{"id":1497,"date":"2014-01-24T19:42:49","date_gmt":"2014-01-24T19:42:49","guid":{"rendered":"http:\/\/margarete.meggle-freund.de\/?page_id=1497"},"modified":"2014-01-26T21:16:36","modified_gmt":"2014-01-26T21:16:36","slug":"gastvorlesung-in-jena","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/margarete.meggle-freund.de\/?page_id=1497","title":{"rendered":"Gastvorlesung in Jena"},"content":{"rendered":"<div>\n<div class=\"Section1\">\n<p class=\"MsoPlainText\">Gastvortrag in der Wohn-Vorlesung von Prof. Dr.<br \/>\n        Christel K\u00f6hle-Hezinger in Jena FSU am 14.07.2005<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Dr. Margarete Meggle-Freund: Vorstellung der<br \/>\n        Dissertation<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"font-weight: bold; text-align: center\">\n        Zwischen Altbau und Platte.<\/p>\n<div style=\"text-align: center\"><\/div>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"font-weight: bold; text-align: center\">\n        Erfahrungsgeschichte(n) vom Wohnen.<\/p>\n<div style=\"text-align: center\"><\/div>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"font-weight: bold; text-align: center\">\n        Alltagskonstruktion in der Sp\u00e4tzeit der DDR<\/p>\n<div style=\"text-align: center\"><\/div>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"font-weight: bold; text-align: center\">\n        am Beispiel der S\u00e4chsischen Kleinstadt Reichenbach im Vogtland<\/p>\n<p><\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"font-weight: bold\">A Nach dem Wohnen<br \/>\n        fragen<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">&#8211; Zug\u00e4nge: westdeutsche Au\u00dfensicht und<br \/>\n        ostdeutsche Innensicht<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">&#8211; Themastellung: Doppelaspekt Geschichte und<br \/>\n        Geschichten<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">&#8211; Pers\u00f6nlicher Zugang: Beispielort<br \/>\n        Reichenbach<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">&#8211; Forschungsdesign: Quellen, Vorgehen,<br \/>\n        Gespr\u00e4chspartner<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">&#8211; Politische und \u00f6rtliche Rahmenbedingungen<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"font-weight: bold\">B Fallbeispiel:<br \/>\n        Familie Sch\u00e4fer und ihre Wohnung<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">a) Staatliche Wohnungszwangsbewirtschaftung und die individuelle L\u00f6sung des Wohnungsproblems der Familie Sch\u00e4fer<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">b) Die Politik der Vernachl\u00e4ssigung der Altbausubstanz und die Komfortvorstellungen der B\u00fcrger<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">c) Planm\u00e4\u00dfige Mangelwirtschaft und die Ordnung der Dinge<br \/>\n        Vertiefung: die Schrankwand als Bestandteile des Einrichtungsschemas f\u00fcr Wohnzimmer und Symbol f\u00fcr die Wohnkultur der DDR<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"font-weight: bold\">C Schluss: Alltagskonstruktion in der DDR<\/p>\n<p>a) Selbsteinsch\u00e4tzungen zum Alltagsleben in der DDR:<br \/>\n        die Alltagskonstruktion der \u201ezwei Welten\u201c<\/p>\n<p>        b) Historiographische Interpretation: DDR-Alltag:<br \/>\n        Leben in der privaten \u201eNische\u201c oder in der durchherrschten<br \/>\n        Gesellschaft\u201c?<\/p>\n<p>        &nbsp;<br \/>\n        Volltext der Arbeit: <a href=\n        \"http:\/\/margarete.meggle-freund.de\">http:\/\/margarete.meggle-freund.de<\/a><\/p>\n<p><\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"font-weight: bold\">A Nach dem Wohnen<br \/>\n        fragen<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"text-align: center\"><img align=\"default\"\n        border=\"0\" class=\" size-full wp-image-739\" height=\"481\" src=\n        \"wp-content\/uploads\/2005\/07\/bild021.jpg\" style=\n        \"width: 350px; height: 219px\" width=\"768\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"text-align: center\">Abb. 1:<br \/>\n        Ost-West-Colawerbung<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"font-weight: bold\">&#8211; Zug\u00e4nge:<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\"><b>Westdeutsche Au\u00dfensicht<\/b>: Wohnen in der<br \/>\n        DDR ist hier in Jena ein nahe liegendes Thema. Die Plattenbausiedlung Jena-Lobetal und die Altstadt Jenas, die nach der Vernachl\u00e4ssigung der Bausubstanz zu DDR-Zeiten in den letzten Jahren nun rasante Ver\u00e4nderungen erfuhr, zeugen von der Wohnungspolitik des SED-Staates. Die Politik pr\u00e4gte den Rahmen f\u00fcr das allt\u00e4gliche Leben.F\u00fcr die, die hier aufgewachsen sind, ist dies vertraut. Aber mich, die ich aus M\u00fcnchen komme, befremdet immer wieder die Andersartigkeit der Wohnerfahrung. Sie ist Ausgangspunkt meiner Fragen.<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\"><b>Ostdeutsche Innensicht<\/b>: Auf der anderen Seite stie\u00df solches Fragen manchmal auf Verwunderung. Frau Winter, eine meiner Interviewpartnerinnen, bewertete ihre Wohnung zu Beginn des Interviews:<\/p>\n<p class=\"ZITATE\"><i>\u201eWelchen Stil, welche         Atmosph\u00e4re?&nbsp;&nbsp;<br \/>\n            Naja, Polsterm\u00f6bel, Schrankwand, Ehebetten, (lacht) wie es halt so ist. &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<br \/>\n            Normale K\u00fcche mit Esstisch.<br \/>\n            &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<br \/>\n            Halt so, wie es mir gef\u00e4llt. &nbsp;&nbsp;&nbsp;<br \/>\n            Also schon so, da\u00df ich drin wohnen kann. Es ist keine piekfeine Wohnung, da\u00df man sich nicht drin bewegen           kann,&nbsp;&nbsp;&nbsp;<br \/>\n            also schon, naja, so wie es eben sein muss zu Hause, da\u00df man sich wohlf\u00fchlt, da\u00df man denkt, ja das ist meines und<br \/>\n            &#8211; Ganz einfach, da\u00df es sauber ist, da\u00df Ordnung ist.\u201c<br \/>\n            (19\/1)<\/i>&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Frau Winter vermittelte mir das ganze Gespr\u00e4ch \u00fcber, ihre Bedenken: Was soll die komische Fragerei. So verlief das ganze Interview kurz angebunden und reichlich spr\u00f6de. Hinterher dachte ich frustriert, das kann ich ohnehin vergessen, es ist doch nichts gesagt. Aber im Prozess der Interpretation kam ich immer wieder auf dieses Gespr\u00e4ch zur\u00fcck. Frau Winter hatte die Aussagen aller anderen<br \/>\n        Gespr\u00e4chspartner verdichtet.<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Im eben angef\u00fchrten Zitat nennt sie das<br \/>\n        Repertoire der Einrichtung: Polsterm\u00f6bel und Schrankwand. Die zentrale Bewertung ist \u201enormal, wie es halt so ist, wie es eben sein muss\u201c &#8211; so quasi: Was soll die Frage. Sie betont gleichzeitig aber Pers\u00f6nliches: \u201ewohlf\u00fchlen\u201c, \u201emeines\u201c. Die Bewertung gipfelt in \u201esauber\u201c. &#8211; Ordnung ist ihr ein derart wichtiger Wert, da\u00df er alles zusammenfasst.<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Meine Untersuchung besch\u00e4ftigt sich mit sog.Normalb\u00fcrgern: Sie m\u00fcssen betonen, da\u00df ihr Leben normal gewesen sei, sonst w\u00e4re es kein Alltag gewesen. Allerdings mu\u00df die Normalit\u00e4t auch      deshalb betont werden, weil sie mit den Umbr\u00fcchen seit der politischen Wende ins Wanken geraten ist. Dieser sich gewandelten Normalit\u00e4t geht        meine Arbeit nach.<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"font-weight: bold\">&#8211; Themastellung:<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"text-align: center\">&nbsp;<img align=\n        \"default\" border=\"0\" class=\" size-full wp-image-740\" height=\"296\" src=\n        \"wp-content\/uploads\/2005\/07\/bild038.jpg\" style=\n        \"width: 200px; height: 126px\" width=\"471\"> <img align=\"default\" border=\n        \"0\" class=\" size-full wp-image-741\" height=\"296\" src=\n        \"wp-content\/uploads\/2005\/07\/bild033.jpg\" style=\n        \"width: 200px; height: 126px\" width=\"471\"><\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"text-align: center\">Abb.2+3:<br \/>\n        Altbaufenster, Plattenbaufenster<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"text-align: center\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\"><b>Zwischen Altbau und \u2018Platte\u2019<\/b>: wohnen die Reichenbacher. Das meint ganz konkret die vier W\u00e4nde, aber auch die vielen Zwischent\u00f6ne der feinen Bewertungen.<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\"><b>Erfahrungsgeschichte(n) vom Wohnen<\/b>: Mein Thema ist ein Doppeltes: zum einen das Wohnen im Spiegel der Interviewaussagen, zum anderen die geschichtlichen Erfahrungen aus der subjektiven Sicht der Betroffenen, die sich ausdr\u00fccken in ihren Geschichten vom Wohnen.