{"id":1877,"date":"2020-04-08T20:31:27","date_gmt":"2020-04-08T20:31:27","guid":{"rendered":"http:\/\/margarete.meggle-freund.de\/?p=1877"},"modified":"2024-06-23T17:47:51","modified_gmt":"2024-06-23T17:47:51","slug":"blog-sauberkeit-zu-jeder-zeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/margarete.meggle-freund.de\/?p=1877","title":{"rendered":"Sauberkeit zu jeder Zeit &#8211; Der Siegeszug der modernen Hygiene"},"content":{"rendered":"<h1>Sauberkeit zu jeder Zeit<\/h1>\n<h3>Der Siegeszug der modernen Hygiene<\/h3>\n<div>\n<p>In Zeiten der Corona-Pandemie ist hygienisches Verhalten zur B\u00fcrgerpflicht und solidarischen Aufgabe geworden. Die Umsetzung der Erkenntnisse von Infektiologie und moderner Hygiene ist seit dem 19. Jahrhundert in Europa eine ermutigende Erfolgsgeschichte: Die einst gef\u00fcrchtete Tuberkulose gilt durch die Entwicklung von Impfstoffen heute bei uns als weitgehend verschwunden. Auch die Cholera kommt durch den fl\u00e4chendeckenden Ausbau einer modernen Trinkwasserversorgung in Europa kaum mehr vor.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>Als Vorgeschmack auf die Sonderausstellung \u201eSauberkeit zu jeder Zeit! Hygiene auf dem Land\u201c, die im Jahr 2020 zu sehen ist, stellt das Fr\u00e4nkische Freilandmuseum des Bezirks Mittelfranken eine kleine Geschichte der Hygiene auf dem Land in sechs Stationen vor.<\/p>\n<p>\u201eSauberkeit zu jederzeit\u201c \u2013 der titelgebende Spruch der Ausstellung findet sich Anfang des 20. Jahrhunderts auf einem Zierhandtuch. Mit solchen Zierhandt\u00fcchern wurden in der K\u00fcche aufgeh\u00e4ngte K\u00fcchenwerkzeuge oder benutzte Lumpen und weniger saubere Geschirrt\u00fccher verdeckt. Arbeiterfrauen erz\u00e4hlten, dass sie mit solchen Zierhandt\u00fcchern nach dem gro\u00dfen Putz am Samstagnachmittag stolz die K\u00fcche schm\u00fcckten. So stellten diese bestickten Handt\u00fccher f\u00fcr kurze Zeit einen Zustand vollst\u00e4ndiger, rein-wei\u00dfer Sauberkeit her. Es mag auch der Stolz auf die Stickerei mitschwingen. Nicht jeder Frau stand die M\u00f6glichkeit offen, N\u00e4hen und Sticken zu lernen. Meist konnten nur b\u00fcrgerliche Frauen aus wohlhabenderen Familien die Hauswirtschaft in Kursen erlernen. So steht die Verwendung eines Zierhandtuchs auch f\u00fcr den Wert als Frau, etwa als \u201eKapital\u201c auf dem Heiratsmarkt. Sauberkeit war Anfang des 20. Jahrhunderts damit zu einem durchg\u00e4ngigen Ideal geworden.<\/p>\n<p>Zur Hygiene z\u00e4hlen aber in einem viel weiteren Sinne alle Bestrebungen und Ma\u00dfnahmen zur Verh\u00fctung von Krankheiten und Gesundheitssch\u00e4den. Dieses umfassende Verst\u00e4ndnis propagierten die Aufkl\u00e4rer bereits seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert. Vor der Aufkl\u00e4rung herrschte so mancher Irrglaube. Beispielsweise wurde warmes Wasser gemieden. Vornehme und Adelige wechselten lieber \u00f6fter die W\u00e4sche und parf\u00fcmierten sich als warme B\u00e4der zu nehmen. Diese Angst vor warmen B\u00e4dern ging zur\u00fcck auf die noch im 18. Jahrhundert vorherrschende Vorstellung von den sogenannten \u201eMiasmen\u201c. Miasmen nannte man Zersetzungsprodukte von menschlichen, tierischen und pflanzlichen Stoffen, die sich in sumpfig-feuchten B\u00f6den von Abtrittsgruben und Friedh\u00f6fen bilden. In Gestalt fauliger Ausd\u00fcnstungen, so glaubte man, gelangten diese \u201eAnsteckungsgifte\u201c ins Wasser und in die Luft. \u00dcber die Atmung und die Haut w\u00fcrden sie dann vom K\u00f6rper aufgenommen. Warmes Wasser \u2013 so die damalige Meinung \u2013 \u00f6ffnete die Poren der Haut, so dass die gef\u00fcrchteten Miasmen umso leichter eindringen konnten.