{"id":2411,"date":"2020-07-03T15:11:18","date_gmt":"2020-07-03T15:11:18","guid":{"rendered":"https:\/\/margarete.meggle-freund.de\/?p=2411"},"modified":"2021-10-18T21:26:12","modified_gmt":"2021-10-18T21:26:12","slug":"lustige-kapuziner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/margarete.meggle-freund.de\/?p=2411","title":{"rendered":"Lustige Kapuziner"},"content":{"rendered":"<h1>Lustige Kapuziner<\/h1>\n<h1>Im Freilandmuseum, wo der Bartel den Most holt<\/h1>\n<div>\n<p>In der M\u00fchle aus Unterschlauersbach im Fr\u00e4nkischen Freilandmuseum des Bezirk Mittelfranken wird der Museumsmost ausgeschenkt. Dazu gibt es Griebenschmalzbrot. Erfahrene Museumsbesucher legen hier \u2013 etwa in der Mitte des Museumsgel\u00e4ndes \u2013 gerne einen kleinen Zwischenstopp ein. Wegen seiner nat\u00fcrlichen Kohlens\u00e4ure und zus\u00e4tzlich mit Mineralwasser gespritzt ist Most ein erfrischendes Sommergetr\u00e4nk. Most wurde traditionell das ganz Jahr \u00fcber getrunken, weil er neben Bier und Wein in der Zeit vor der Erfindung des Sterilisierens am Land das einzige haltbare Getr\u00e4nk darstellte. Im Herbst hat der junge Most noch einen geringeren Alkoholgehalt. Im Winter trinkt man den Most auch erw\u00e4rmt als Gl\u00fchmost.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/csm_2020-05-25_Museumsmost_serviert__Foto_Meggle-Freund-2930_1ad77a7262.jpg\" alt=\"\"><\/p>\n<div>\n<p><i>Most aus dem Museum wird in der M\u00fchle aus Unterschlauersbach im Fr\u00e4nkischen Freiland-museum ausgeschenkt. Foto Margarete Meggle-Freund<\/i><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/csm_Muehle_aus_Unterschlauersbach__Foto_Ute_Rauschenbach_d251118073.jpg\" alt=\"\"><\/p>\n<div>\n<p><i>M\u00fchle aus Unterschlauersbach im Fr\u00e4nkischen Freilandmuseum, Foto Ute Rauschenbach<\/i><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<h4>Die Herstellung von Most<\/h4>\n<div>\n<p>Der Museumsmost wird aus den vielen alten Apfel- und Birnensorten, die im Freilandmuseum gepflegt werden, hergestellt. Typische Sorten f\u00fcr die Mostherstellung sind z.B. der Bohnapfel, der Brettacher oder der Rote Trierer Weinapfel. Auch aus Quitten oder Trauben l\u00e4sst sich Most gewinnen. Aus den sp\u00e4ten und holzigeren Sorten mit einem h\u00f6heren Gerbstoffanteil, die an sich nicht schmecken, wird der beste Most gewonnen. Dazu wird zuerst das Obst zerkleinert, dann der Saft kalt gepresst. Traditionell lie\u00df man den Saft nun einfach g\u00e4ren. Zur Kl\u00e4rung gab man Speierlingssaft hinzu, der mit ihrem hohen Gerbstoffgehalt dazu beitrug, dass der Most klar wird. Heute wird der G\u00e4rvorgang kontrolliert: Er wird mit Weinhefe gestartet; nach Beendung der G\u00e4rung wird auch Schwefe zugesetztl, der verhindert, dass der Most oxidiert. Zur Sicherheit der Museumsbesucher wird das Ergebnis heute mit Laborproben kontrolliert.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/csm_2020-05-25_Museumsmost_serviert__Foto_Meggle-Freund_kl__2__1de5fb509c.jpg\" alt=\"\"><\/p>\n<div>\n<p><i>Speierling, ein heute ganz seltenes Wildobst aus der Gattung der Mehlbeeren, wurden dem Most traditionell zur Kl\u00e4rung beigemischt. Foto Margarete Meggle-Freund<\/i><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<h4>Most in Franken<\/h4>\n<div>\n<p>Die Herstellung von Most ist schon in der Antike nachgewiesen und f\u00fcr Franken seit dem Sp\u00e4tmittelalter belegt. Im 18. und 19. Jahrhundert propagierten die Volksaufkl\u00e4rer den Obstbau am Land stark. Damit wurde auch der Most zum verbreiteten Alltagsgetr\u00e4nk. Das gro\u00dfe aufkl\u00e4rerische Nachschlagewerk \u201eZedlers Universallexikon\u201c von 1731-54 ordnet den Obstmost als Getr\u00e4nk am Lande ein: &#8222;Er wird gemacht, wo es viel Obst gibt, da sich denn die Landleute sehr beflei\u00dfigen, einen dergleichen aus Obst gepre\u00dften Most statt ihres Getr\u00e4nks zu bereiten.