00fchlung der Bowle gab es Kr\\u00fcge mit Glaseins\\u00e4tzen oder sogenannte Bowleeier aus Glas, die man in den Bowletopf h\\u00e4ngt. Damit kann man Bowle k\\u00fchlen, ohne sie zu verw\\u00e4ssern. Man vermeidet damit auch die direkte Ber\\u00fchrung des Eises mit dem Getr\\u00e4nk. Noch bis in das 20. Jahrhundert warnen Kochbuchautoren davor, Natureis direkt zu konsumieren, denn es konnte Verunreinigungen enthalten. Im Winter wurde aus Seen Eis gebrochen, das man in sogenannten Eiskellern bis zum Sommer lagerte. Gasth\\u00e4user und besser gestellte Haushalte lie\\u00dfen sich mit diesem Eis beliefern. Im Eisschrank k\\u00fchlte das Eis Speisen und Getr\\u00e4nke, bis es weggeschmolzen war und durch eine neue Lieferung Eis ersetzt werden musste. Mit Strom gek\\u00fchlte Schr\\u00e4nke wurden zwar schon Ende des 19. Jahrhunderts erfunden, setzten sich als K\\u00fchlschr\\u00e4nke in Privathaushalten aber erst mit der allgemeinen Elektrifizierung in den 1950er-Jahren durch. Von da an waren Eisw\\u00fcrfel aus den anfangs noch kleinen Eisf\\u00e4chern der K\\u00fchlschr\\u00e4nke allgemein verf\\u00fcgbar.<\\\/p>\"}},{\"type\":\"text\",\"props\":{\"margin\":\"default\",\"column_breakpoint\":\"m\",\"content\":\"\n\n<p>In dieser Zeit entwickelte sich die Bowle zum beliebten Partygetr\\u00e4nk. Passend zur neuen Leichtigkeit der Fifties waren nun transparente Bowlesets aus Glas \\u2013 gerne mit Kristallschliff, wie auf den Einstiegsbildern zu sehen, verbreitet. Ebenso wie Bowlesets waren zu dieser Zeit auch andere dekorative Serviergeschirre sehr beliebt: wie das K\\u00f6rbchen f\\u00fcr die Weinflasche, der Salzlettenst\\u00e4nder, die nierenf\\u00f6rmige Geb\\u00e4ckschale, der Schnapsgl\\u00e4schenhalter aus Bambus oder Elox und \\u00e4hnliches \\u2013dekoriert mit exotischen Motiven wie venezianischen Gondeln, Eifelt\\u00fcrmen oder Ananasfr\\u00fcchten. Alles in allem die verdinglichte Sehnsucht nach dem guten Leben und der Freiheit nach den Entbehrungen in den Kriegsjahren. Solche Ausstattungsst\\u00fccke f\\u00fcr die Cocktailparty waren hoch gesch\\u00e4tzte Geschenke. F\\u00fcr sie wurde im Vergleich zu Alltagsgeschirr viel mehr Geld ausgegeben, obwohl diese St\\u00fcck viel seltener benutzt wurden. Dementsprechend haben sich auch zahlreiche solcher Partyrequisiten erhalten. Sie waren die Pr\\u00e4mien des neuen guten Lebens, die Zierde im (Gelsenkirchner-)Wohnzimmerbuffet, in deren Mittelpunkt oft das gro\\u00dfe Bowleset im Vitrinenfach stand. Dazu passend gab es Bowlespie\\u00dfe zum Aufspie\\u00dfen der Fr\\u00fcchte aus der Bowle oder spielerische Anh\\u00e4nger zur Markierung der Gl\\u00e4ser, etwa mit kleinen Glasfr\\u00fcchten oder Fig\\u00fcrchen. In den Siebzigerjahren waren die Bowlet\\u00f6pfe dann gern wieder aus Keramik glasiert in bunten Farben \\u2013 rustikal-folkloristisch mit und ohne Blumenmuster, bis Bowle aus der Mode kam und die Bowlet\\u00f6pfe in den meisten Haushalten in der Versenkung verschwanden.<\\\/p>\"}}]},{\"type\":\"column\",\"props\":{\"image_position\":\"center-center\",\"media_overlay_gradient\":\"\",\"width_medium\":\"1-3\"},\"children\":[{\"type\":\"panel\",\"props\":{\"link_text\":\"\",\"title_hover_style\":\"reset\",\"title_element\":\"h3\",\"title_align\":\"top\",\"title_grid_width\":\"1-2\",\"title_grid_breakpoint\":\"m\",\"meta_style\":\"meta\",\"meta_align\":\"below-title\",\"meta_element\":\"div\",\"content_column_breakpoint\":\"m\",\"icon_width\":80,\"image_align\":\"top\",\"image_grid_width\":\"1-2\",\"image_grid_breakpoint\":\"m\",\"image_svg_color\":\"emphasis\",\"link_style\":\"default\",\"margin\":\"default\",\"content\":\"\n\n<div