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/csm_Zierhandtuch_Anfang_20_Jhr_Sammlung_Fraenk_Freilandmus_Fladungen_ebacf04a5c.jpg\" alt=\"\"><\/p>\n<div><i>Ausschnitt Zierhandtuch Anfang 20. Jhr.; Sammlung Fr\u00e4nkisches Freilandmuseum Fladungen<\/i><\/div>\n<\/div>\n<div>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/csm_Zierhandtuch_fruehes_20_Jhr_SauberkeitzujederZeit__Sammlung_Fraenkisches_Freilandmuseum_Fladungen_01fc510fe3.jpg\" alt=\"\"><\/p>\n<div><i>Zierhandtuch fr\u00fches 20 Jhr Sauberkeit zu jeder Zeit; Sammlung Fr\u00e4nkisches Freilandmuseum Fladungen<\/i><\/div>\n<\/div>\n<div>\n<p>Im Verlauf des 18. Jahrhunderts kam es in der Aufkl\u00e4rungsmedizin zu einer Neubewertung der Haut, die nun als Organ des Ein- und Ausatmens betrachtet wurde. Die Hautoberfl\u00e4che sollte daher mit Wasser reingehalten werden. Das aufstrebende B\u00fcrgertum betrachtete den K\u00f6rper als Arbeitsinstrument, das leistungsf\u00e4hig und sauber gehalten werden sollte. So etablierte sich im 19. Jahrhundert die Hygienebewegung immer mehr. F\u00fchrende Vertreter der Hygienebewegung wie Max von Pettenkofer (1818 \u2013 1901) und Rudolf Virchow (1821 \u2013 1902) traten energisch f\u00fcr den Bau moderner Kanalisationssysteme ein und stellten die Hygiene auf naturwissenschaftliche Grundlagen. Etwa zeitgleich war auch die Bakteriologie zu einer f\u00fchrenden Leitwissenschaft in Deutschland aufgestiegen. Ab 1880 identifizierten Bakteriologen beinahe jedes Jahr einen spezifischen Keim als Erreger einer Infektionskrankheit. Die Erreger konnten auf Oberfl\u00e4chen durch Erhitzen oder mit Desinfektionsmitteln abget\u00f6tet werden, um ein Eindringen in den menschlichen K\u00f6rper zu verhindern. So gerieten gegen Ende des 19. Jahrhunderts die Hygieniker, die Krankheit als ein B\u00fcndel von medizinischen und sozialen Faktoren erkl\u00e4rten, ins Hintertreffen \u2013 zugunsten der monokausalen Erregertheorie. Durch die damals neuen Visualisierungstechniken wie Mikroskopie und Mikrofotografie konnten Krankheitserreger auch f\u00fcr Laien sichtbar gemacht werden. Damit wurden die Ergebnisse der Wissenschaftler in Ausstellungen und Kampagnen popularisiert. Robert Koch (1843 \u2013 1910) formulierte 1889 treffend: Aus einem \u201eunsichtbaren Etwas\u201c wurde ein \u201efassbarer Parasit\u201c.<\/p>\n<p>Im Nachkriegsdeutschland wurde Keimfreiheit zum neuen Ideal: Desinfektionsmittel hielten Einzug in jeden Haushalt, Haus\u00e4rzte verschrieben gro\u00dfz\u00fcgig Antibiotika. Werbespots pr\u00e4gten eine Sauberkeitsrhetorik: \u201enicht nur sauber, sondern porentief rein\u201c sollte es sein. Mit hohem Zeit-, Kraft- und Chemieeinsatz wurde am hochartifiziellen Ideal der \u201ereinen\u201c, vor Sauberkeit gl\u00e4nzenden Wohnung gearbeitet.