<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\"><strong>Alltagskonstruktion in der Sp\u00e4tzeit der DDR<\/strong>: Die \u00fcbergeordnete Fragestellung dabei ist: Wie konstruierten sich die DDR-B\u00fcrger unter den besonderen Bedingungen des DDR-Systems ihren &#8211; als von ihnen als unabh\u00e4ngig erlebten &#8211; Alltag? Damit ist auch der theoretische Bezugsrahmen genannt: die ph\u00e4nomenologische Alltagsforschung in Nachfolge von Alfred Sch\u00fctz und die so genannte Dichte Beschreibung nach Clifford Geertz.<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"text-align: center\">&nbsp;<img align=\n        \"default\" border=\"0\" class=\" size-full wp-image-742\" height=\"469\" src=\n        \"wp-content\/uploads\/2005\/07\/bild036.jpg\" style=\n        \"width: 350px; height: 219px\" width=\"750\"><\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"text-align: center\">Abb. 4: Bahnhof<br \/>\n        Reichenbach: ein Stadt im Umbau<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"text-align: center\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\"><b>am Beispiel der s\u00e4chsischen Kleinstadt<br \/>\n        Reichenbach im Vogtland<\/b>: Konkret verortet soll dies sein am Beispiel der s\u00e4chsischen Kleinstadt Reichenbach im Vogtland. Und zeitlich eingegrenzt ist die Untersuchung auf die Sp\u00e4tzeit der DDR, was der zeitlichen Reichweite der Interviews entspricht.<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Heute m\u00f6chte ich vor allem die empirische Arbeit sehr nahe am Material vorstellen. Am Fallbeispiel einer Familie und ihrer Wohnung soll sowohl die Sache, als auch die Deutungen und anschlie\u00dfende Interpretationen vorgef\u00fchrt werden. Abschlie\u00dfend m\u00f6chte ich die Interviewaussagen zum Ort des Alltags in Bezug setzen zu theoretischen Deutungen.<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"font-weight: bold\">&#8211; pers\u00f6nlicher Zugang: Beispielort Reichenbach<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">pers\u00f6nlicher Bezug: P\u00e4ckchenbekannte meiner<br \/>\n        Eltern dort, als Paten, dann L\u00f6sung von ihnen, um offen sein zu k\u00f6nnen<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Reichenbach als Beispiel ausgew\u00e4hlt, weil: Wohnen hat mit Verortet-Sein zu tun an konkretem Ort festgemacht,<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">\u00fcberschaubar, Kleinstadt 1990: rund 25000 Einwohner, Arbeiterstadt, Maschinenbau und Textilindustrie &#8211; seit Wende viele Arbeitslose &#8211; typisch nach demographischen Merkmalen und in der Selbstempfindung,<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Lage: Vogtland bei Plauen, noch nicht Grenzlage, aber nicht bevorzugtes Berlin, von Bayern aus erreichbar<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"font-weight: bold\">&#8211; Forschungsdesign: Quellen, Vorgehen, Gespr\u00e4chspartner<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Hauptquelle: \u00fcber 1200 S. Transkripte von 34 Interviews, rund 20 narrative Wohninterviews,<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">mehrere Feldforschungsaufenthalte 1994 bis<br \/>\n        1996, Interviews durchschnittlich von 2 1\/2 Stunden Dauer, in den Wohnungen der Befragten<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">offene biographische Interviews zur Entwicklung der Fragestellung beim Erstaufenthalt, dann Wohninterviews und Zweitgespr\u00e4che und Expertengespr\u00e4che,<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Fotodokumentationen von 16 Wohnungen, Archivstudien<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Interviewpartner: spiegeln etwa in demographischen Merkmalen Reichenbacher Durchschnitt,<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">allerdings Schwerpunkt im sozialen Mittelfeld, besonders im kleinb\u00fcrgerlich-materialistischen Milieu (Sinus-Typologie),<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Auswahl: Dagebliebene &#8211; am liebsten noch in der gleichen Wohnung, vom Alter die DDR bewusst erlebt,<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">rund 2\/3 Frauen, 1\/3 M\u00e4nner (21:9)<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Interessenschwerpunkt: vom Einzelnen, ethnographisch, Lebens- und Alltagsbew\u00e4ltigung?<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"font-weight: bold\">&#8211; Politische und \u00f6rtliche Rahmenbedingungen:<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Wohnungszwangsbewirtschaftung,<br \/>\n        Staatsaufgabe<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Recht auf Wohnung verfassungsm\u00e4\u00dfig<br \/>\n        garantiert<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">weitgehende Enteignungen<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">verstaatlichtes Bauwesen und Wohnungsbau<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">industrialisierter Wohnungsbau: Plattenbau<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"text-align: center\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"text-align: center\">&nbsp;<img align=\n        \"default\" border=\"0\" class=\" size-full wp-image-743\" height=\"296\" src=\n        \"wp-content\/uploads\/2005\/07\/bild032.jpg\" style=\n        \"width: 350px; height: 220px\" width=\"471\"><\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"text-align: center\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"text-align: center\"><img align=\"default\"\n        border=\"0\" class=\" size-full wp-image-744\" height=\"296\" src=\n        \"wp-content\/uploads\/2005\/07\/bild039.jpg\" style=\n        \"width: 350px; height: 220px\" width=\"471\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"text-align: center\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"text-align: center\"><img align=\"default\"\n        border=\"0\" class=\" size-full wp-image-745\" height=\"296\" src=\n        \"wp-content\/uploads\/2005\/07\/bild048.jpg\" style=\n        \"width: 350px; height: 220px\" width=\"471\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"text-align: center\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"text-align: center\"><img align=\"default\"\n        border=\"0\" class=\" size-full wp-image-746\" height=\"296\" src=\n        \"wp-content\/uploads\/2005\/07\/bild034.jpg\" style=\n        \"width: 350px; height: 220px\" width=\"471\"><\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"text-align: center\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"text-align: center\"><img align=\"default\"\n        border=\"0\" class=\" size-full wp-image-747\" height=\"296\" src=\n        \"wp-content\/uploads\/2005\/07\/bild035.jpg\" style=\n        \"width: 350px; height: 220px\" width=\"471\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"text-align: center\">Abb. 5-10 Ansichten<br \/>\n        von Reichenbach: Markt im Zentrum, Neubausiedlung errichtet in den<br \/>\n        1980er-Jahren<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"text-align: center\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">in Reichenbach: Vernachl\u00e4ssigung der<br \/>\n        Altbausubstanz: Plumpsklos &#8211; fehlende Kanalisation.., in der die<br \/>\n        Mehrheit wohnte<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">sp\u00e4ter Beginn des Plattenbaus in<br \/>\n        Achtzigerjahren<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"font-weight: bold\">B Fallbeispiel:<br \/>\n        Familie Sch\u00e4fer und ihre Wohnung<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Empirischer Ausgangspunkt soll das Fallbeispiel einer Familie und ihrer Wohnung sein. Am Beispiel der Familie Sch\u00e4fer m\u00f6chte ich aufzeigen, wie \u00e4u\u00dfere, staatliche Regelungen einen Ordnungsrahmen vorgaben, in dem sich die Einzelnen ihre eigenen Ordnungen schufen, ihren Alltag konstruierten dinglich konkret und \u00fcbertragen. Zuerst stelle ich das Wohnen der Sch\u00e4fers in Eigenaussagen und Bildern vor. Vieles davon kann man auf der Basis der anderen Wohninterviews dann auch verallgemeinern. Mit Hintergrundinformationen aus der Literatur schlie\u00dflich l\u00e4sst sich das Beispiel historisch     einordnen. Ich werde anhand der Bereiche a) Wohnungsvergabe, b)  Komfortvorstellungen und c) Dinggebrauch \u00fcber das Wechselspiel verschiedener staatlicher Vorgaben versus Eigensinnigkeit der Menschen im Wohnen sprechen.