class=\\\"mediaelement mediaelement-image\\\">\\n\n\n<p class=\\\"news-img-caption\\\"><i>Bowletopf aus Glas, abgebildet in Mathilde Erhardts Gro\\u00dfem illustriertem Kochbuch f\\u00fcr den einfachen b\\u00fcrgerlichen und den feineren Tisch aus dem Jahr 1904<\\\/i><\\\/p>\\n<\\\/div>\\n\n\n<div class=\\\"mediaelement mediaelement-image\\\">\\u00a0<\\\/div>\",\"image\":\"wp-content\\\/uploads\\\/2021\\\/05\\\/Bowle_mit_Glaesern_abgebildet_in_Mathilde_Erhardts_Grossem_illustriertem_Kochbuch_fuer_den_einfachen_buergerlichen_und_den_feineren_Tisch_aus_dem_Jahr_1904.jpg\",\"panel_style\":\"card-default\",\"link\":\"wp-content\\\/uploads\\\/2021\\\/02\\\/csm_Fahrende_Habe__Holzschnitt_von_Hans_Paur__um_1475_ff0cecc5ba.jpg\",\"link_target\":false,\"panel_link\":true},\"name\":\"Bowletopf aus Glas, abgebildet in Mathilde Erhardts Gro\\u00dfem illustriertem Kochbuch f\\u00fcr den einfachen b\\u00fcrgerlichen und den feineren Tisch aus dem Jahr 1904\"},{\"type\":\"panel\",\"props\":{\"link_text\":\"\",\"title_hover_style\":\"reset\",\"title_element\":\"h3\",\"title_align\":\"top\",\"title_grid_width\":\"1-2\",\"title_grid_breakpoint\":\"m\",\"meta_style\":\"meta\",\"meta_align\":\"below-title\",\"meta_element\":\"div\",\"content_column_breakpoint\":\"m\",\"icon_width\":80,\"image_align\":\"top\",\"image_grid_width\":\"1-2\",\"image_grid_breakpoint\":\"m\",\"image_svg_color\":\"emphasis\",\"link_style\":\"default\",\"margin\":\"default\",\"content\":\"\n\n<div class=\\\"mediaelement mediaelement-image\\\">\\n\n\n<p class=\\\"news-img-caption\\\"><i>Bowletopf aus rheinischem Steinzeug, abgebildet in Mathilde Erhardts Gro\\u00dfem illustriertem Kochbuch f\\u00fcr den einfachen b\\u00fcrgerlichen und den feineren Tisch aus dem Jahr 1904<\\\/i><\\\/p>\\n<\\\/div>\",\"image\":\"wp-content\\\/uploads\\\/2021\\\/05\\\/Bowletopf_aus_rheinischem_Steinzeug_abgebildet_in_Mathilde_Erhardts_Grossem_illustriertem_Kochbuch_fuer_den_einfachen_buergerlichen_und_den_feineren_Tisch_aus_dem_Jahr_1904.jpg\",\"panel_style\":\"card-default\",\"link\":\"wp-content\\\/uploads\\\/2021\\\/02\\\/csm_Fahrende_Habe__Holzschnitt_von_Hans_Paur__um_1475_ff0cecc5ba.jpg\",\"link_target\":false,\"panel_link\":true},\"name\":\"Bowletopf aus rheinischem Steinzeug, abgebildet in Mathilde Erhardts Gro\\u00dfem illustriertem Kochbuch f\\u00fcr den einfachen b\\u00fcrgerlichen und den feineren Tisch aus dem Jahr 1904\"}]}]},{\"type\":\"row\",\"children\":[{\"type\":\"column\",\"props\":{\"image_position\":\"center-center\",\"media_overlay_gradient\":\"\"},\"children\":[{\"type\":\"headline\",\"props\":{\"title_element\":\"h4\",\"content\":\"Bowle Getr\\u00e4nk f\\u00fcr M\\u00e4nnerabende, b\\u00fcrgerliche Gartennachmittage und Familienfeiern\"},\"name\":\"Bowle Getr\\u00e4nk f\\u00fcr M\\u00e4nnerabende, b\\u00fcrgerliche Gartennachmittage und Familienfeiern\"}]}]},{\"type\":\"row\",\"props\":{\"layout\":\"2-3,1-3\"},\"children\":[{\"type\":\"column\",\"props\":{\"image_position\":\"center-center\",\"media_overlay_gradient\":\"\",\"width_medium\":\"2-3\"},\"children\":[{\"type\":\"text\",\"props\":{\"margin\":\"default\",\"column_breakpoint\":\"m\",\"content\":\"\n\n<p>Auf dem anonymen Scherenschnitt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts trinken zwei j\\u00fcngere M\\u00e4nner offenbar Bowle. Das Gegenst\\u00fcck dazu sind Scherenschnitte mit Kaffee trinkenden Damen. Auch auf fr\\u00fchen Fotografien