\u201c (Spalte 308) F\u00fcr Mainfranken in der ersten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts schreibt Otto Beck, der gro\u00dfe Sammler der traditionellen Kultur am Lande in Mainfranken, dass besonders aus den \u201eH\u00e4nserbirnen\u201c Most gewonnen wurde. Birnenmost ist etwas milder als der Apfelmost. Beck schreibt von einer Familie, in der jeden Tag vier Liter Most geholt worden. Davon habe der Vater 1,5 Liter getrunken. Die Keramikkr\u00fcge, in denen der Most aus dem Keller geholt wurde, hie\u00dfen \u201eBartel\u201c (Beck Notizhefte, 7.178). Die Unterfranken schreiben sich das Sprichwort \u201eWissen, wo der Bartel den Most holt\u201c zu. Vielleicht hei\u00dfen ja die Kr\u00fcge nach dem Sprichwort \u2013 oder umgekehrt. Die Redensart ist jedenfalls schon seit dem 17. Jahrhundert literarisch belegt und meint so viel, wie &#8222;gut Bescheid wissen&#8220;. Otto Beck inszenierte das Sprichwort f\u00fcr ein Foto: Ein Mann ist beim Mostholen mit Bartelkrug in der Kirchenburg in M\u00f6nchsondheim zu sehen. Dort hatte jeder Dorfbewohner entlang der Kirchenburgmauer seinen Raum, in dem Vorr\u00e4te gelagert wurden. Da wei\u00df der Bartel, wo er den Most holt.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/csm_Mostholen_in_der_Kirchenburg_Moenchsondheim__inszeniert_und_Foto_OttoBeckBD-325_09_b84e98f500.jpg\" alt=\"\"><\/p>\n<div>\n<p><i>Die Unterfranken schreiben sich das Sprichwort \u201eWissen, wo der Bartel den Most holt\u201c. F\u00fcr das Foto inszenierte Otto Beck das Mostholen aus den Vorratsr\u00e4umen in der Kirchenburg in M\u00f6nchsondheim.<\/i><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<h4>Lustige Kapuziner \u2013 Kuchen mit Most<\/h4>\n<div>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/csm_Lustiger_Kapuziner__Foto_Margarete_Meggle-Freund-2906_7210c8ef14.jpg\" alt=\"\"><\/p>\n<div>\n<p><i>Lustige Kapuziner \u2013 Kuchen mit Most, Foto Margarete Meggle-Freund<\/i><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<p>Der unter dem Namen &#8222;Lustige Kapuziner&#8220; bekannte Mostkuchen wird aus einem einfachen Biskuitteig schnell gemacht. Mit warmem Most getr\u00e4nkt wird er sch\u00f6n saftig. B\u00e4ckt man ihn aber in kleinen T\u00f6rtchenformen und garniert ihn entsprechend mit Sahne oder gar einem Mostchadeau (= Mostschaum), wird er zum feinen Dessert. Ich habe ihn hier mit den handgel\u00f6teten T\u00f6rtchenformen meiner Urgro\u00dfmutter, die klassische Wiener K\u00fcche gekocht hat, gebacken und auf Glastellerchen und Serviette aus den Sechzigerjahren serviert.<\/p>\n<p>F\u00fcr eine Kastenform von 30 cm ben\u00f6tigt man: 4 Eier, 100g Vollrohrzucker, 100g Semmelbr\u00f6sel, 350 Milliliter Most, 2 Teel\u00f6ffel Rohrzucker, \u00bd Teel\u00f6ffel Zimt und eine Prise gemahlene Nelken.<\/p>\n<p>Zuerst werden die Eier getrennt. Das Eiwei\u00df wir zu Schnee geschlagen. Dann wird das Eigelb mit dem Zucker cremig ger\u00fchrt. Anschlie\u00dfend die Semmelbr\u00f6sel unterr\u00fchren und den Eischnee unterheben. Eine Kastenform einfetten und mit Semmelbr\u00f6sel ausstreuen oder kleine T\u00f6rtchenformen mit Muffinpapier auslegen. Sofort bei 130 Grad im Umluftherd 35 Minuten backen \u2013 die T\u00f6rtchen etwas k\u00fcrzer. Den Most mit Rohrzucker, Zimt und Nelken w\u00fcrzen und erw\u00e4rmen. Den warmen sirupartigen Most \u00fcber den Kuchen gie\u00dfen. Nach Belieben mit Schlagsahne oder einem Weinschaum aus Most garniert servieren.