<\/p>\n<p>Im 21. Jahrhundert wandelt sich das Bild allerdings wieder. Inzwischen nehmen Antibiotikaresistenzen zu, Krankenhauskeime lassen sich nicht mehr mit den g\u00e4ngigen Desinfektionsmitteln in den Griff bekommen. Allergien sind zur Volkskrankheit geworden. Sie stehen im Verdacht durch eine k\u00fcnstlich nahezu keimfrei gehaltene Umgebung beg\u00fcnstigt zu werden. Damit zeigt sich die Kehrseite eines allzu intensiven Gebrauchs von Antibiotika und Desinfektionsmitteln. Seit rund zwanzig Jahren wird das Ideal der \u201ereinen\u201c Umgebung von einem neuen naturwissenschaftlichen Narrativ abgel\u00f6st: Im menschlichen K\u00f6rper leben etwa zehnmal so viele Bakterien wie K\u00f6rperzellen. Die meisten von ihnen sind nicht sch\u00e4dlich, sondern notwendig f\u00fcr den Erhalt der Gesundheit. Sie produzieren beispielsweise Vitamine, die unser K\u00f6rper nicht selbst herstellen kann, oder bringen unserem Abwehrsystem bei, gef\u00e4hrliche Eindringlinge zu erkennen. Die Gesamtheit dieser Kleinstlebewesen, die in und auf uns leben, stehen miteinander und mit dem menschlichen K\u00f6rper in vielf\u00e4ltigen Wechselwirkungen. Dieser mikrobielle Kosmos ganz eigener Art wird \u201eMikrobiom\u201c genannt. Die Forschung dazu steckt noch in den Anf\u00e4ngen. Schon werden jedoch Mikrobenmischungen vermarktet, die sich positiv auf den menschlichen Stoffwechsel auswirken sollen.<\/p>\n<p>Heute lehrt uns das Coronavirus in trauriger Weise, dass auch noch die moderne Welt des 21. Jahrhunderts durch Krankheitserreger vor erhebliche Herausforderungen gestellt werden kann. Drastische Verhaltens\u00e4nderungen wie der Wegfall des K\u00f6rperkontakts bei Begr\u00fc\u00dfungen und versch\u00e4rfte Hygienema\u00dfnahmen bestimmen f\u00fcr Wochen, wenn nicht Monate unseren Alltag. Stehen wir wom\u00f6glich gerade wieder vor einem erneuten Wandel unserer hygienischen Verhaltensnormen?<\/p>\n<p>Im n\u00e4chsten Beitrag dieser Serie blicken wir aber zun\u00e4chst zur\u00fcck ins Sp\u00e4tmittelalter: Von welchen Vorstellungen setzte sich die aufkl\u00e4rerische Hygienebewegung ab? Welche Vorstellungen bestimmten damals Gesundheitspflege und Hygiene? Und warum besuchten die Menschen \u00f6ffentlicher Badh\u00e4user, um wie in einer Sauna zu schwitzen und sich blutig schr\u00f6pfen zu lassen? Diesen Fragen, die auch in der kommenden Sonderausstellung \u201eSauberkeit zu jeder Zeit! Hygiene auf dem Lande\u201c behandelt werden, geht der n\u00e4chste Beitrag dieser Serie nach.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/csm_Werbemarke_fuer_das_Desinfectionsmittel_Pancreolin__um_1900_Foto_deutsche_Medicinhistorisches_Museum_Ingolstadt_2e422f5ebd.jpg\" alt=\"\"><\/p>\n<div>\n<p><i>Werbemarke f\u00fcr das Desinfectionsmittel Pancreolin, um 1900; Foto: deutsches Medicinhistorisches Museum Ingolstadt<\/i><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/csm_Arielwerbung_von_1973_8b6df92293.jpg\" alt=\"\"><\/p>\n<div>\n<p><i>Arielwerbung von 1973<\/i><\/p>\n<\/div>\n<p><a href=\"\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/csm_Arielwerbung_von_1973_8b6df92293.jpg\"><\/a><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>Diese Serie st\u00fctzt sich auf den Katalog zur gleichnamigen Ausstellung: \u201eSauberkeit zu jeder Zeit! Hygiene auf dem Land. Petersberg (Michael Imhof Verlag) 2019, 256 S. mit zahlreichen farbigen Abbildungen, ISBN 978-3-7319-0837-1, 19,95 \u20ac, Bezug \u00fcber Fr\u00e4nkisches Freiland-museum info@freilandmuseum.de oder den Buchhandel.<\/p>\n<\/div>\n<p><!