wovon z. B. das Portal WDRdigit - Archiv des analogen Alltags einen aussagekr\\u00e4ftigen Querschnitt ver\\u00f6ffentlicht, finden sich einige Herrengesellschaften mit Bowle. Julius Stettenheim geht in seinem \\u201eModerne(n) Knigge\\u201c von 1905 (S. 84-85) selbstreden von M\\u00e4nnern als Bowlegesellschaft aus. Ganz zum Ende l\\u00e4ngerer Auslassungen erw\\u00e4hnt er auch noch die Ausnahme:<\\\/p>\\n\n\n<p><em>\\u201eGeh\\u00f6ren Damen zur Bowlenrunde, so sage man ihnen, es schade ihnen die Bowle nicht, sie k\\u00f6nnten trinken nach Herzenslust. Dies wird von ihnen nicht geglaubt, und sie trinken daher mehr als sie vertragen k\\u00f6nnen. So reizend eine Frau ohne Spitz sein kann, so reizend kann eine Frau mit einem Spitz sein.\\u201c<\\\/em><\\\/p>\"}},{\"type\":\"text\",\"props\":{\"margin\":\"default\",\"column_breakpoint\":\"m\",\"content\":\"\n\n<p>So galt die Bowle offenbar Anfang des 20. Jahrhunderts noch eher als Herrengetr\\u00e4nk. Einige wenige Fotos zeigen so ab den 1920er Jahren auch schon gemischte, b\\u00fcrgerliche Gartengesellschaften mit sommerlicher Bowle. Kurt Tucholsky sieht in einem Gedicht von 1920 \\u201eWas fange ich Silvester an?\\u201c drei Optionen in drei Gedichtstrophen f\\u00fcr diesen Abend: Silvester entweder mit dem Generaldirektor zu feiern, im Familienscho\\u00dfe zu bleiben oder im Am\\u00fcsierviertel zu verbringen. Zur Familienfeier schreibt er:<\\\/p>\\n\n\n<p><em>\\u201eW\\u00e4lz ich mich im Familienscho\\u00dfe? \\u2026<br \\\/>Um zw\\u00f6lf steht R\\u00fchrung auf der Uhr.<br \\\/>Die Bowle \\u2013! (\\u203aLeichter Mosel\\u2039 nur \\u2013).<br \\\/>Prost Neujahr!\\u201c<\\\/em><\\\/p>\"}},{\"type\":\"text\",\"props\":{\"margin\":\"default\",\"column_breakpoint\":\"m\",\"content\":\"\n\n<p>Die Silvesterbowle scheint also schon zum Repertoire der h\\u00e4uslichen Familienfeier zu Silvester zu geh\\u00f6ren. Auch aus den F\\u00fcnfziger- und Sechzigerjahren als die Bowle und auch die Fotografie popul\\u00e4r wurden, zeigen private Fotos nun h\\u00e4ufig Bowle-Gesellschaften mit Weihnachtsbaum im Hintergrund, auch maskierte G\\u00e4ste an Fasching, Sommerbowle im Garten, aber auch bowletrinkende Gesellschaften zu anderen Gelegenheiten sogar Hochzeiten und Taufen. Bowle ist nun ein popul\\u00e4reres Familiengetr\\u00e4nk. Sie scheint besonders bei Frauen beliebt gewesen zu sein. Auf dem eingangs abgebildeten Foto f\\u00e4llt auf, dass nur vor den Frauen die Bowlebecher stehen, vor den M\\u00e4nnern dagegen Bierflaschen. Immer wieder habe ich von l\\u00e4ngst Erwachsenen erz\\u00e4hlt bekommen, wie f\\u00fcr sie als Kinder das Naschen von den Bowlefr\\u00fcchten die erste Erfahrung mit Alkohol war. So singt der selbsternannte \\u201eWein-Kabarettist\\u201c Ingo Konrad ein Loblied auf die Bowle.<\\\/p>\\n\n\n<p><em>\\u201eNeulich war ich bei meinen Eltern zu Besuch. \\u2026 pl\\u00f6tzlich sehe ich ihn: Unseren neobarocken Bowletopf. Er war ein Koloss unseres Hausrates, ein Erbst\\u00fcck ganzer Generationen. Drei Tonnen schwer und aus Keramik. \\u2026 Augenblicklich f\\u00fchlte ich mich in meine Kindheit versetzt. Der Raum begann sich zu drehen, ein Zeitloch tat sich auf und ich taumelte und nahm wie von einer fremden Macht gesteuert Platz auf dem kreisrunden roten Sitzkissen mit den orientalischen Motiven, das auf einmal wieder wie damals mitten im Raum stand. Offensichtlich war ich in den 1970er Jahren gelandet. Tats\\u00e4chlich: Das Wohnzimmer sah jetzt wieder aus wie in meinen Kindertagen: Der Boden bestand aus