{"id":2132,"date":"2020-10-13T11:21:00","date_gmt":"2020-10-13T11:21:00","guid":{"rendered":"http:\/\/margarete.meggle-freund.de\/?p=2132"},"modified":"2024-06-23T17:43:51","modified_gmt":"2024-06-23T17:43:51","slug":"zwetschgenkuchen-fraenkische-hauszwetschgen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/margarete.meggle-freund.de\/?p=2132","title":{"rendered":"Zwetschgenkuchen &#8211; Fr\u00e4nkische Hauszwetschgen"},"content":{"rendered":"<h1>Zwetschgenkuchen \u2013 Fr\u00e4nkische Hauszwetschgen<\/h1>\n<div>\n<p>Am Baum gereifte Zwetschgen sind wahre Aromabomben! Ein Zwetschenkuchen aus reifen Fr\u00fcchten braucht kaum zus\u00e4tzlichen Zucker. Das Fr\u00e4nkische Freilandmuseum des Bezirks Mittelfranken kultiviert historische Zwetschgen- und Pflaumensorten, etwa verschiedene Fr\u00e4nkische Hauszwetschgen und auch Pogauner Wildpflaumen. Kurze Zeit im Herbst gibt es diese Zwetschgen zu kaufen, dann ist Zwetschgenkuchenzeit. Im Museumsshop wird das ganz Jahr \u00fcber Zwetschgenwasser angeboten, das aus den Museumzwetschgen gebrannt wurde.<\/p>\n<\/div>\n<h3>Zwetschgenanbau in Franken<\/h3>\n<div>\n<p>Schon seit dem 8. Jahrhundert, der Zeit Karls des Gro\u00dfen, werden in Franken Zwetschgen kultiviert. In Kloster- und Adelsg\u00e4rten wurden Obstb\u00e4ume gepflanzt. Zum Schl\u00f6sschen Eyerlohe, das heute im Freilandmuseum steht, geh\u00f6rte im 18. Jahrhundert ein \u201eObst-, Gras- und Wurzgarten\u201c wie ihn das Kataster von 1832 (v. Eybsches Archiv Schlo\u00df Rammersdorf K8) nennt. So diente das Anwesen in Eyerlohe einem ansbachischen Hofbeamten als landwirtschaftliches Versorgungsgut.<\/p>\n<p>Vermehrt propagierten dann die Aufkl\u00e4rer seit dem 18. Jahrhundert den Obstanbau. Ein Beispiel ist der Schulmeister und Gemeindevorsteher Johann Leonhard Conrad (1780 \u2013 1826) der sein Dorf Weimersheim, heute ein Ortsteil von Wei\u00dfenburg i. Bay., zu einem Schwerpunkt des Obstanbaus machte. In seiner Ortschronik hebt er besonders die Vorteile des Zwetschgenanbaus hervor<\/p>\n<p><em>\u201e\u2026 zu den Vorz\u00fcgen l\u00e4ndlicher Industrie geh\u00f6rt ferner der Obstbau, der allein mehreren geringen [armen] Einwohnern \u00f6fters ihr ganzes Auskommen gew\u00e4hrt. Es waren in den letzten Jahren welche darunter, die nur aus dem Gewinn mit Zwetschgen Kapitalien abzahlen konnten. Dieser Baum und Fruchtart w\u00e4chst hier ohne M\u00fche und aus dem Wurzelausschlag in vorz\u00fcglicher G\u00fcte \u2026\u201c (S. 225)<\/em><\/p>\n<p>So gab es in Weimersheim um 1900, zum H\u00f6hepunkt des Obstanbaus, \u00fcber 8500 Obstb\u00e4ume. Davon waren mehr als die H\u00e4lfte Zwetschgenb\u00e4ume. F\u00fcr die Zwetschgen sprach, dass sie sich als Wildobst selbst vermehrten. D.h. es gen\u00fcgt, aus den Wurzeln die B\u00e4ume zu verpflanzen. Im Gegensatz zu \u00c4pfeln und Birnen m\u00fcssen wurzelechte Zwetschgen nicht veredelt werden, indem man auf die St\u00e4mme von Wildobst \u00c4ste von Edelsorten aufpfropft. \u00c4pfel und Birnen brauchen regelm\u00e4\u00dfig auch noch einen kunstgerechten Obstbaumschnitt. Zwetschgen dagegen m\u00fcssen kaum beschnitten werden. So haben sich von der Fr\u00e4nkischen Hauszwetschge mit der Zeit verschiedene Sorten entwickelt. Inzwischen werden rund zwanzig Variet\u00e4ten der Hauszwetschgen angebaut. Ende des 19. Jahrhunderts gingen durch die Reblaus in Franken viele Fl\u00e4chen f\u00fcr den Weinbau verloren und wurden dann f\u00fcr den Obstanbau genutzt. Auch kleinere, sich aus der Realteilung ergebende Fl\u00e4chen wurden in Streuobstwiesen umgewandelt. Im Maintal verkauften Bauern die Fr\u00fcchte an die vielen kleinen Brennereien, um ihr Einkommen aufzubessern. In den 1960er-Jahren wurden viele der b\u00e4uerlichen Streuobstwiesen aufgegeben. Erst seit den letzten Jahrzehnten werden die Streuobstbest\u00e4nde wieder neu gesch\u00e4tzt. Die Fr\u00e4nkische Hauszwetschge geh\u00f6rt neben dem Wein zum kulinarischen Erbe Frankens und wird als bayerische Spezialit\u00e4t vermarktet.