-- {\"type\":\"layout\",\"children\":[{\"type\":\"section\",\"props\":{\"style\":\"default\",\"width\":\"default\",\"vertical_align\":\"middle\",\"title_position\":\"top-left\",\"title_rotation\":\"left\",\"title_breakpoint\":\"xl\",\"image_position\":\"center-center\"},\"children\":[{\"type\":\"row\",\"children\":[{\"type\":\"column\",\"props\":{\"image_position\":\"center-center\",\"media_overlay_gradient\":\"\",\"width_medium\":\"\"},\"children\":[{\"type\":\"headline\",\"props\":{\"title_element\":\"h1\",\"content\":\"Sauberkeit zu jeder Zeit\"}},{\"type\":\"headline\",\"props\":{\"title_element\":\"h3\",\"content\":\"Der Siegeszug der modernen Hygiene\"}}]}]},{\"type\":\"row\",\"props\":{\"layout\":\"3-5,2-5\"},\"children\":[{\"type\":\"column\",\"props\":{\"image_position\":\"center-center\",\"media_overlay_gradient\":\"\",\"width_medium\":\"3-5\"},\"children\":[{\"type\":\"text\",\"props\":{\"margin\":\"default\",\"column_breakpoint\":\"m\",\"content\":\"\n\n<p>In Zeiten der Corona-Pandemie ist hygienisches Verhalten zur B\\u00fcrgerpflicht und solidarischen Aufgabe geworden. 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Hygiene auf dem Land. Petersberg (Michael Imhof Verlag) 2019, 256 S. mit zahlreichen farbigen Abbildungen, ISBN 978-3-7319-0837-1, 19,95 \\u20ac, Bezug \\u00fcber Fr\\u00e4nkisches Freiland-museum info@freilandmuseum.de oder den Buchhandel.<\\\/p>\"}}]}]}]}],\"version\":\"2.3.29\"} --><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"uk-panel\">\n    <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"uk-align-left uk-margin-remove-adjacent\" src=\"https:\/\/margarete.meggle-freund.de\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/csm_Zierhandtuch_Anfang_20_Jhr_Sammlung_Fraenk_Freilandmus_Fladungen_ebacf04a5c.jpg\" width=\"225\" height=\"150\" alt=\"Example image\"><\/p>\n<p>In Zeiten der Corona-Pandemie ist hygienisches Verhalten zur B\u00fcrgerpflicht und solidarischen Aufgabe geworden. Die Umsetzung der Erkenntnisse von Infektiologie und moderner Hygiene ist seit dem 19. Jahrhundert in Europa eine ermutigende Erfolgsgeschichte: Die einst gef\u00fcrchtete Tuberkulose gilt durch die Entwicklung von Impfstoffen heute bei uns als weitgehend verschwunden. Auch die Cholera kommt durch den fl\u00e4chendeckenden Ausbau einer modernen Trinkwasserversorgung in Europa kaum mehr vor.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-1877","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/margarete.meggle-freund.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1877","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/margarete.meggle-freund.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/margarete.meggle-freund.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/margarete.meggle-freund.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/margarete.meggle-freund.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1877"}],"version-history":[{"count":43,"href":"https:\/\/margarete.meggle-freund.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1877\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2710,"href":"https:\/\/margarete.meggle-freund.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1877\/revisions\/2710"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/margarete.meggle-freund.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1877"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/margarete.meggle-freund.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1877"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/margarete.meggle-freund.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1877"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}