gro\\u00dfen, cremewei\\u00dfen Natursteinfliesen, darauf ein kreisrunder Flauschteppich, in dem wir Kinder immer Erdn\\u00fcsse fanden. An der Seite ein aus Backsteinen kubistisch gemauerter offener Kamin. Mittig ein rechteckiger Couchtisch, der auf einer zentralen S\\u00e4ule ruhte und sich mittels eines ausgekl\\u00fcgelten Federmechanismus' und eines kleinen Hebels in der H\\u00f6he verstellen lie\\u00df. \\u2026 Ich beobachtete, wie mein Vater, jetzt wieder ganz der junge Mann von damals, feierlich mit der Bowle den Raum betrat. Breitbeinig wie ein Matrose. Mit zum Bersten angespannter Oberk\\u00f6rpermuskulatur. Vor sich gef\\u00fchlte 50 Liter Fl\\u00fcssigkeit. In einem aufwendigst verzierten Bowlentopf. An den Seiten waren Darstellungen von sechs Rheinburgen zu sehen, dazwischen Reliefs von Weinlaub und Trauben. Und oben drauf hockte die halbnackte Loreley, die als Deckelgriff diente. \\u2026 Die Pfirsiche und der Wein waren schon drin, jetzt sch\\u00fctteten meine Eltern noch Sekt und Schnaps als Wirkungsbeschleuniger dazu. So eine Bowle soll ja in erster Linie wirken. Wir Kinder durften nicht von der Bowle probieren. Wegen des Alkohols. Aber von den Fr\\u00fcchten durften wir naschen. Die waren ja gesund. \\u2026 Ich hing meinen Gedanken nach. Es war meine Mutter, die mich aus meinen Tr\\u00e4umen riss: \\u201eIngo, wo bleibst Du \\u2026?\\u201c \\u2026 \\u201eDu sprichst ja genau so wie fr\\u00fcher, als Du von den Bowlefr\\u00fcchten genascht hast!\\u201c (http:\\\/\\\/ weinjocker.blogspot.com am 14.4.2021)<\\\/em><\\\/p>\"}}]},{\"type\":\"column\",\"props\":{\"image_position\":\"center-center\",\"media_overlay_gradient\":\"\",\"width_medium\":\"1-3\"},\"children\":[{\"type\":\"panel\",\"props\":{\"link_text\":\"\",\"title_hover_style\":\"reset\",\"title_element\":\"h3\",\"title_align\":\"top\",\"title_grid_width\":\"1-2\",\"title_grid_breakpoint\":\"m\",\"meta_style\":\"meta\",\"meta_align\":\"below-title\",\"meta_element\":\"div\",\"content_column_breakpoint\":\"m\",\"icon_width\":80,\"image_align\":\"top\",\"image_grid_width\":\"1-2\",\"image_grid_breakpoint\":\"m\",\"image_svg_color\":\"emphasis\",\"link_style\":\"default\",\"margin\":\"default\",\"content\":\"\n\n<p><i>Bowletrinkende M\\u00e4nner, Scherenschnitt Mitte 19. 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Obwohl immer wieder behauptet wird, Bowle solle schon 400 Jahre alt sein, konnte ich keine Belege f\\u00fcr ein Getr\\u00e4nk unter diesem Namen finden. In Amaranthes Frauenzimmerlexikon aus dem Jahr 1715 (S. 486) ist noch von einer \\u201ekalten Weinschale mit Erdbeeren\\u201c die Rede. Erst seit dem 19. Jahrhundert finden sich vermehrt Rezept und Erw\\u00e4hnungen von Bowle als Getr\\u00e4nk. In einer Rezeptsammlung aus dem Goethehaus Anfang des 19. Jahrhunderts finden sich mehrere Rezepte f\\u00fcr Erdbeer- und Ananasbowle (S. 88 -\\u00a089). Von Adele Schopenhauer stammt das Rezept f\\u00fcr den \\u201eMaitrank\\u201c. Zuerst kommt hier eine Orange und einem Pfund Zucker in den Topf. \\u201eDann f\\u00fcllt man die ganze Terrine mit Waldmeister und gie\\u00dft 4 Flaschen leichten Moselwein auf.\\u201c (S. 87) Mit dem Waldmeister ging man also sehr gro\\u00dfz\\u00fcgig um.