<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"text-align: center\">&nbsp;<img align=\n        \"default\" border=\"0\" class=\" size-full wp-image-748\" height=\"296\" src=\n        \"wp-content\/uploads\/2005\/07\/bild086.jpg\" style=\n        \"width: 350px; height: 220px\" width=\"471\"><\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"text-align: center\">Abb. 11: Familie Sch\u00e4fer<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Zur Familie Sch\u00e4fer geh\u00f6ren vier Personen: Herr Sch\u00e4fer ist im Fr\u00fchjahr 1995 zum Zeitpunkt des Interviews 45 Jahre alt. Er ist Physiker und arbeitete vor der Wende in der Entwicklungsabteilung eines Betriebes. Seit einigen Jahren ist er als EDV-Fachmann t\u00e4tig. Frau Sch\u00e4fer ist 42 Jahre alt. Wie fast alle Frauen zu DDR-Zeiten war sie ebenfalls vollzeit berufst\u00e4tig. Sie studierte Chemie und ist schon viele Jahre in einem ortsans\u00e4ssigen Industriebetrieb besch\u00e4ftigt. Die Sch\u00e4fers haben zwei Kinder: Die Tochter hat gerade ihr Abitur bestanden, der Sohn besucht die Mittelstufe des Gymnasiums. Sie selber sch\u00e4tzten sich im Lebensstandard oder der ihrer Einrichtung als normale DDR-B\u00fcrger ein. Die Sch\u00e4fers bewohnen die Erkerwohnung eines Mehrfamilienhauses aus der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts.<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"text-align: center\"><img align=\"default\"\n        border=\"0\" class=\" size-full wp-image-749\" height=\"471\" src=\n        \"wp-content\/uploads\/2005\/07\/bild072.jpg\" style=\n        \"width: 220px; height: 350px\" width=\"296\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"text-align: center\">Abb. 12: Haus der Familie Sch\u00e4fer<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"text-align: center\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"font-weight: bold\">a) Staatliche Wohnungszwangsbewirtschaftung und die individuelle L\u00f6sung des Wohnungsproblems der Familie Sch\u00e4fer<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Herr Sch\u00e4fer erz\u00e4hlte vom Beginn seiner Ehe:<\/p>\n<p style=\"font-style: italic\">\u201eIn Bitterfeld war die Wohnsituation so schlecht, da\u00df wir dort ewig keine Wohnung gekriegt haben. Und unsere Tochter war dann unterwegs, dann h\u00e4tten wir irgendwo in einem Wohnheim in einem Zimmer wohnen m\u00fcssen mit der Tochter. &#8230; Und meine Frau stammte aus Mylau und so ist es dann gekommen, da\u00df wir uns hier niedergelassen haben.\u201c (5\/7)<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Am Beginn der Ehe der Sch\u00e4fers \u201ehatte die junge Familie ein Wohnungsproblem\u201c. Mit der Formulierung \u201eein Wohnungsproblem haben\u201c umschrieben die Interviewpartner umgangssprachlich eine  schwierige Wohnsituation, in der ein Betroffener einen Antrag auf die        Zuteilung einer geeigneten Wohnung gestellt hat. Fast alle Interviewpartner sprachen von \u201eihrem Wohnungsproblem\u201c, das mit \u00e4hnlich verwickelten Umst\u00e4nden verbunden war.<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Der politische Hintergrund dazu ist im \u2018Recht auf Wohnung\u2019 zu suchen, das in der Verfassung der DDR festgeschrieben war. Dazu betrieb die SED-Regierung eine staatliche Wohnungszwangsbewirtschaftung. Sie war gesetzlich geregelt in der Wohnraumlenkungsverordnung. Die Wohnungs\u00e4mter regelten zentral die Verteilung aller Wohnungen. Selbst in privatem Eigentum verbliebene Wohnungen wurden so zentral vergeben. Jeder Wohnungssuchende, also auch ein Eigent\u00fcmer, musste am \u00f6rtlichen Wohnungsamt einen Wohnungsantrag        stellen. Nach festgelegten Regeln wurde solch ein Antrag dann in eine Dringlichkeitsstufe eingeteilt. Danach bema\u00dfen sich die Gr\u00f6\u00dfe und die Wartezeit, die in den meisten F\u00e4llen mehrere Jahre betrug.<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Um die Wartezeit zu verk\u00fcrzen und eine angemessen gro\u00dfe Wohnung zu erhalten, ergriffen Sch\u00e4fers Eigeninitiative und kauften 1977 das Haus, in dem sie bis heute leben. Das war m\u00f6glich, weil sie inzwischen ein Wohnungsangebot f\u00fcr eine kleine Wohnung erhalten hatten, und die Eigent\u00fcmerin des Hauses bereit war mit ihnen zu tauschen: So konnte Familie Sch\u00e4fer den Wohnungsanspruch der fr\u00fcheren       Eigent\u00fcmerin \u00fcbernehmen und sofort in das gekaufte Haus einziehen. Die fr\u00fchere Eigent\u00fcmerin dagegen zog in die ihnen zugeteilte kleinere Wohnung.<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Diesen ungew\u00f6hnlichen Schritt eines Hauskaufs konnten Sch\u00e4fers nur dank der besonderen handwerklichen F\u00e4higkeiten Herrn Sch\u00e4fers wagen. Er  selbst verallgemeinert dies:<\/p>\n<p style=\"font-style: italic\">\u201eHandwerksleistungen waren generell knapp. Deswegen sind auch sehr viele DDR-B\u00fcrger relativ geschickt, weil sie also aus der Not heraus sich ganz zwangsl\u00e4ufig mit vielen Dingen besch\u00e4ftigen mussten. Mauerer hat man nicht gekriegt, also wenn man was zu mauern hatte, musste man das halt lernen.\u201c (5)<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Bei den minimalen Mieteinnahmen stellte der Bauunterhalt eines Altbaus ein gro\u00dfes Problem dar. Die gesetzlich festgeschriebenen Mieten deckten den Bauunterhalt nicht. So bestand eher die Tendenz Altbauten an den Staat zu schenken, als sie zu erwerben.<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Auf die einschr\u00e4nkende staatliche Ordnung reagierte Herr Sch\u00e4fer mit der Ausbildung besonderer handwerklicher F\u00e4higkeiten. Dank dieser F\u00e4higkeiten, gro\u00dfer Einsatzbereitschaft, dem Aufbau eines Beziehungsnetzes und Organisationstalent konnten die Sch\u00e4fers entgegen der staatlichen Norm minimierter kleiner Wohnungen ihre Vorstellung einer angemessenen Wohnung verwirklichen.<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"font-weight: bold\">b) Die Politik der Vernachl\u00e4ssigung der Altbausubstanz und die Komfortvorstellungen der B\u00fcrger<\/p>\n<p style=\"font-style: italic\">\u201eZu einer kompletten Wohnung geh\u00f6rt, da\u00df eine K\u00fcche und ein Bad dabei sind. Heute geh\u00f6rt schon irgendwie eine Heizung dazu, obwohl das sicher viele nicht haben. Es geh\u00f6rt dazu, da\u00df ordentliche Fenster drin sind. Eigentlich sind das normale Dinge, aber hier im Osten nicht unbedingt.\u201c (5)<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Herr Sch\u00e4fer formulierte so seine Norm einer vollst\u00e4ndigen Wohnung. Sch\u00e4fers haben einen Vorsaal, ein Elternschlafzimmer, zwei Kinderzimmer, ein G\u00e4stezimmer, K\u00fcche und ein Wohnzimmer.<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Als erstes tritt ein Besucher in den so genannten \u2018Vorsaal\u2019. Er vermittelt als Schwellenraum zwischen au\u00dfen und innen und komplettiert so die Raumfolge einer Wohnung zu einer Einheit. Von dort aus gehen die einzelnen R\u00e4ume ab.<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"text-align: center\"><img align=\"default\"\n        border=\"0\" class=\" size-full wp-image-750\" height=\"471\" src=\n        \"wp-content\/uploads\/2005\/07\/bild074.jpg\" style=\n        \"width: 220px; height: 350px\" width=\"296\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"text-align: center\">Abb. 13: Vorsaal der Familie Sch\u00e4fer<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"text-align: center\">&nbsp;<\/p>\n<div style=\"text-align: center\"><\/div>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"text-align: center\"><img align=\"default\"\n        border=\"0\" class=\" size-full wp-image-751\" height=\"471\" src=\n        \"wp-content\/uploads\/2005\/07\/bild078.jpg\" style=\n        \"width: 220px; height: 350px\" width=\"296\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"text-align: center\">Abb. 14: Zimmer der Tochter der Familie Sch\u00e4fer<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"text-align: center\">&nbsp;<\/p>\n<div style=\"text-align: center\"><\/div>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"text-align: center\"><img align=\"default\"\n        border=\"0\" class=\" size-full wp-image-752\" height=\"296\" src=\n        \"wp-content\/uploads\/2005\/07\/bild079.jpg\" style=\n        \"width: 350px; height: 220px\" width=\"471\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"text-align: center\">Abb. 15: Zimmer des<br \/>\n        Sohnes der Familie Sch\u00e4fer<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"text-align: center\">&nbsp;<\/p>\n<div style=\"text-align: center\"><\/div>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"text-align: center\"><img border=\"0\"\n        class=\" size-full wp-image-753\" height=\"296\" src=\n        \"wp-content\/uploads\/2005\/07\/bild083.jpg\" width=\"471\"><\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"text-align: center\">&nbsp;<img border=\n        \"0\" class=\" size-full wp-image-754\" height=\"471\" src=\n        \"wp-content\/uploads\/2005\/07\/bild085.jpg\" width=\"296\"><\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"text-align: center\">Abb. 16a-b: K\u00fcche der Familie Sch\u00e4fer<\/p>\n<div style=\"text-align: center\"><\/div>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"text-align: center\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"text-align: center\"><img border=\"0\"\n        class=\" size-full wp-image-755\" height=\"296\" src=\n        \"wp-content\/uploads\/2005\/07\/bild088.jpg\" width=\"471\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"text-align: center\">Abb. 17: Wohnzimmer der Familie Sch\u00e4fer<\/p>\n<div style=\"text-align: center\"><\/div>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"text-align: center\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"text-align: center\"><img border=\"0\"\n        class=\" size-full wp-image-756\" height=\"296\" src=\n        \"wp-content\/uploads\/2005\/07\/bild075.jpg\" width=\"471\"><\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"text-align: center\">Abb. 18:<br \/>\n        Schlafzimmer der Familie Sch\u00e4fer<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Alle Gespr\u00e4chspartner z\u00e4hlten die f\u00fcnf R\u00e4ume Vorsaal, K\u00fcche, Bad mit WC, Wohnzimmer und Schlafzimmer zum Kernbestand einer vollst\u00e4ndigen Wohnung. Dazu \u00e4u\u00dferten sie sich aber meist nur dann, wenn bei ihnen etwas von diesem kompletten Raumkonzept fehlte.<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">In den meisten Wohninterviews sind deshalb fehlende oder mangelhafte sanit\u00e4re Einrichtungen ein Schwerpunktthema. Die von Herrn Sch\u00e4fer formulierte Norm war also nicht durchg\u00e4ngig verwirklicht, vielmehr lagen die Realit\u00e4ten vieler Altbauwohnungen und die Komfortanspr\u00fcche der Bewohner weit auseinander. Noch f\u00fcnf Jahre nach der Wende verf\u00fcgten 18 % der Reichenbacher Wohnungen weder \u00fcber ein WC         noch \u00fcber ein Bad. Hinter dieser Zahl steht eine gro\u00dfe Menge von  Altbauten, in der sich rund 60% aller Wohnungen befanden.<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"text-align: center\"><img border=\"0\"\n        class=\" size-full wp-image-757\" height=\"471\" src=\n        \"wp-content\/uploads\/2005\/07\/bild067.jpg\" width=\"296\"><\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"text-align: center\">Abb. 19: Kontrast einer unsanierten Wohnung: Plumpsklo<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Einige der Gespr\u00e4chspartner versuchten sich mit nachtr\u00e4glichen L\u00f6sungen dem Komfortideal anzun\u00e4hern.<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"text-align: center\"><img border=\"0\"\n        class=\" size-full wp-image-758\" height=\"296\" src=\n        \"wp-content\/uploads\/2005\/07\/bild120.jpg\" width=\"471\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"text-align: center\">Abb. 20:<br \/>\n        improvisierte L\u00f6sung mit multifunktional genutzter K\u00fcche<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"text-align: center\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Vor solchen Hintergrund wird der besondere Stolz verst\u00e4ndlich, mit dem Sch\u00e4fers auf ihr neu renoviertes Badezimmer hinweisen:<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"text-align: center\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"text-align: center\"><img border=\"0\"\n        class=\" size-full wp-image-759\" height=\"942\" src=\n        \"wp-content\/uploads\/2005\/07\/bild082.jpg\" width=\"300\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"text-align: center\">Abb.21:<br \/>\n        Badezimmer der Familie Sch\u00e4fer<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"text-align: center\">&nbsp;<\/p>\n<p style=\"font-style: italic\">\u201eSie: Das Bad haben wir jetzt erst neu gebaut. &#8230; Das war auch sehr viel kleiner, das ist jetzt doppelt so gro\u00df und auch sehr viel sch\u00f6ner geworden. Er: Mit Eckbadewanne, Dusche und Innen-WC und so weiter, was eben so dazugeh\u00f6rt.\u201c (5)<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Aber erst mit den neuen M\u00f6glichkeiten nach der Wende konnten sich Sch\u00e4fers ihre Komfortvorstellungen von dem, \u201ewas eben so dazugeh\u00f6rt\u201c ganz verwirklichen.<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Am extremsten zeigen sich Ergebnisse der Wohnungspolitik der DDR in den oben genannten Zahlen der Sanit\u00e4rausstattungen. Die realsozialistischen<br \/>\n        Herrscher vernachl\u00e4ssigten die Altbausubstanz als kapitalistische Relikte. 1976 beschloss der Parteitag der SED ein neues Parteiprogramm, in dem er das Wohnungsbauprogramm zur politischen Hauptaufgabe erkl\u00e4rte. Ein Ziel der Wohnungspolitik unter Honecker lautet \u201ejedem B\u00fcrger eine modern ausgestattete Wohnung\u201c bereit zu stellen. Daf\u00fcr setzte die DDR-Regierung auf massenhaften industrialisierten Wohnungsbau, der die Plattenbausiedlungen schuf. Mit ihnen wurde der Wohnungsbedarf mengenm\u00e4\u00dfig weitgehend gedeckt. Mit dem Bau zahlreicher Neubauwohnungen, die \u00fcber Wohnkomfort mit Zentralheizung, flie\u00dfend Warm- und Kaltwasser, Bad, WC und Einbauk\u00fcche verf\u00fcgten, verfestigte sich die Norm einer derart ausgestatten Wohnung. Sie blieb aber f\u00fcr viele Bewohner der unsanierten Altbauwohnungen weiterhin unerreichbar.<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Beim Thema Wohnkomfort wird deutlich wie sich Politik und Vorstellungen der B\u00fcrger gegenseitig beeinflussten: Die Politik versuchte den Anspr\u00fcchen ihrer B\u00fcrger entgegenzukommen. In dem sie sich die Anspr\u00fcche der B\u00fcrger zu eigen machten und sie als allgemeine Ziele einer belohnenden Sozialpolitik propagiert. Mit dem massenhaften Neubau konnte sie den geforderten Wohnkomfort auch f\u00fcr        einen Teil der B\u00fcrger verwirklichen. Damit verfestigten sich aber auch die Vorstellungen vom komfortabel geordneten Wohnen.<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"font-weight: bold\">c) Planm\u00e4\u00dfige Mangelwirtschaft und die Ordnung der Dinge<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">\u00c4hnlich wie das Raumprogramm legte die Mehrheit der Interviewpartner auch beider Einrichtung der jedem der f\u00fcnf Hauptr\u00e4ume ein festes Einrichtungsprogramm zugrunde. Ein Beispiel daf\u00fcr ist das Wohnzimmer. \u00dcbereinstimmend galt es meinen Gespr\u00e4chspartnern erst als komplett eingerichtet mit 1. Couchgarnitur, 2. Fernseher und 3. Schrankwand.<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"text-align: center\"><img border=\"0\"\n        class=\" size-full wp-image-760\" height=\"296\" src=\n        \"wp-content\/uploads\/2005\/07\/bild090.jpg\" width=\"471\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"text-align: center\">Abb. 23: Schrankwand der Sch\u00e4fers<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"text-align: center\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Die Schrankwand der Sch\u00e4fers stammt noch aus DDR-Zeiten (Abb. 15b), aber sie weicht von den durchschnittli\u00adchen zeitgleichen M\u00f6belst\u00fccken aus DDR-Produktion ab, weil sie mit Unterst\u00fctzung eines Schreiners selbst konstruiert und selbst gebaut wurde. Auf sie verwies Herr Sch\u00e4fer, als er mit Stolz erz\u00e4hlt, dass er gerne selbst etwas gestalte:<\/p>\n<p class=\"ZITATE\"><i>\u201eZum Beispiel auch die Schrankwand hier, die haben wir vom Tischler anfertigen lassen, die haben wir auch selber geplant, auch innen drin alles aufgebaut.\u201c (5)<\/i><span style=\n            \"display: none\">\/17<\/span><\/p>\n<p class=\"Absatz ohne Einzug\" style=\"text-align: left\">Wollte sich ein normaler DDR-B\u00fcrger ohne besondere Beziehungen M\u00f6bel anschaffen, musste er sich oft mit dem begn\u00fcgen, was er zuf\u00e4llig bekam. Die DDR exportierte M\u00f6bel, aber im eigenen Land waren sie Mangelware. Der Au\u00dfendarstellung    wegen dekorierten zwar entspre\u00adchende Einrichtungsgesch\u00e4fte ihre Ausstellungsr\u00e4ume mit M\u00f6belst\u00fccken, diese waren aber oft nicht zu erwerben. Herr Sch\u00e4fer bemerkt hierzu:<\/p>\n<p class=\"ZITATE\"><i>\u201eGenerell knapp waren M\u00f6bel. &#8230; Es standen zwar welche da, aber kaufen konnte man die nicht. &#8230; Also die waren immer Ausstellungsmuster. Schreiner gab es kaum welche. Wir haben unsere Schrankwand herstellen lassen, aber das ist auch blo\u00df wieder aufgrund von Beziehungen gegangen.\u201c (5)<\/i><span style=\n            \"display: none\">\/28<\/span><\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">So kamen die Sch\u00e4fers zu ihrer<br \/>\n        Ausnahme-Schrankwand. Sie entspricht ihrer Vorliebe f\u00fcr funktionale und schlichte M\u00f6bel. Damit liegen sie weitgehend auf der allgemeinen stilistischen Linie der DDR-M\u00f6belindustrie. Aber die meisten M\u00f6bel aus Serienproduktion waren nur mit Kunststoffoberfl\u00e4chen ausger\u00fcstet, nicht mit echtholzfurnierten Oberfl\u00e4chen.