<\/p>\n<p>Die Frucht der Fr\u00e4nkischen Hauszwetschge ist oval und hat eine blaue, schwarzblaue oder violette Farbe, das Fruchtfleisch ist gr\u00fcngelb bis r\u00f6tlich. Das lokale Klima Frankens mit reichlich Sonne und relativ geringen Niederschl\u00e4gen pr\u00e4gt den Geschmack der Fr\u00fcchte und beschert ihnen einen hohen Zuckergehalt. Besonders hoch ist dieser bei Sp\u00e4tzwetschgen, die zum Herbst erntereif sind. Damit eignen sie sich ideal f\u00fcr Obstkuchen.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/csm_Zwetschgenbaeume_im_Weinberg__Foto_Fritz_Pachtner_Bildarchiv_Fraenkisches__Freilandmuseum_PachDia-00570_80718e5fa9.jpg\" alt=\"\"><\/p>\n<div>\n<p><i>Zwetschgenb\u00e4ume an einem Weinbergshang, Foto Fritz Pachtner im Bildarchiv des Fr\u00e4nkischen Freilandmuseums<\/i><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/csm_Fraenkische_Hauszwetschge_Foto_Spezialitaetenland-Bayern_StMELF_deec95383d.jpg\" alt=\"\"><\/p>\n<div>\n<p><i>Fr\u00e4nkische Hauszwetschge, Foto Spezialit\u00e4tenland-Bayern StMELF<\/i><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/csm_Fraenkische_Hauszwetschge_am_ThielsWeg_Mainstockheim__Foto_Otto_Beck_1963__Bildarchiv_Fraenkisches_Freilandmuseum_BD-013_04_1ec51a55f7.jpg\" alt=\"\"><\/p>\n<div>\n<p><i>Fr\u00e4nkische Hauszwetschge als Hausbaum am Thiels Weg Mainstockheim, Foto Otto Beck 1963 im Bildarchiv des Fr\u00e4nkischen Freilandmuseums<\/i><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/csm_Zwetschgenbaeume_in_der_Flur_von_Mainstockheim__Foto_Otto_Beck_1965__im_Bildarchiv_des_FFM_BD131_25_3930f479e6.jpg\" alt=\"\"><\/p>\n<div>\n<p><i>Zwetschgenb\u00e4ume in der Flur von Mainstockheim, Foto Otto Beck 1965 im Bildarchiv des Fr\u00e4nkischen Freilandmuseums<\/i><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<h3>Zwetschgenkuchen mit R\u00fchrteig<\/h3>\n<div>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/csm_Zwetschgenkuchen__Foto_Margarete_Meggle-Freund-4382_kl_2a0bfab663.jpg\" alt=\"\"><\/p>\n<div>\n<p><i>Zwetschgenkuchen mit Fr\u00e4nkischen Hauszwetschgen, Foto Margarete Meggle-Freund<\/i><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<p>Nur in einem kurzen Zeitraum etwa von Ende Juli bis in den Oktober gibt es Zwetschgen, aber dann kann es auf einmal eine gr\u00f6\u00dfere Menge sein. Da bew\u00e4hrt sich dieses Zwetschgenkuchenrezept, weil es so \u00fcberaus schlicht und einfach zuzubereiten und doch sehr gut ist. Weil die Zwetschgen nicht ausreichten sind auf dem Foto noch einige Apfelst\u00fccke unter die Zwetschgen gemischt. Die beiden Sch\u00fcsselchen mit den geometrischen Art d\u00e9co artigen Malhorndekoren sind Anfang der Drei\u00dfigerjahre entstanden. Es sind \u201eSchwesternsch\u00fcsselchen\u201c: Das blaue dekorierte Sch\u00fcsselchen kommt aus einer Haushaltsaufl\u00f6sung einer ledigen Dame in den Achtzigerjahren. Als Jahre sp\u00e4ter deren Schwester starb, fand sich das rote dekorierte Sch\u00fcsselchen. Es hat leider einen Sprung. Die Schwester hatte Familie und entsprechend wurde das Geschirr st\u00e4rker beansprucht. Inzwischen haben die beiden \u201eSchwestersch\u00fcsselchen\u201c wieder zusammengefunden.