<\\\/p>\"}},{\"type\":\"text\",\"props\":{\"margin\":\"default\",\"column_breakpoint\":\"m\",\"content\":\"\n\n<p>Mit der Ananas verfuhr man dagegen umso sparsamer. Eine \\u00dcbertragung des Kochbuch-Klassikers von Henriette Davidis f\\u00fcr Deutsche in Amerika von 1897 rechnet \\u201eeine in d\\u00fcnne Scheiben geschnittene Ananas\\u201c f\\u00fcr 13 Flaschen Wein. Und schlie\\u00dft dann noch eine Empfehlung zum Einkochen einer eventuell \\u00fcbrigbleibenden Frucht an. Ananas und Erdbeeren wurden beide ab Mitte des 19. Jahrhunderts gewerbsm\\u00e4\\u00dfig in gr\\u00f6\\u00dferem Umfang angebaut. Die im 18. Jahrhundert schon in der h\\u00f6fischen Orangerie in Sanssouci gez\\u00fcchteten Ananas waren unerschwinglicher Luxus. Im 19. Jahrhundert kultivierten dann auch Handelsg\\u00e4rtnereien Ananas. Ein Potsdamer H\\u00e4ndler bewarb ab 1840 in der Vossischen Zeitung seine eingekochte Ananas unter anderem f\\u00fcr Ananasbowle. (Potsdamer Neueste Nachrichten vom 09.07.2015, online) Teuer blieben eingemachte Ananas aber weiterhin. Noch in den F\\u00fcnfzigerjahren war Ananas aus der Dose f\\u00fcr breite Bev\\u00f6lkerungsschichten in der Bundesrepublik ein erreichbares, aber doch noch etwas exotisches Luxusgut. In dieser Zeit kommt auch der Toast Hawaii mit Ananas, Kochschinken und K\\u00e4se auf. In der DDR waren Ananas bis in die 1980er Jahre nur in Delikat- oder Exquisitl\\u00e4den f\\u00fcr den gehobenen Bedarf sehr teuer oder nur gegen Devisen erh\\u00e4ltlich. Von Ananastorte oder Bowle mit Ananas als ganz besonders guten Speisen erz\\u00e4hlten viele Gespr\\u00e4chspartner in Interviews zur Alltagsgeschichte der DDR (Meggle, 2004, S. 343, 391). Heute wird Bowle ostalgisch als typisches DDR-Getr\\u00e4nk etikettiert, das ruhig etwas st\\u00e4rkeren Alkohol und etwas mehr Zucker enthalten darf, damit sie schneller wirkt. 1959 wurde in der DDR zum 10. Jubil\\u00e4um der Republik der Film \\u201eMaibowle\\u201c produziert. Es war ein Lustspielfilm mit freundlichen Lobpreisungen der sozialistischen Menschengemeinschaft und des Chemieprogramms der DDR und einigen reichlich trunkenen Darstellern. Als Aufh\\u00e4nger diente ein j\\u00e4hrliches Familientreffen mit Maibowle zum Geburtstag des Vaters. Bowle war in der DDR aus den gleichen Gr\\u00fcnden wie im Westen in den F\\u00fcnfziger und Sechziger Jahren beliebt: Sie war dank der exotischen Fr\\u00fcchte und Gew\\u00fcrze etwas Besonderes, gleichzeitig war sie auch einfach. Jeder Alkohol, der zur Verf\\u00fcgung stand, auch unterschiedliche Arten, konnten zusammengemischt werden. Der Zucker \\u00fcbert\\u00f6nte dann eventuelle geschmackliche Ungereimtheiten und beschleunigte den Anstieg der Stimmung. Im Osten Deutschlands hat sich die Vorliebe f\\u00fcr Bowle l\\u00e4nger gehalten als im Westen, wo teurere Cocktails die Bowle abl\\u00f6sten. Letztlich ist das Rezept f\\u00fcr Bowle als gek\\u00fchlte Mischung von Wein, anderem Alkohol, Gew\\u00fcrzen oder Fr\\u00fcchten und Zucker auch seit dem 19. Jahrhundert im Wesentlichen gleichgeblieben.<\\\/p>\"}}]},{\"type\":\"column\",\"props\":{\"image_position\":\"center-center\",\"media_overlay_gradient\":\"\",\"width_medium\":\"1-3\"},\"children\":[{\"type\":\"panel\",\"props\":{\"link_text\":\"\",\"title_hover_style\":\"reset\",\"title_element\":\"h3\",\"title_align\":\"top\",\"title_grid_width\":\"1-2\",\"title_grid_breakpoint\":\"m\",\"meta_style\":\"meta\",\"meta_align\":\"below-title\",\"meta_element\":\"div\",\"content_column_breakpoint\":\"m\",\"icon_width\":80,\"image_align\":\"top\",\"image_grid_width\":\"1-2\",\"image_grid_breakpoint\":\"m\",\"image_svg_color\":\"emphasis\",\"link_style\":\"default\",\"margin\":\"default\",\"content\":\"\n\n<div class=\\\"mediaelement mediaelement-image\\\">\\n\n\n<p class=\\\"news-img-caption\\\"><i>Monatserdbeeren abgebildet in Mathilde Erhardts Gro\\u00dfem illustriertem Kochbuch f\\u00fcr den einfachen b\\u00fcrgerlichen und den feineren Tisch aus dem Jahr 1904. 