{"id":1537,"date":"2014-01-26T21:21:12","date_gmt":"2014-01-26T21:21:12","guid":{"rendered":"http:\/\/margarete.meggle-freund.de\/?page_id=1537"},"modified":"2014-01-26T21:25:40","modified_gmt":"2014-01-26T21:25:40","slug":"ausstellungseroffnung-absatz-boa-und-zylinder","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/margarete.meggle-freund.de\/?page_id=1537","title":{"rendered":"Er\u00f6ffnungsvortrag \u2013 \u201cAbsatz, Boa und Zylinder\u201d"},"content":{"rendered":"<div>\n    Ein fescher Kapotthut aus Samt mit Federn und Glitzerperlchen dazu<br \/>\n    eingl\u00e4nzender Pelzmuff und der passende Pelzkragen \u2013 l\u00e4ndlicher Chic<br \/>\n    in Franken. Derart ausstaffiert ging Elisabeth Meier, die Gattin<br \/>\n    eines Postboten, in der Zeit um 1900 sonntags zur Kirche. Ihr Mann trug,<br \/>\n    wenner an hohen Feiertagen zum Abendmahl ging, seinen Abendmahlsrock<br \/>\n    mit Zylinder. Das war der schwarze Gehrock, den er zur Hochzeit<br \/>\n    angeschafft hatte und dann bis an sein Lebensende zum Kirchgang trug.<\/p>\n<p>    Diese Kleidungsst\u00fccke und viele andere von Elisabeth und Stefan Meier haben<br \/>\n    sich nur erhalten, weil die Tochter sie zu Kinderkleidung umarbeiten wollte.<br \/>\n    Und dann wurden sie vergessen. Einer unserer Museumszimmerleute brachte sie<br \/>\n    ins Museum. Er erz\u00e4hlte: \u201eNa, wir spielen ja auch Theater, wir haben die<br \/>\n    Sachen probiert, aber uns war alles zu klein.\u201c F\u00fcr uns stellt es eine kleine<br \/>\n    Sensation dar, da\u00df sich eine ann\u00e4hernd komplette Garderobe einfacherer Leute<br \/>\n    aus der Zeit um 1900 erhalten hat. Um sie herum haben wir die Ausstellung<br \/>\n    gruppiert.<\/p>\n<p>    Zuerst war ich eher entsetzt als ich die Teile der Meierschen Garderobe aus<br \/>\n    zwei unscheinbaren Kartons herausholte. Dort waren sie hineingestopft und<br \/>\n    dementsprechend zerknittert. Doch bei n\u00e4herer Betrachtung stellte sich<br \/>\n    heraus, da\u00df es sich oft um komplette Ensembles von zusammengeh\u00f6rigem Rock<br \/>\n    und Oberteil mit G\u00fcrtel handelte. Kein Teile verzichtet auf Dekor: nur mit<br \/>\n    Biesen, oft mit Spitzen und Borten.Modisch Accessoires wir H\u00fctchen oder<br \/>\n    Muff, Fellkr\u00e4gen und \u2013boas erg\u00e4nzten den Bestand. Frau Meier gab sich<br \/>\n    modisch. Gleichzeitig unterschieden sich aber die R\u00f6cke nicht von<br \/>\n    Trachtenr\u00f6cken: Sie bestehen aus geraden Stoffbahnen, sind im Bund angereiht<br \/>\n    und vorne flache, um dar\u00fcber eine Sch\u00fcrze zu tragen. Modische R\u00f6cke w\u00e4ren<br \/>\n    in Bahnen geschnitten gewesen und enger. Frau Meier hat<br \/>\n    traditionelle Kleidungsgewohnheiten beibehalten und sich doch gleichzeitig<br \/>\n    derzeitgen\u00f6ssischen Mode angepa\u00dft. Sie ging im l\u00e4ndlichen Chic.<\/p>\n<p>    Die meisten St\u00fccke von Elisabeth Meier sind in schwarz und in<br \/>\n    dunklenFarben. Nach au\u00dfen gab sie sich als ehrbare Protestantin<br \/>\n    sehr zur\u00fcckhaltend. Doch daneben findet sich in ihrem Bestand aber auch<br \/>\n    ein lila Unterrock. Solch verborgenem Chic der Unterw\u00e4sche haben wir<br \/>\n    eine eigene Abteilung gewidmet. Auch die Frauen am Land versuchten<br \/>\n    \u2013wenigstens am Sonntag \u2013 b\u00fcrgerlicher W\u00e4schepracht nachzueifern: Sie trugen<br \/>\n    Korsett und viel wei\u00dfe Spitze.<\/p>\n<p>    In einem \u201eFr\u00e4nkischen Spektrum\u201c stellen wir in einem weiteren Bereich die<br \/>\n    Spannweite m\u00f6glicher Bekleidungsstile im l\u00e4ndlichen Franken um<br \/>\n    1900 nebeneinander: Einige richteten sich nach der herrschenden Mode.