<\/p>\n<p>F\u00fcr 1 Backblech ben\u00f6tigt man:<br \/>F\u00fcr den Teig: 75 g weiche Butter, 1 Ei, \u00bd T\u00fctchen Backpulver, 75 g Zucker oder Agavensirup (bei ganz reifen Fr\u00fcchten kann man den Zuckeranteil reduzieren), 1 Prise Salz, ein kr\u00e4ftiger Schuss Rum, 1\/8 \u2013 1\/16 l Milch, 250 g Mehl (1060er Dinkel),<br \/>Als Belag: 2 kg Sp\u00e4tzwetschgen oder zus\u00e4tzlich auch etwas Apfel in d\u00fcnnen Scheiben, Zimt, 1 T\u00fctchen Vanillezucker<\/p>\n<p>Die weiche Butter wird mit Ei und Zucker schaumig geschlagen, Milch und Rum und dann das Mehl mit Backpulver und Salz unterger\u00fchrt. Nun wird der Teig mit einem Teichschaber auf ein mit Backpapier belegtes Blech gestrichen. Die Zwetschgen werden entkernt und die H\u00e4lften der Zwetschgen werden von der Spitze her nochmals etwas eingeschnitten, damit sie sich sch\u00f6n flach legen lassen. Die Zwetschgen in Reihen, leicht \u00fcberlappend auf den Teig legen und mit Zimt und Vanillezucker bestreuen. Etwa 30 Minuten bei mittlerer Hitze backen. Mit Schlagsahne schmeckt der Zwetschgenkuchen besonders gut.<\/p>\n<\/div>\n<p><a href=\"https:\/\/freilandmuseum.de\/\"><img decoding=\"async\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/freilandmuseum_badwindsheim_signet_RGB_gross-1.jpg\" alt=\"\"><\/a><\/p>\n<div>\n<p>In meiner<a href=\"https:\/\/margarete.meggle-freund.de\/?page_id=1950\"> Kulinarikserie<\/a> des<a href=\"https:\/\/freilandmuseum.de\/\"> Fr\u00e4nkischen\u00a0 Freilandmuseum Bad Windsheim<\/a>\u00a0finden sich alte und erneuerte Rezepte mit Zutaten aus Franken, einfach und allt\u00e4glich, oder auch einmal aufwendigere, kreative Rezepte mit kulturhistorischem Hintergrund.<\/p>\n<\/div>\n<p><!-- {\"type\":\"layout\",\"children\":[{\"type\":\"section\",\"props\":{\"style\":\"default\",\"width\":\"default\",\"vertical_align\":\"middle\",\"title_position\":\"top-left\",\"title_rotation\":\"left\",\"title_breakpoint\":\"xl\",\"image_position\":\"center-center\"},\"children\":[{\"type\":\"row\",\"children\":[{\"type\":\"column\",\"props\":{\"image_position\":\"center-center\",\"media_overlay_gradient\":\"\"},\"children\":[{\"type\":\"headline\",\"props\":{\"title_element\":\"h1\",\"content\":\"Zwetschgenkuchen \\u2013 Fr\\u00e4nkische Hauszwetschgen\"}},{\"type\":\"text\",\"props\":{\"margin\":\"default\",\"column_breakpoint\":\"m\",\"content\":\"\n\n<p>Am Baum gereifte Zwetschgen sind wahre Aromabomben! 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Ein Zwetschenkuchen aus reifen Fr\u00fcchten braucht kaum zus\u00e4tzlichen Zucker. Das Fr\u00e4nkische Freilandmuseum des Bezirks Mittelfranken kultiviert historische Zwetschgen- und Pflaumensorten, etwa verschiedene Fr\u00e4nkische Hauszwetschgen und auch Pogauner Wildpflaumen. Kurze Zeit im Herbst gibt es diese Zwetschgen zu kaufen, dann ist Zwetschgenkuchenzeit. Im Museumsshop wird das ganz Jahr \u00fcber Zwetschgenwasser angeboten, das aus den Museumzwetschgen gebrannt wurde.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[39],"tags":[],"class_list":["post-2132","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kulinarik"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/margarete.meggle-freund.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2132","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/margarete.meggle-freund.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/margarete.meggle-freund.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/margarete.meggle-freund.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/margarete.meggle-freund.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2132"}],"version-history":[{"count":45,"href":"https:\/\/margarete.meggle-freund.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2132\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2707,"href":"https:\/\/margarete.meggle-freund.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2132\/revisions\/2707"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/margarete.meggle-freund.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2132"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/margarete.meggle-freund.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2132"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/margarete.meggle-freund.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2132"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}