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Waldmeisterkraut ergibt ein sehr spezifisches Aroma. Sein botanischer Name ist \\u201eGalium odoratum (L.) scop.\\u201c. Im Volksmund hat die Pflanze verschiedene Namen wie z.B. Waldmeister, Waldmeier, M\\u00e4serich, Gliedkraut, Maikraut oder Maienkraut. Die Pflanze wird 10 - 30 cm hoch. Sie wird als Heil- und Gew\\u00fcrzkraut verwendet. Die einzelnen aufrecht wachsenden St\\u00e4ngel haben spitze kahle Bl\\u00e4tter in Quirlen. Die kleinen wei\\u00dfen Bl\\u00fcten bilden endst\\u00e4ndigen Scheindolden. Die Pflanze soll geerntet werden, bevor sie bl\\u00fcht. Ihr Geruch ist angenehm. Erst wenn man die Pflanze trocknet, entwickelt sich das intensive Aroma. Die Pflanze bevorzugt Buchen- und Mischw\\u00e4lder mit n\\u00e4hrstoffreichen B\\u00f6den. Waldmeistersirup oder Waldmeisteraroma f\\u00fcr G\\u00f6tterspeise wird heute eher k\\u00fcnstlich im Labor hergestellt, weil die Waldmeisterpflanze Cumarin enth\\u00e4lt. Cumarin wirkt in gr\\u00f6\\u00dferer Menge als Nervengift. Cumarin findet man auch in anderen Pflanzen. Es verleiht z. B. dem Heu seinen typischen Geruch oder ist in den jetzt modischen Tonkabohnen enthalten. Gern werden damit heute auch Kosmetika aromatisiert. Da der Cumaringehalt im Waldmeister ziemlich gering ist, treten kaum ernsthafte Vergiftungen beim Verzehr des Waldmeisters auf. Wird Waldmeister jedoch in gr\\u00f6\\u00dferen Mengen genossen, k\\u00f6nnen durchaus Kopfschmerzen\\u00a0und Benommenheit auftreten. Der Waldmeister wurde fr\\u00fcher wegen seines angenehmen Duftes auch als Motten- und Insektenschutz \\u2013 gerne in B\\u00fcscheln \\u2013 in die Kleiderschr\\u00e4nke geh\\u00e4ngt (https:\\\/\\\/www.pflanzenfreunde.com\\\/heilpflanzen\\\/waldmeister.htm, abgerufen am 16.4.2021). Wer ganz sicher gehen will, kann die Pflanze auch als Gew\\u00fcrzkraut im Topf kaufen, z.B. beim Kr\\u00e4utermarkt im Fr\\u00e4nkischen Freilandmuseum.<\\\/p>\"}},{\"type\":\"panel\",\"props\":{\"link_text\":\"\",\"title_hover_style\":\"reset\",\"title_element\":\"h3\",\"title_align\":\"top\",\"title_grid_width\":\"1-2\",\"title_grid_breakpoint\":\"m\",\"meta_style\":\"meta\",\"meta_align\":\"below-title\",\"meta_element\":\"div\",\"content_column_breakpoint\":\"m\",\"icon_width\":80,\"image_align\":\"top\",\"image_grid_width\":\"1-2\",\"image_grid_breakpoint\":\"m\",\"image_svg_color\":\"emphasis\",\"link_style\":\"default\",\"margin\":\"default\",\"content\":\"\n\n<div class=\\\"mediaelement mediaelement-image\\\">\\n\n\n<p class=\\\"news-img-caption\\\"><i>Waldmeister w\\u00e4chst in Buchenw\\u00e4ldern. 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Zuerst wollte ich ihn nur als Blumenvase verwenden. Aber die Bowle stie\\u00df auf so positive Resonanz, dass er nun \\u00f6fters zum Einsatz kommt. Den Glastopf hatte die Mutter der Schenkerin aus einem st\\u00e4dtischen Handwerkerhaushalt im Jahr 1919 zur Hochzeit bekommen. Typisch f\\u00fcr die Zeit ist die Wahl des edlen Bleikristalls, dabei aber der Verzicht auf \\u00fcppiges Ornament. Nur ein schlichter paralleler Schliff markiert den Rand des zylindrischen Gef\\u00e4\\u00dfes. Die Tischdecke mit dem eingewebten antikisierenden, geometrischen M\\u00e4andermuster und die sp\\u00e4ter rot gestrichenen K\\u00fcchenst\\u00fchle mit den senkrechten Leisten im R\\u00fccken stammen aus der gleichen Zeit. Von den ebenfalls zylindrischen Trinkbechern haben sich nur wenige erhalten. Sie wurden in den Sechzigerjahren um rundbauchige Trinkbecher und Cocktailspie\\u00dfchen aus Kunststoff zum Aufspie\\u00dfen der Bowlefr\\u00fcchte erg\\u00e4nzt. Die Sch\\u00f6pfkelle aus Plexiglas kam in den Siebzigerjahren dazu.