<br \/>\n    Einige trugen Tracht. Die Mehrzahl aber bevorzugte wie Elisabeth Meier<br \/>\n    eine Mischform, eine l\u00e4ndlich gepr\u00e4gte Variante der allgemeinen Mode.<br \/>\n    So konnte sich die Kleidungsweise von Region zu Region, aber auch innerhalb<br \/>\n    der gleichen Familie unterscheiden. Man erkennt etwa auf Familienfotos oft<br \/>\n    die T\u00f6chter, die in der Stadt als Dienstboten arbeiteten schon an ihrer<br \/>\n    etwas modischereren Kleidung.<\/p>\n<p>    Revolution\u00e4r erschien den Zeitgenossen die Ver\u00e4nderung der Mode in<br \/>\n    den Zwanzigerjahren. Statt der fr\u00fcheren Kombination von eng sitzenden und mit<br \/>\n    St\u00e4bchen versteiften Oberteilen mit langen R\u00f6cken, trugen die Frauen nun<br \/>\n    \u00fcberwiegend einteilige, locker sackartig geschnittene Kleider und zeigten<br \/>\n    Bein. Wie es uns Frau Scheibenberger so sch\u00f6n besungen hat z.B. vom Fr\u00e4ulein<br \/>\n    Helen.<\/p>\n<p>    Umrahmt wird unsere Ausstellung von vielf\u00e4ltigen Accessoires entlang der<br \/>\n    W\u00e4nde: H\u00fcte und Sonnenschirme f\u00fcr die Dame und nat\u00fcrlich Stock und Zylinder<br \/>\n    f\u00fcr die Herren bestimmten das modische Erscheinungsbild. Aber auch bei den<br \/>\n    Trachten entsteht das charakteristische Erscheinungsbild oft erst durch die<br \/>\n    verschiedenen Hauben: Etwa die schwarzen Zopfhauben, hier konnten die<br \/>\n    Tr\u00e4gerinnen, meint man, gar nicht genug von dem teuren schwarzen Moireband<br \/>\n    pr\u00e4sentieren.<\/p>\n<p>    Der Anla\u00df sich mit besonders festlicher Kleidung zu schm\u00fccken aber war von<br \/>\n    jeher die Hochzeit. Hier stellen wir ein Paar mit einer schwarz gekleideten<br \/>\n    Braut einem Paar mit einer wei\u00dfen Braut gegen\u00fcber. Erst seit den<br \/>\n    Zwanzigerjahren leisteten sich immer mehr Frauen ein spezielles wei\u00dfes<br \/>\n    Brautkleid. Vorher trugen sie der schwarzen Mode entsprechend einfach ein<br \/>\n    besonders festliches \u2013 schwarzes Kleid.<\/p>\n<p>    Nach einem Brautlied, das uns die Windsheimer S\u00e4nger vortragen, f\u00fchren uns<br \/>\n    dann N\u00fcrnberger Landfrauen des Bayerischen Bauernverbandes unter Leitung von<br \/>\n    Frau Renate H\u00f6fler solche Kleider ihrer Vorfahren live vor.<br \/>\n    &nbsp;\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein fescher Kapotthut aus Samt mit Federn und Glitzerperlchen dazu eingl\u00e4nzender Pelzmuff und der passende Pelzkragen \u2013 l\u00e4ndlicher Chic in Franken. Derart ausstaffiert ging Elisabeth Meier, die Gattin eines Postboten, in der Zeit um 1900 sonntags zur Kirche. Ihr Mann trug, wenner an hohen Feiertagen zum Abendmahl ging, seinen Abendmahlsrock mit Zylinder. Das war der [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-1537","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/margarete.meggle-freund.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1537","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/margarete.meggle-freund.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/margarete.meggle-freund.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/margarete.meggle-freund.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/margarete.meggle-freund.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1537"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/margarete.meggle-freund.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1537\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1544,"href":"https:\/\/margarete.meggle-freund.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1537\/revisions\/1544"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/margarete.meggle-freund.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1537"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}