<\/p>\n<\/div>\n<p><a href=\"https:\/\/freilandmuseum.de\/\"><img decoding=\"async\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/freilandmuseum_badwindsheim_signet_RGB_gross-1.jpg\" alt=\"\"><\/a><\/p>\n<div>\n<p>In meiner<a href=\"https:\/\/margarete.meggle-freund.de\/?page_id=1950\"> Kulinarikserie<\/a> des<a href=\"https:\/\/freilandmuseum.de\/\"> Fr\u00e4nkischen\u00a0 Freilandmuseum Bad Windsheim<\/a>\u00a0finden sich alte und erneuerte Rezepte mit Zutaten aus Franken, einfach und allt\u00e4glich, oder auch einmal aufwendigere, kreative Rezepte mit kulturhistorischem Hintergrund.<\/p>\n<\/div>\n<p><!-- {\"name\":\"Kulinarik 2\",\"type\":\"layout\",\"children\":[{\"type\":\"section\",\"props\":{\"style\":\"default\",\"width\":\"default\",\"vertical_align\":\"middle\",\"title_position\":\"top-left\",\"title_rotation\":\"left\",\"title_breakpoint\":\"xl\",\"image_position\":\"center-center\"},\"children\":[{\"type\":\"row\",\"children\":[{\"type\":\"column\",\"props\":{\"image_position\":\"center-center\",\"media_overlay_gradient\":\"\"},\"children\":[{\"type\":\"headline\",\"props\":{\"title_element\":\"h1\",\"content\":\"Lustige Kapuziner\",\"margin_remove_bottom\":false}},{\"type\":\"headline\",\"props\":{\"title_element\":\"h1\",\"content\":\"Im Freilandmuseum, wo der Bartel den Most holt\",\"title_style\":\"h3\",\"margin_remove_top\":true}},{\"type\":\"text\",\"props\":{\"margin\":\"default\",\"column_breakpoint\":\"m\",\"content\":\"\n\n<p>In der M\\u00fchle aus Unterschlauersbach im Fr\\u00e4nkischen Freilandmuseum des Bezirk Mittelfranken wird der Museumsmost ausgeschenkt. 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Dazu gibt es Griebenschmalzbrot. Erfahrene Museumsbesucher legen hier \u2013 etwa in der Mitte des Museumsgel\u00e4ndes \u2013 gerne einen kleinen Zwischenstopp ein. Wegen seiner nat\u00fcrlichen Kohlens\u00e4ure und zus\u00e4tzlich mit Mineralwasser gespritzt ist Most ein erfrischendes Sommergetr\u00e4nk. Most wurde traditionell das ganz Jahr \u00fcber getrunken, weil er neben Bier und Wein in der Zeit vor der Erfindung des Sterilisierens am Land das einzige haltbare Getr\u00e4nk darstellte. Im Herbst hat der junge Most noch einen geringeren Alkoholgehalt. Im Winter trinkt man den Most auch erw\u00e4rmt als Gl\u00fchmost.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[39,1],"tags":[],"class_list":["post-2411","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kulinarik","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/margarete.meggle-freund.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2411","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/margarete.meggle-freund.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/margarete.meggle-freund.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/margarete.meggle-freund.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/margarete.meggle-freund.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2411"}],"version-history":[{"count":15,"href":"https:\/\/margarete.meggle-freund.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2411\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2607,"href":"https:\/\/margarete.meggle-freund.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2411\/revisions\/2607"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/margarete.meggle-freund.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2411"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/margarete.meggle-freund.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2411"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/margarete.meggle-freund.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2411"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}