<\\\/p>\\n\n\n<p>250 g Erdbeeren, 3 Teel\\u00f6ffel Agavensirup, 1 Str\\u00e4u\\u00dfchen Waldmeisterkraut (8 St\\u00e4ngel), 1 Flasche (0,75 l) sommerlicher Wei\\u00dfwein, 1 Flasche (0,75 l) trockener Sekt, Mineralwasser mit viel Kohlens\\u00e4ure und nach Bedarf Eisw\\u00fcrfel<\\\/p>\\n\n\n<p>Den Waldmeister \\u00fcber Nacht antrocknen lassen oder einfrieren, erst dann entfaltet sich sein Aroma. Dabei wird er schwarz. So kann man sich auch etwas Vorrat an Waldmeister anlegen. Die Erdbeeren waschen und die gr\\u00f6\\u00dferen Fr\\u00fcchte in St\\u00fccke schneiden, die sich gut aufspie\\u00dfen lassen. Mit Agavensirup leicht s\\u00fc\\u00dfen, darauf den Wein gie\\u00dfen und einige Stunden kaltstellen und einziehen lassen. Dann f\\u00fcr eine halbe Stunde das Waldmeisterstr\\u00e4u\\u00dfchen \\u00fcber einem Kochl\\u00f6ffel, der \\u00fcber den Topf gelegt wird, an einem Faden in den Wein h\\u00e4ngen. Die holzigen Enden der Pflanzen sollen nicht ins Getr\\u00e4nk kommen. Kurz vor dem Ausschenken den gut gek\\u00fchlten Sekt zugie\\u00dfen. Die Bowle schmeckt am besten kalt, deshalb bei Bedarf noch Eisw\\u00fcrfel zugeben. Wer weniger Alkohol zu sich nehmen m\\u00f6chte, kann auch mit gut gek\\u00fchltem Mineralwasser verd\\u00fcnnen.<\\\/p>\"}},{\"type\":\"text\",\"props\":{\"margin\":\"default\",\"column_breakpoint\":\"m\",\"content\":\"\n\n<p><strong>Variante Rosenbowle:<\\\/strong>\\u00a0Hier noch als Variante eine Rosenbowle, die ebenfalls im 19. Jahrhundert \\u00fcberliefert ist, falls man die Erntezeit des Waldmeisters verpasst hat. Passend zur Romantik soll sie auch aus England kommen.<\\\/p>\\n\n\n<p>4 ungespritzte Rosenbl\\u00fcten, einige Rosenbl\\u00e4tter als Dekor, 5 Spritzer Rosenwasser, 1 Flasche (0,75 l) sommerlicher Wei\\u00dfwein, 1 Flasche (0,75 l) trockener Sekt, Mineralwasser mit viel Kohlens\\u00e4ure und nach Bedarf Eisw\\u00fcrfel<\\\/p>\\n\n\n<p>Rosenbl\\u00e4tter abzupfen mit Rosenwasser und Wein ansetzen und 4 Stunden ziehen lassen, vor dem Servieren mit Sekt aufgie\\u00dfen und mit einigen Rosenbl\\u00e4ttern als Dekor bestreuen.<\\\/p>\"}},{\"type\":\"text\",\"props\":{\"margin\":\"default\",\"column_breakpoint\":\"m\",\"content\":\"\n\n<p>Ob es Kopfweh gibt, h\\u00e4ngt an der Qualit\\u00e4t des Weins. Eine Bowle aus einem guten trockenen (fr\\u00e4nkischen) Wein und Sekt mit nicht zu viel Zucker und nat\\u00fcrlich in Masen getrunken, ist bek\\u00f6mmlich. Sehr gut passt das Waldmeisteraroma auch zu Spargel.<\\\/p>\"}}]},{\"type\":\"column\",\"props\":{\"image_position\":\"center-center\",\"media_overlay_gradient\":\"\",\"width_medium\":\"2-5\"},\"children\":[]}]}]},{\"type\":\"section\",\"props\":{\"style\":\"default\",\"width\":\"default\",\"vertical_align\":\"middle\",\"title_position\":\"top-left\",\"title_rotation\":\"left\",\"title_breakpoint\":\"xl\",\"image_position\":\"center-center\"},\"children\":[{\"type\":\"row\",\"props\":{\"layout\":\"1-5,3-5,1-5\"},\"children\":[{\"type\":\"column\",\"props\":{\"image_position\":\"center-center\",\"media_overlay_gradient\":\"\",\"width_medium\":\"1-5\"},\"children\":[{\"type\":\"image\",\"props\":{\"margin\":\"default\",\"image_svg_color\":\"emphasis\",\"image\":\"wp-content\\\/uploads\\\/2021\\\/02\\\/freilandmuseum_badwindsheim_signet_RGB_gross-1.jpg\",\"link\":\"https:\\\/\\\/freilandmuseum.de\\\/\"}}]},{\"type\":\"column\",\"props\":{\"image_position\":\"center-center\",\"media_overlay_gradient\":\"\",\"width_medium\":\"3-5\"},\"children\":[{\"type\":\"text\",\"props\":{\"margin\":\"default\",\"column_breakpoint\":\"m\",\"content\":\"\n\n<p>In