<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Bei der Umsetzung solch<br \/>\n        eines Einrichtungsprogrammes stie\u00dfen viele Gespr\u00e4chspartner an die Grenzen der Planwirtschaft. Nicht nur der Wohnungssektor war in der DDR zwangsbewirtschaftet, sondern die ganze Konsumg\u00fcterproduktion war zentralistisch geplant. Dabei kam es zu paradoxen Erscheinungen: G\u00fcter,die in ihrer Produktionszahl begrenzt waren, wurden gehortet. Dadurch entstand ein k\u00fcnstlicher Bedarf, der zu einem Mangel f\u00fchrte, der wiederum den Bedarf steigerte. Solche Mangelartikel waren in der Sp\u00e4tzeit der DDR nach Aussagen der Gespr\u00e4chspartner beispielsweise M\u00f6bel. Allerdings hat auch die Mangelwirtschaft neue Prestigeobjekte erzeugt: Gefragt und sozial angesehen war dann die seltenen Objekte, Dienstleistungen &#8211; jede Art von Privilegien.<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Insgesamt steht in den Erz\u00e4hlungen der Interviewpartner das Bem\u00fchen im Vordergrund \u00fcberhaupt die n\u00f6tigen Requisiten zu bekommen um die allgemeinen und ganz pers\u00f6nlichen Vorstellungen vom geordneten Wohnen verwirklichen zu k\u00f6nnen. Soziale Unterscheidungen standen bei den meisten Gespr\u00e4chspartnern erst an nachgeordneter Stelle.<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"text-align: center\">&nbsp;<img border=\n        \"0\" class=\" size-full wp-image-761\" height=\"296\" src=\n        \"wp-content\/uploads\/2005\/07\/bild139.jpg\" width=\"471\"><\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"text-align: center\">&nbsp;<img border=\n        \"0\" class=\" size-full wp-image-762\" height=\"296\" src=\n        \"wp-content\/uploads\/2005\/07\/bild140.jpg\" width=\"471\"><\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"text-align: center\"><img border=\"0\"\n        class=\" size-full wp-image-763\" height=\"296\" src=\n        \"wp-content\/uploads\/2005\/07\/bild142.jpg\" width=\"471\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"text-align: center\"><img border=\"0\"\n        class=\" size-full wp-image-764\" height=\"296\" src=\n        \"wp-content\/uploads\/2005\/07\/bild143.jpg\" width=\"471\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"text-align: center\">&nbsp;<img border=\n        \"0\" class=\" size-full wp-image-765\" height=\"296\" src=\n        \"wp-content\/uploads\/2005\/07\/bild145.jpg\" width=\"471\"><\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"text-align: center\"><img border=\"0\"\n        class=\" size-full wp-image-766\" height=\"296\" src=\n        \"wp-content\/uploads\/2005\/07\/bild146.jpg\" width=\"471\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"text-align: center\"><img border=\"0\"\n        class=\" size-full wp-image-767\" height=\"296\" src=\n        \"wp-content\/uploads\/2005\/07\/bild148.jpg\" width=\"471\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"text-align: center\"><img border=\"0\"\n        class=\" size-full wp-image-768\" height=\"296\" src=\n        \"wp-content\/uploads\/2005\/07\/bild149.jpg\" width=\"471\"><\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"text-align: center\"><img border=\"0\"\n        class=\" size-full wp-image-769\" height=\"389\" src=\n        \"wp-content\/uploads\/2005\/07\/bild151.jpg\" width=\"471\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"text-align: center\">Abb.24ff: Serie von Schrankw\u00e4nden in Reichenbacher Wohnungen<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"text-align: center\">&nbsp;<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"font-weight: bold\">Vertiefung: Die Schrankwand als Bestandteile des Einrichtungsschemas f\u00fcr Wohnzimmer und  Symbol f\u00fcr die Wohnkultur der DDR<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Die Schrankwand, ohne die ein normales Wohnzimmer als unvollst\u00e4ndig empfunden wurde, ergab sich aus den minimalisierten Grundrissen der Plattenbauwohnungen, die nur eine Wand f\u00fcr Bewahrm\u00f6bel boten, und setzte sich dann als repr\u00e4sentatives M\u00f6belst\u00fcck durch.<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Die Schrankwand wurde so ein Bestandteil des Einrichtungsprogramms f\u00fcr das Wohnzimmer, das sie inzwischen symbolisch f\u00fcr sozialistische Wohnkultur steht. Deshalb will ich auf sie kurz n\u00e4her eingehen. Sie setzte sich etwa seit den Sechzigerjahren durch. Die minimalisierten Grundrisse der neugebauten Plattenwohnungen erlaubten oft nur an einer Wand die Aufstellung von Schr\u00e4nken. Um alle Gegenst\u00e4nde  eines Haushaltes unterbringen zu k\u00f6nnen, mussten die Bewohner der Neubauwohnungen fast zwangsl\u00e4ufig auf die gro\u00dfen Bewahrm\u00f6bel der Schrankw\u00e4nde zur\u00fcckgreifen.Sie sind inzwischen soweit verbreitet, da\u00df sie sich auch in den meisten Wohnzimmer der Reichenbacher Altbauwohnungen fanden. Schrankw\u00e4nden wurde, da sie schwer zu besorgen und sehr teuer waren, besonderer repr\u00e4sentativer Wert zugemessen. In vielen Wohnungen konnte ich beobachten, da\u00df alte Schrankw\u00e4nde auch nicht entsorgt werden, sondern z.B. im Kinderzimmer weiterverwendet wurden. Der Weg der gebrauchten M\u00f6bel war dabei in allen F\u00e4llen vom Wohnzimmer in rangniedrigere R\u00e4ume &#8211; nie in andere Richtung. Auch nach der Wende wurden in fast allen untersuchten Wohnzimmern die Schrankw\u00e4nde im Gegensatz zu den Polsterm\u00f6beln noch beibehalten.<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Schrankw\u00e4nde wurden industriell und in Typenbauweise produziert. Aus Materialknappheit wurde dann auch noch die Anzahl der Typen immer mehr reduziert. Es dominiert eine einheitliche Kastenform, die sich oft nur noch in den Oberfl\u00e4chendekoren unterscheidet. So l\u00e4sst sich der Einheitsstil, den die Reichenbacher Wohnzimmerw\u00e4nde zeigen, erkl\u00e4ren.Insgesamt kam es zu einer Reduzierung der M\u00f6beltypen f\u00fcr Wohnzimmer. Es finden sich etwa keine Vitrinenschr\u00e4nke oder kaum die zeitgleich im Westen so beliebten offenen Regale.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Bezeichnend scheint mir hier eher das Beispiel von Frau M\u00fcller:<\/p>\n<p style=\"text-align: left\"><i>\u201eWir haben ein Wohnzimmer, ein Schlafzimmer, ein Kinderzimmer, &#8230; Das Kinderzimmer haben wir so eingeteilt, dass wir vorne einen Wohnbereich haben &#8230;., hinten eine Art Schlafzimmer, geteilt durch eine Schrankwand. Dann haben wir das Wohnzimmer mit einer Eckgarnitur, wo wir essen und uns aufhalten k\u00f6nnen und mit einer Polstergarnitur [und einer Schrankwand]. Eine ziemlich       kleine K\u00fcche, wo man haupts\u00e4chlich nur kochen kann, aber wo wir auch fr\u00fchst\u00fccken, ein Tisch passt rein. Und ein Schlafzimmer, was eben grad auch so gro\u00df ist, dass ma eine Schrankwand und zwei Betten reinbringt. Das w\u00e4re eigentlich so das Wesentliche.\u201c (13)<\/i><span style=\n        \"display: none\">\/22<\/span><\/p>\n<p class=\"AbsatzohneEinzug\" style=\"text-align: left\">In jedem Raum steht hier eine Schrankwand. Es bestand zwar vermutlich ein gewisser stilistischer Unterschied zwischen den gro\u00dfen Wohnzimmerm\u00f6beln und denen f\u00fcr Schlafr\u00e4ume, aber in der Sprechweise von Frau M\u00fcller ist \u2018die Schrankwand\u2019 der M\u00f6beltypus, der die R\u00e4ume ihrer Wohnung im \u201eWesentlichen\u201c ausmacht.<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Abschlie\u00dfend l\u00e4sst sich sagen, dass die gleichen und \u00e4hnliche Schrankw\u00e4nde, wie sie sich in den Wohnzimmern der Reichenbacher Interviewpartner fanden, zeitgleich auch in westlichen Wohnzimmern standen.<a href=\n        \"file:\/\/\/c:\/Dokumente%20und%20Einstellungen\/Margret\/Desktop\/Jena-Vortrag.htm#_edn1\"\n        id=\"_ednref1\" name=\"_ednref1\" title=\"_ednref1\"><br \/>\n        <!--[if !supportFootnotes]-->[1]<!--[endif]--><\/a> Aber die Reduzierung allein auf die Schrankwand als einzigen M\u00f6beltyp und die Beschr\u00e4nkung auf wenige Ausf\u00fchrungsvarianten erzeugte eine DDR-typische Monokultur der Schrankwand. Nat\u00fcrlich gab es auch DDR-B\u00fcrger, die sich alternativ dazu einrichteten, aber sie blieben gegen\u00fcber der gro\u00dfen Mehrheit Ausnahmeerscheinungen. Der allgemeinen Verbreitung der Schrankwand entspricht auf der Ebene der Werte ihr hoher Rang als dritter unverzichtbarer Kernbestandteil der Wohnzimmereinrichtung neben Couchgarnitur und Fernseher. So gilt \u2018die Schrankwand\u2019 neben \u2018der Platte\u2019 zu Recht als Symbol der Wohnkultur in der DDR.