meiner<a href=\\\"https:\\\/\\\/margarete.meggle-freund.de\\\/?page_id=1950\\\"> Kulinarikserie<\\\/a> des<a href=\\\"https:\\\/\\\/freilandmuseum.de\\\/\\\"> Fr\\u00e4nkischen\\u00a0 Freilandmuseum Bad Windsheim<\\\/a>\\u00a0finden sich alte und erneuerte Rezepte mit Zutaten aus Franken, einfach und allt\\u00e4glich, oder auch einmal aufwendigere, kreative Rezepte mit kulturhistorischem Hintergrund.<\\\/p>\"}}]},{\"type\":\"column\",\"props\":{\"image_position\":\"center-center\",\"media_overlay_gradient\":\"\",\"width_medium\":\"1-5\"},\"children\":[]}]}]}],\"version\":\"2.3.32\"} --><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"uk-panel\">\n    <a href=\"https:\/\/margarete.meggle-freund.de\/?p=2538\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"uk-align-left uk-margin-remove-adjacent\" src=\"wp-content\/uploads\/2021\/05\/csm_Waldmeisterbowle__Foto_Margarete_Meggle-Freund-2873_b442f0affe.jpg\" width=\"225\" height=\"150\" alt=\"Example image\"><\/a><\/p>\n<p>Zu besonderen Gelegenheiten wird im Fr\u00e4nkischen Freilandmuseum des Bezirks Mittelfranken Bowle serviert. Bei der Veranstaltung \u201eK\u00fcche und Kochen im Wandel der Zeit\u201c kann man die Entwicklung der Kochtechniken und der zeittypischen Gerichte bei einem Gang durch die H\u00e4user des Museums nacherleben. Im Stahlhaus aus Nerreth werden beispielsweise Speisen pr\u00e4-sentiert, die bei Cocktailpartys in den F\u00fcnfziger und Sechzigerjahren beliebt waren. Die Bowle durfte bei diesen Gelegenheiten selten fehlen. Als Waldmeisterbowle bietet sie einen Soloauftritt f\u00fcr das seltene Maikraut. Diese \u201eWildkr\u00e4uterk\u00fcche\u201c weckt bei \u00e4lteren Museumsbesuchern nostalgische Erinnerungen an gesellige Feiern. Um den Fr\u00fchlingsmonat Mai geh\u00f6rig zu feiern, verrate ich hier ein sch\u00f6nes Maibowle-Rezept, das am n\u00e4chsten Tag auch kein Kopfweh ergeben sollte.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-2538","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/margarete.meggle-freund.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2538","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/margarete.meggle-freund.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/margarete.meggle-freund.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/margarete.meggle-freund.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/margarete.meggle-freund.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2538"}],"version-history":[{"count":14,"href":"https:\/\/margarete.meggle-freund.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2538\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2579,"href":"https:\/\/margarete.meggle-freund.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2538\/revisions\/2579"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/margarete.meggle-freund.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2538"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/margarete.meggle-freund.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2538"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/margarete.meggle-freund.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2538"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}