<\/p>\n<div class=\"Section1\" style=\"font-weight: bold\">\n            C Schluss: Alltagskonstruktion in der DDR\n        <\/div>\n<div class=\"Section1\" style=\"font-weight: bold\">\n            <br \/>\n            Der Ort des Alltags?\n        <\/div>\n<p class=\"AbsatzohneEinzug\" style=\"text-align: left\">Mit der Interpretation der R\u00e4ume und vieler kleiner Einzelaspekte, aus denen sich der Alltags\u00adkosmos der Familie Sch\u00e4fer zusammensetzte, sollte gezeigt werden, wie sehr die Lebensum\u00adst\u00e4nde in der DDR, aus der distanzierten Sicht eines Au\u00dfenstehenden gesehen das Wohnen einer Familie pr\u00e4gten. Das Spannungsfeld aus Staat auf der einen Seite und einzelner B\u00fcrger auf der anderen Seite bestimmt das Thema der ganzen Arbeit. Sie beschreibt dinglich-konkrete oder erz\u00e4hlte Alltagskonstruktionen im Bereich des Wohnens unter den Rahmenbedingungen der DDR &#8211; ihres Staates und ihrer Gesellschaft. Immer wieder habe ich die strukturellen Vorgaben des staatlichen und gesellschaftlichen Systems dargestellt.<\/p>\n<p class=\"AbsatzohneEinzug\" style=\"text-align: left\">Nun bleibt noch der \u2018Ort des Alltags\u2019 zusammenfassend zu kl\u00e4ren: Wie sehr waren die einzelnen Menschen in ihrem Wohnalltag von staatlicher \/politischer Seite beeinflusst &#8211; kontrolliert? Oder wirkten umgekehrt die Menschen in ihrem allt\u00e4glichen Verhalten auch auf die staatliche Seite zur\u00fcck? Welchen Stellenwert hatte der Alltag im DDR-Staat und auch die Alltagskonstruktionen der Einzelnen im Gesamtgef\u00fcge der DDR-Gesellschaft? Oder gilt es eher von der Privatheit der Einzelnen aus zu fragen, ob der Alltag im totalit\u00e4ren Staat der DDR gar einen in sich geschlossenen Lebensbereich der privaten Freiheit bildete?         Wie sch\u00e4tzten die Reichenbacher Gespr\u00e4chspartner ihren Wohnalltag selbst ein; welches Lebensgef\u00fchl verbanden sie damit? Diesen Fragen m\u00f6chte ich mich noch einmal vom empirischen Befund her n\u00e4hern, bevor ich die Reichenbacher Ergebnisse in die theoretische Debatte zur DDR-Alltagsforschung einordne.<\/p>\n<h5><a id=\"_Toc49205977\" name=\"_Toc49205977\" title=\n        \"_Toc49205977\"><\/a><a id=\"_Toc48306124\" name=\"_Toc48306124\" title=\n        \"_Toc48306124\"><\/a><a id=\"_Toc47975918\" name=\"_Toc47975918\" title=\n        \"_Toc47975918\"><\/a><a id=\"_Toc47975712\" name=\"_Toc47975712\" title=\n        \"_Toc47975712\"><\/a><a id=\"_Toc3474132\" name=\"_Toc3474132\" title=\n        \"_Toc3474132\"><\/a><a id=\"_Toc505078883\" name=\"_Toc505078883\" title=\n        \"_Toc505078883\"><\/a><a id=\"_Toc505052939\" name=\"_Toc505052939\" title=\n        \"_Toc505052939\"><\/a><a id=\"_Toc504446792\" name=\"_Toc504446792\" title=\n        \"_Toc504446792\"><\/a><a id=\"_Toc504388842\" name=\"_Toc504388842\" title=\n        \"_Toc504388842\"><\/a><\/h5>\n<p><a id=\"_Toc504388842\" name=\"_Toc504388842\"\n        title=\"_Toc504388842\"><\/a><\/p>\n<p class=\"AbsatzohneEinzug\" style=\"text-align: left\"><a id=\n        \"_Toc504388842\" name=\"_Toc504388842\" title=\"_Toc504388842\"><\/a><strong>a) Selbsteinsch\u00e4tzungen zum Alltagsleben in der DDR:&nbsp; die Alltagskonstruktion der \u201ezwei Welten\u201c<\/strong><\/p>\n<p class=\"AbsatzohneEinzug\" style=\"text-align: left\"><a id=\n        \"_Toc504388842\" name=\"_Toc504388842\" title=\n        \"_Toc504388842\"><\/a><br \/>\n        Stellvertretend soll noch einmal das Ehepaar Sch\u00e4fer zu Wort kommen.Ich fragte sie, ebenso wie die anderen Interviewpartner auch, nach Hausbuch,       Abschnittsbevollm\u00e4chtigten und m\u00f6glichen Kontrollen. Als Intellektuelle reflektierten sie daraufhin ihren Alltag im Allgemeinen:<\/p>\n<p><a id=\n        \"_Toc504388842\" name=\"_Toc504388842\" title=\"_Toc504388842\"><\/a><\/p>\n<p>            <a id=\"_Toc504388842\" name=\"_Toc504388842\" title=\n            \"_Toc504388842\"><\/a><\/p>\n<p class=\"ZITATE\"><a id=\"_Toc504388842\" name=\"_Toc504388842\" title=\n            \"_Toc504388842\"><\/a><i>\u201eSie: Einmal ist es [= das Hausbuch] kontrolliert worden in den vielen Jahren, die wir auch in DDR-Zeit hier gelebt haben. Ich wei\u00df das gar nicht mehr, es war sicherlich von der Stadt Mylau. Da haben wir nur eine Auflage gekriegt, dass wir es mal wieder auf Vordermann bringen sollten, weil da noch Leute drinstanden, die schon Jahre verstorben waren. Aber es ist nicht so genau genommen worden, es war nicht wesentlich.&nbsp;&nbsp;&nbsp;<br \/>\nEr: Sie m\u00fcssen da immer zwei Dinge unterscheiden: Die DDR, wie sie sich nach au\u00dfen hin dargestellt hat oder wie es in der Zeitung stand &#8230; und wie sie wirklich war. Das waren zwei verschiedene Welten. Die haben miteinander nicht sehr viel zu tun gehabt.<br \/>\nSie: Da hat ma sich auch nichts draus gemacht, wenn das Hausbuch halt nicht in Ordnung war oder<br \/>\n            so.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<br \/>\nEr: &#8230; Dann gab es Wohnbezirke, da gab es dann auch noch Wohnbezirksvorsitzende, aber das ist alles, was so auf dem Papier war. Na, da ist mal ein Wohnbezirksfest im Jahr gemacht worden. Da gab es mal Bockwurst und Bier und ein        Kinderkarussell.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<br \/>\nSie: Das waren genau solche Feste wie jetzt das Gewerbefest oder, wenn die Feuerwehr irgendwas macht oder so. Und damals gab es eben Wohnbezirksfeste. Und da hat jeder Wohnbezirk in Mylau, ich wei\u00df nicht, waren es zwei oder drei oder vier, mal ein Fest gemacht.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<br \/>\nEr: Zu DDR-Zeiten ist eben sehr viel vorgeschrieben worden, wie alles gemacht werden sollte. Und da man sich dem nicht entziehen konnte, bestimmten Dingen, da hat man die zwar gemacht und hat sie aber auch nicht gemacht. Hat sie halt so, so grade so halt gemacht wie es unbedingt notwendig war oder man hat das gemacht dabei, was man halt selber wollte. Ne, also das ist alles nicht so ernst genommen worden. Es gab nat\u00fcrlich welche, die es ernst genommen haben, die sind halt a weng ausgelacht      worden.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<br \/>\nSie: Des waren aber wenige. &#8230; Und der [Abschnittsbevollm\u00e4chtigte] hat uns gekannt und der hat uns auch mal aufgefordert, wenn der Schnee nicht ger\u00e4umt war vor der Haust\u00fcr. Was heute genauso gemacht wird. Aber &#8211;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<br \/>\nEr: Also das private Leben lief eigentlich unpolitisch ab.\u201c<br \/>\n            (5)<\/i><span style=\"display: none\">\/28-30<\/span><\/p>\n<p><a id=\n            \"_Toc504388842\" name=\"_Toc504388842\" title=\"_Toc504388842\"><\/a><br \/>\n        <a id=\"_Toc504388842\" name=\"_Toc504388842\" title=\n        \"_Toc504388842\"><\/a><\/p>\n<p class=\"AbsatzohneEinzug\" style=\"text-align: left\"><a id=\n        \"_Toc504388842\" name=\"_Toc504388842\" title=\n        \"_Toc504388842\"><\/a>Herr Sch\u00e4fer unterschied hier ganz klar \u201ezwei verschiedene Welten\u201c, die miteinander \u201enicht viel zu tun\u201c hatten. Das sind f\u00fcr ihn die DDR in ihrer Au\u00dfendarstellung und eine Innensicht, \u201ewie sie wirklich war\u201c, -\u2018das wirkliche Leben\u2019, wie er es etwa erlebte. Mit dieser Doppelung widerspricht sich die Kontrolle des SED-Staates und das Gef\u00fchl seiner B\u00fcrger, frei zu sein, nicht mehr: Es gab strenge Vorschriften der Kontrolle bis in die Wohnung der hinein, beispielsweise durch Hausb\u00fccher, sie wurden aber dann doch nur sehr lax gehandhabt oder von den B\u00fcrgern umgangen. Herr Sch\u00e4fer sah auf der einen Seite die \u201eWelt\u201c der vielen Vorschriften und auf der anderen Seite den Eigensinn der B\u00fcrger, dass man \u201egemacht hat, was man halt selber wollte\u201c. Mit zahlreichen Taktiken, von denen er gleich mehrere nennt, wie tun und doch nicht tun, nur das unbedingt Notwendige tun oder den Vorschriften entsprechen, dabei aber eigene Anliegen erf\u00fcllen, sicherten sich die DDR-B\u00fcrger ihren Eigensinn &#8211; ihren pers\u00f6nlichen Freiraum. Der Einfluss des  Abschnittsbevollm\u00e4chtigten endete, wie es die Sch\u00e4fers darstellten, \u201evor der Haust\u00fcre\u201c. So konnte Herr Sch\u00e4fer als abschlie\u00dfende Regelaussage formulieren, dass das \u201eprivate Leben eigentlich unpolitisch\u201c ablief. Das ist auch Ergebnis des geschickten Verhaltens der B\u00fcrger sich zu entziehen, wie er es oben beschrieben hat. Herr Sch\u00e4fer glaubt also den einen Teil seines Lebens in der DDR, die private Welt, als von politischer Einflussnahme frei. In seinem einschr\u00e4nkenden \u201eeigentlich\u201c k\u00f6nnten allerdings die von mir herausgearbeiteten staatlichen Einflussnahmen, die ja nur im Ausnahmefall der Grenzverletzung griffen, enthalten sein.<\/p>\n<p><a id=\n        \"_Toc504388842\" name=\"_Toc504388842\" title=\"_Toc504388842\"><\/a><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><a id=\"_Toc504388842\" name=\"_Toc504388842\" title=\n        \"_Toc504388842\"><\/a>Das Modell der zwei Welten, wie es Herr Sch\u00e4fer hier zur Selbstdeutung des Alltags in der DDR aufstellte, entspricht dem, wie auch die anderen Gespr\u00e4chspartner ihren Alltag darstellten. Sie formulierten kein Bild von zwei Welten, legten aber Wert darauf, dass ihr Privatleben deutlich zu unterscheiden war vom Leben in Betrieb und \u00d6ffentlichkeit; ihr Privatleben sei unpolitisch &#8211; frei &#8211; gewesen. Sie beschrieben auch wiederholt die kommunikative Praxis mit zwei Zungen zu reden, je nachdem in welchem Lebensbereich, man sich bewegte: Im Privaten unterhielt man sich ungezwungen und mit politischen Witzen, im \u00d6ffentlichen dagegen war man vorsichtiger, formulierte genau dem Gegen\u00fcber und Kontext angepasst, benutzte vorgefertigte Sprachformeln, welche die offizielle Erwartungshaltung erf\u00fcllten &#8211; oft ohne eigentlich etwas auszusagen.<\/p>\n<p><a id=\"_Toc504388842\" name=\"_Toc504388842\" title=\n        \"_Toc504388842\"><\/a><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><a id=\"_Toc504388842\" name=\"_Toc504388842\" title=\n        \"_Toc504388842\"><\/a>Abschlie\u00dfend bleibt festzuhalten, dass eine Doppelung ihres Lebens in einen \u00f6ffentlichen und einen privaten Bereich eine Grundlage der Alltagskonstruktion der Gespr\u00e4chspartner darstellte. Diese Trennung bezog sich sowohl auf das konkrete Handeln und Sprechen als auch auf die Selbstinterpretation. Aus der Sicht der Gespr\u00e4chspartner ist das Erz\u00e4hlen von dieser Alltagskonstruktion auch ihre Antwort auf die Frage nach \u2018dem Ort des Alltags\u2019. Welchen Stellenwert solch eine Alltagskonstruktion aber in einer historiographischen Interpretation hat, gilt es nun noch zu kl\u00e4ren.<\/p>\n<p><a id=\"_Toc504388842\" name=\"_Toc504388842\" title=\n        \"_Toc504388842\"><\/a><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><a id=\"_Toc504388842\" name=\"_Toc504388842\" title=\n        \"_Toc504388842\"><\/a><b>b) Historiographischen Interpretation: DDR-Alltag: Leben in der privaten Nische oder in der durchherrschten Gesellschaft?<\/b><\/p>\n<p><a id=\"_Toc504388842\" name=\"_Toc504388842\" title=\n        \"_Toc504388842\"><\/a><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><a id=\"_Toc504388842\" name=\"_Toc504388842\" title=\n        \"_Toc504388842\"><\/a>Befragtman das Interviewmaterial nach dem \u2018Ort des Alltags\u2019 in der DDR, st\u00f6\u00dft man auf das Erz\u00e4hlen von dem, was nun nicht mehr ist: Nach den Erfahrungen der Ver\u00e4nderung charakterisierten die Gespr\u00e4chspartner ihren Alltag in der DDR. Einige seien hier noch einmal zusammengefasst. Sie bedauerten als wichtigste Ver\u00e4nderung in ihrem Alltag den Verlust materieller und sozialer Sicherheit und Geborgenheit, die der DDR-Staat mit dem Recht auf Wohnung und Arbeit gew\u00e4hrt hatte: Statt Wohnungsmangel gibt es nun Wohnungsleerstand in Reichenbach. Der Arbeitskr\u00e4ftemangel zu DDR-Zeiten hat sich umgekehrt in hohe Arbeitslosigkeit. Unruhe ist in die fr\u00fchere sichere Nische der Privatsph\u00e4re des Wohnens getreten. Auch die Geborgenheit der Kontakte wankte vielfach, weil die Freunde ebenfalls verunsichert waren. Die ver\u00e4nderte Arbeitswelt fordert mehr Zeit von den Menschen: Wer    Arbeit hat, braucht daf\u00fcr mehr Energie, wer dagegen keine Arbeit     hat, f\u00fcrchtete oft die Zeit im \u00dcberma\u00df. Auch die neuen Reise- und Konsumm\u00f6glichkeiten fordern ihren zeitlichen Tribut, die privaten Netzwerke mit ihrer \u201eW\u00e4rme\u201c und Unterst\u00fctzung beim Erwerben sind weniger gefragt. Wiederholt gerieten die Kleinfamilien mit der Wende in eine Krise. Gr\u00fcnde daf\u00fcr waren etwa, dass das neue System vielfach die mittleren Generationen, die vom Arbeitsleben des Sozialismus gepr\u00e4gt waren, in die Arbeitslosigkeit entlie\u00df. Besonders hart waren die Frauen betroffen. Vielfach brachen neue (oder alte)     Geschlechterdifferenzen auf. In der DDR war den Gepr\u00e4chspartnern der Wohnalltag eine kleine selbstgestaltete Welt in berechenbarem Rahmen mit Mitgestaltungsm\u00f6glichkeiten im lebensweltlichen Bereich. Gerade in der Nachwendezeit erlebten sich die Gespr\u00e4chspartner h\u00e4ufig dann umso mehr als Spielball der au\u00dferhalb ihrer Mitwirkungsm\u00f6glichkeiten liegenden Ver\u00e4nderungen. Aber sie schilderten auch neue Wahlm\u00f6glichkeiten in Konsum, Hobby und Beruf. Die neue Reisefreiheit er\u00f6ffnete neue Horizonte. &#8211; Insgesamt zeichnete die Mehrheit der Interviewpartner in ihrem Erinnern ein \u00fcberwiegend harmonisierend-ostalgisches Bild ihres Alltagslebens in der DDR. Kritik an Enge und Beschr\u00e4nktheit der Nischenwelt war kein Erz\u00e4hlthema. Doch selbst diese Weichzeichnung der Erinnerung ist bedingt und bezogen auf die Herrschaftspraxis im DDR-Sozialismus.<\/p>\n<p><a id=\"_Toc504388842\" name=\n        \"_Toc504388842\" title=\"_Toc504388842\"><\/a><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><a id=\"_Toc504388842\" name=\"_Toc504388842\" title=\n        \"_Toc504388842\"><\/a>Selbst in ihrer Eigenwahrnehmung charakterisierten die Interviewpartner also den Ort ihres Alltags in vielf\u00e4ltigen Bez\u00fcgen auf das System und seine Herrschaft. Sie bleiben aber weitgehend bei einer harmonisierenden Sicht auf die heile Welt ihrer Nischen. Sie stellen sich im Interview als jemanden dar, der trotz Schwierigkeiten sein Leben gemeistert hat. Erst aus einer wissenschaftlichen Au\u00dfenperspektive wird die dialektische Durchdringung und Bedingtheit von totalit\u00e4ren Strukturen und Alltagskonstruktion in den Nischen deutlich. Besonders eindr\u00fccklich hat darauf der ostdeutsche Historiker Stefan Wolle hingewiesen:<\/p>\n<p><a id=\"_Toc504388842\" name=\"_Toc504388842\" title=\n        \"_Toc504388842\"><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: left\"><a id=\"_Toc504388842\" name=\n        \"_Toc504388842\" title=\"_Toc504388842\"><\/a><i>\u201eEs hat beides gegeben, die biedermeierliche Gartenzwergidylle des DDR-Alltags und das Repressionssystem. Sie haben aber &#8211; auch wenn es vielen so schien oder heute so scheint &#8211; nicht unabh\u00e4ngig nebeneinander existiert. Das eine war die Bedingung des anderen. Zwischen dem saubergeharkten Todesstreifen an der Mauer und den gepflegten Vorg\u00e4rten der Datschenkolonien bestand eine dialektische Einheit der Gegens\u00e4tze.\u201c<br \/>\n        (S.38)<\/i><i><a href=\n        \"file:\/\/\/c:\/Dokumente%20und%20Einstellungen\/Margret\/Desktop\/Jena-Vortrag.htm#_edn2\"\n        id=\"_ednref2\" name=\"_ednref2\" title=\"_ednref2\"><br \/>\n        <!--[if !supportFootnotes]-->[2]<!--[endif]--><\/a><\/i><\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\" style=\"font-weight: bold\">2 Hauptthesen zur Deutung des Alltags im Sozialismus:<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\"><b>1. G\u00fcnter Gaus<\/b>, der langj\u00e4hrige st\u00e4ndige Vertreter der Bundesrepublik Deutschland in Ostberlin pr\u00e4gte den Begriff der <b>\u201eNische\u201c<\/b>:Der Alltag in der DDR sei der Sonderbereich einer \u201eNische\u201c. Dazu z\u00e4hlter in seinem essayistischen Band etwa gel\u00f6stes Zusammensein in Schrebergarten oder im h\u00e4uslichen Bereich mit einer Kultur vieler Witze \u00fcber das politische System.<a href=\n        \"file:\/\/\/c:\/Dokumente%20und%20Einstellungen\/Margret\/Desktop\/Jena-Vortrag.htm#_edn3\"\n        id=\"_ednref3\" name=\"_ednref3\" title=\"_ednref3\"><br \/>\n        <!--[if !supportFootnotes]-->[3]<!--[endif]--><\/a><\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Dahinein passt, da\u00df sich alle Gespr\u00e4chspartner Zuhause im Bereich ihrer Wohnung frei f\u00fchlten und unbefangen staatskritisch \u00e4u\u00dferten. Sie berichteten,sie h\u00e4tten genau unterschieden, was sie im Privatbereich und was im \u00f6ffentlicheren Betrieb \u00fcber den Staat \u00e4u\u00dferten.<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Gaus ist vielfach im Sinne einer<br \/>\n        Doppelkulturtheorie missverstanden worden, da\u00df es zwei voneinander unabh\u00e4ngige Lebensbereich gegeben habe, die private und unpolitische Welt des autonomen Alltags in den Nischen und die politisch von offizieller Seite kontrollierte Welt des \u00f6ffentlichen Bereichs. Dagegen betont Gaus selbst immer wieder, da\u00df er die \u201eNischen im Sozialismus\u201c meine.<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\"><b>2. These von der \u201edurchherrschten Gesellschaft\u201c<a href=\n        \"file:\/\/\/c:\/Dokumente%20und%20Einstellungen\/Margret\/Desktop\/Jena-Vortrag.htm#_edn4\"\n        id=\"_ednref4\" name=\"_ednref4\" title=\"_ednref4\"><br \/>\n        <!--[if !supportFootnotes]-->[4]<!--[endif]--><\/a> von Alf L\u00fcdke<\/b>:Daf\u00fcr sprechen die Fakten, da\u00df die Stasi etwa \u00fcber die Kinder die Eltern ausspionierte. Zugang und Aufstieg in Ausbildung und Beruf kontrollierte. Oder Eheleute einander ausspionierten.<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Dahinein passt, da\u00df alle DDR-B\u00fcrger ein sog. Hausbuch f\u00fchren mussten, wo sie s\u00e4mtliche Besucher eintragen mussten. Auch einige meiner Interviewpartner berichteten, der Gebietspolizist, der sogenannte Abschnittsbevollm\u00e4chtigte, sei zu ihnen in die Wohnung gekommen unter dem jederzeit zur Verf\u00fcgung stehenden Vorwand, das Hausbuch kontrollieren zu m\u00fcssen. Weniger direkt war die Kontrolle, wenn Kinder \u00fcber h\u00e4usliches Geschehen in der Schule ausgefragt wurden, wie mir eine Gespr\u00e4chspartnerin erz\u00e4hlte. Sie durfte unter anderem. aus solchen Gr\u00fcnden kein Abitur machen oder studieren.<\/p>\n<p class=\"AbsatzohneEinzug\" style=\"text-align: left\">Conclusio: So sind meiner Meinung nach die beiden aufgezeigten Thesen kein Widerspruch. Sie argumentieren nur auf unterschiedlichen Ebenen: Der DDR-Alltag ist sowohl ein Sonderbereich einer Nische der Privatheit als auch Teil des Lebens in einer durchherrschten Gesellschaft. Diese Opposition ergibt sich nur aus den unterschiedlichen Betrachtungsweisen. Die Betrachtung struktureller Momente ergibt, dass Herrschaft und Kontrolle des SED-Staates bis in Wohnung, Familie und Ehen reichte und der Alltag erst durch den Bezug auf Herrschaft definiert war. Dem widersprechen aber die Erfahrungen der meisten \u201eDDR-Normalb\u00fcrger\u201c. F\u00fcr sie war ihr Wohnalltag ein Bereich, in dem sie sich relativ frei und selbstbestimmt f\u00fchlten. Aber genau das ist ihre Konstruktionsleistung, die meine Arbeit im dinglich-konkreten, sozialen und gedanklichen Bereich aufzeigt. Damit ist auch die Einleitungsfrage beantwortet: Herrschaft und Eigen-Sinn sind im Wohnalltag durch diese Alltagskonstruktion verkn\u00fcpft. Mit ihr schufen sich die DDR-B\u00fcrger den Rahmen, in dem sich erst ein Alltag leben l\u00e4sst.<\/p>\n<p class=\"MsoPlainText\">Die Alltagskonstruktion der zwei Welten erm\u00f6glichte es sich nach au\u00dfen hin im \u00f6ffentlichen Bereich anzupassen und nach innen hin in den Nischen seinen Eigen-Sinn zu leben. Die Doppelung ging aber noch weiter: In jeder Handlung konnten die DDR-B\u00fcrger die f\u00fcr sie passende Ebene w\u00e4hlen. So war es gleichzeitig m\u00f6glich die geforderte Anpassung zu erbringen und doch seine Eigenst\u00e4ndigkeit zu bewahren. Das erm\u00f6glichte dazuzugeh\u00f6ren zur Gesellschaft und doch kritische Distanz zu bewahren. Mit der Alltagskonstruktion der zwei Welten konnte aber auch das eigene Beteiligtsein am Unrechtssystem abgespalten, Unwahrhaftigkeiten des eigenen Lebens verdr\u00e4ngt werden. Das allzu bequeme Arrangement der zwei Welten konnte auch Kritik und echten Widerstand verhindern.Gleichzeitig blieb diese Art der Identit\u00e4tskonstruktion auch in der Abgrenzung noch an den einen totalit\u00e4ren Staat gebunden. Es war keine offene Identit\u00e4tskonstruktion, wie sie sich in westlichen L\u00e4ndern in zunehmend multikulturellen Gesellschaften seit einigen Jahren verst\u00e4rkt herausbildet, wo eine Person in vielen verschiedenen \u201eWelten\u201cgleichzeitig leben kann. Unter den einschr\u00e4nkenden Bedingungen der Diktatur war die Alltagskonstruktion der zwei Welten f\u00fcr viele der einzig gangbare Weg, einen Rahmen eigener Identit\u00e4tsbildung zu schaffen; so war sie eine kreative Leistung, Sich-Selbst doch als Einheit zu konstruieren. Sie konnte aber auch eine Flucht vor der Wirklichkeit oder eine Pers\u00f6nlichkeitsspaltung<a href=\n        \"file:\/\/\/c:\/Dokumente%20und%20Einstellungen\/Margret\/Desktop\/Jena-Vortrag.htm#_edn5\"\n        id=\"_ednref5\" name=\"_ednref5\" title=\"_ednref5\"><br \/>\n        <!--[if !supportFootnotes]-->[5]<!--[endif]--><\/a> bef\u00f6rdern. So pr\u00e4gte der DDR-Alltag die Menschen bis in die Pers\u00f6nlichkeitsstruktur hinein. Es stellt sich die Frage, was von dieser Doppelung die Menschen beibehalten haben.<\/p>\n<\/p><\/div>\n<div>\n        <!--[if !supportEndnotes]--><\/p>\n<hr>\n<p>        <!--[endif]--><\/p>\n<div>\n<p class=\"MsoEndnoteText\"><a href=\n            \"file:\/\/\/c:\/Dokumente%20und%20Einstellungen\/Margret\/Desktop\/Jena-Vortrag.htm#_ednref1\"\n            id=\"_edn1\" name=\"_edn1\" title=\"_edn1\"><br \/>\n            <!--[if !supportFootnotes]-->[1]<!--[endif]--><\/a>Silbermann<br \/>\n            (1993), S. 60. Auch statistisch ist die Dominanz der<br \/>\n            gro\u00dfen Wandschr\u00e4nke f\u00fcr ostdeutsche Wohnzimmer nachgewiesen: Nur 18% der Westhaushalte nennen f\u00fcr ihr Wohnzimmer einen Einbauschrank, dagegen 58% der Osthaushalte einen Einbauschrank\/Wandschrank, &#8211; hingegen freistehende Schr\u00e4nke in Westhaushalten \u00fcberwogen: 74% versus 39% in Osthaushalten.&nbsp;<\/p>\n<\/p><\/div>\n<div>\n<p class=\"MsoEndnoteText\"><a href=\n            \"file:\/\/\/c:\/Dokumente%20und%20Einstellungen\/Margret\/Desktop\/Jena-Vortrag.htm#_ednref2\"\n            id=\"_edn2\" name=\"_edn2\" title=\"_edn2\"><br \/>\n            <!--[if !supportFootnotes]-->[2]<!--[endif]--><\/a> Wolle, Stefan: Herrschaft und Alltag, 1997, S.           38.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n<\/p><\/div>\n<div>\n<p class=\"MsoEndnoteText\"><a href=\n            \"file:\/\/\/c:\/Dokumente%20und%20Einstellungen\/Margret\/Desktop\/Jena-Vortrag.htm#_ednref3\"\n            id=\"_edn3\" name=\"_edn3\" title=\"_edn3\"><br \/>\n            <!--[if !supportFootnotes]-->[3]<!--[endif]--><\/a> Gaus, G\u00fcnther: Wo Deutschland liegt. Eine Ortsbestimmung. Hamburg 1983.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n<\/p><\/div>\n<div>\n<p class=\"MsoEndnoteText\"><a href=\n            \"file:\/\/\/c:\/Dokumente%20und%20Einstellungen\/Margret\/Desktop\/Jena-Vortrag.htm#_ednref4\"\n            id=\"_edn4\" name=\"_edn4\" title=\"_edn4\"><br \/>\n            <!--[if !supportFootnotes]-->[4]<!--[endif]--><\/a>erstmals L\u00fcdtke, Alf: \u201eHelden der Arbeit\u201c &#8211; M\u00fchen beim Arbeiten. In: Kaelble u. a.(Hrsg.): Sozialgeschichte der DDR, 1994, S. 188. Siehe auch Kocka (1994): Eine durchherrschte Gesellschaft. In: Kaelble u. a.(Hrsg.): Sozialgeschichte der DDR, S. 547 &#8211; 553. Lindenberger (1999): Die Diktatur der Grenzen. Darin Abschnitt: \u201eDurchherrschung\u201c und die \u201eGrenzen der Diktatur\u201c, S. 19 &#8211; 20.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n<\/p><\/div>\n<div>\n<p class=\"MsoEndnoteText\"><a href=\n            \"file:\/\/\/c:\/Dokumente%20und%20Einstellungen\/Margret\/Desktop\/Jena-Vortrag.htm#_ednref5\"\n            id=\"_edn5\" name=\"_edn5\" title=\"_edn5\"><br \/>\n            <!--[if !supportFootnotes]-->[5]<!--[endif]--><\/a> vergleiche kritisch die Arbeiten des ostdeutschen Psychotherapeuten Hans-Joachim Maaz&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n<\/p><\/div>\n<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;\n<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gastvortrag in der Wohn-Vorlesung von Prof. Dr. Christel K\u00f6hle-Hezinger in Jena FSU am 14.07.2005 Dr. Margarete Meggle-Freund: Vorstellung der Dissertation &nbsp; Zwischen Altbau und Platte. Erfahrungsgeschichte(n) vom Wohnen. Alltagskonstruktion in der Sp\u00e4tzeit der DDR am Beispiel der S\u00e4chsischen Kleinstadt Reichenbach im Vogtland &nbsp; A Nach dem Wohnen fragen &#8211; Zug\u00e4nge: westdeutsche Au\u00dfensicht und ostdeutsche Innensicht [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-1497","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/margarete.meggle-freund.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1497","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/margarete.meggle-freund.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/margarete.meggle-freund.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/margarete.meggle-freund.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/margarete.meggle-freund.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1497"}],"version-history":[{"count":30,"href":"https:\/\/margarete.meggle-freund.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1497\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1535,"href":"https:\/\/margarete.meggle-freund.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1497\/revisions\/1535"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/margarete.meggle-freund.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1497"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}