{"id":1438,"date":"2014-01-22T22:58:01","date_gmt":"2014-01-22T22:58:01","guid":{"rendered":"http:\/\/margarete.meggle-freund.de\/?page_id=1438"},"modified":"2014-01-22T23:08:46","modified_gmt":"2014-01-22T23:08:46","slug":"romantische-landschaften-grafiken-von-johann-georg-von-dillis-und-zeitgenossen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/margarete.meggle-freund.de\/?page_id=1438","title":{"rendered":"Romantische Landschaften. Grafiken von Johann Georg von Dillis und Zeitgenossen"},"content":{"rendered":"<p><b>Ausstellung im Neuen Stadtmuseum Landsberg Lech 11.7. \u2013 1.8.2010<\/b><\/p>\n<p><img  class=\"alignleft\" alt=\n\"Johann Georg von Dillis: Ansicht von Wolfsegg, 1788, Bleistift , Feder, Aquarell\"\nclass=\" size-full wp-image-848\" src=\n\"wp-content\/uploads\/2010\/06\/johann_georg_von_dillis_ansicht_von_wolfsegg_kl.jpg\"\ntitle=\n\"Johann Georg von Dillis: Ansicht von Wolfsegg, 1788, Bleistift , Feder, Aquarell\"\nwidth=\"300\"><\/p>\n<p>11.7.2010 Einf\u00fchrung zur Vernissage der Ausstellung<br \/>\nBegleitend zur Romantischen Musiknacht zeigt das Neue Stadtmuseum Landsberg<br \/>\nLech vom 11.7. \u2013 1.8.2010 eine Studioausstellung: \u201eRomantische Landschaften.<br \/>\nGrafiken von Johann Georg von Dillis und Zeitgenossen\u201c. Dillis ist einer der<br \/>\ngro\u00dfen Protagonisten der romantischen Kunst in S\u00fcddeutschland.<\/p>\n<p><b>Romantik in der bildenden Kunst<\/b><br \/>\nIn den Jahrzehnten um und nach 1800 war die&nbsp;<i>Romantik<\/i>&nbsp;in den<br \/>\nL\u00e4ndern n\u00f6rdlich der Alpen, in Deutschland, in Frankreich und in England eine<br \/>\nGegenstr\u00f6mung zur vorangegangenen Epoche der Aufkl\u00e4rung. Die Romantik richtete<br \/>\nsich gegen den Klassizismus mit seiner alleinigen Ausrichtung an der Antike.<br \/>\nDie Romantiker sahen entgegen der alleinigen Verstandesorientierung der<br \/>\nAufkl\u00e4rung mehr in der Empfindsamkeit und Gef\u00fchlsf\u00e4higkeit des Menschen, in<br \/>\nseiner Verwobenheit mit der Natur und dem dort allgegenw\u00e4rtigen G\u00f6ttlichen, den<br \/>\nSchl\u00fcssel zum Verst\u00e4ndnis der ver\u00e4nderten Welt.<\/p>\n<p>Die bildenden K\u00fcnstler der Romantik entdeckten die&nbsp;<i>Landschaft als<br \/>\nMotiv<\/i>&nbsp;neu. Der K\u00fcnstler Phillipp Otto Runge schreibt in einem Brief an<br \/>\nseinen Bruder vom Februar 1802: \u201ees dr\u00e4ngte alles zur Landschaft\u201c und \u201ein<br \/>\ndiesem Fach m\u00fcsse auch ein h\u00f6chster Punkt zu erreichen sein\u201c (zitiert nach<br \/>\nHeilmann, S. 13). Bis dahin war die Landschaftsmalerei ein ganz untergeordnetes<br \/>\nFach. Angesagt waren gro\u00dfe Historiengem\u00e4lde. Romantische Sehns\u00fcchte suchten das<br \/>\nurspr\u00fcngliche und unverf\u00e4lschte Leben in der Natur und im naturnahen<br \/>\nVolksleben.<\/p>\n<p><b>Um 1800 \u2013 eine Zeit politischer und gesellschaftlicher<br \/>\nUmw\u00e4lzungen<\/b><br \/>\nDie Zeit um 1800 war eine Zeit gro\u00dfer politischer und gesellschaftlicher<br \/>\nUmw\u00e4lzungen. Die&nbsp;<i>Aufkl\u00e4rung<\/i>&nbsp;brachte in Bayern eine v\u00f6llige<br \/>\nNeuorganisation des Staates: Aus vielen einzelnen Herrschaftsbereichen wurde<br \/>\nein geschlossener Fl\u00e4chenstaat, zentralistisch von M\u00fcnchen aus regiert. Vor<br \/>\ndieser Staatsbildung des K\u00f6nigreiches Bayern war die Stadt Landsberg am Lech<br \/>\ndem bayerischen Herzog unterstellt und grenzte an das Territorium des Klosters<br \/>\nWessobrunn. Im benachbarten Schwaben bestanden die freien Reichsst\u00e4dte als<br \/>\neigenst\u00e4ndige Herrschaftsbereiche.<\/p>\n<p>1803 s\u00e4kularisierte man die Kl\u00f6ster, die jahrhunderte lang das geistliche<br \/>\nLeben Bayerns gepr\u00e4gt hatten. Der Orden der Jesuiten wurde schon 1773, einige<br \/>\nJahrzehnte fr\u00fcher, aufgel\u00f6st. Von Staats wegen wurden vieler Ausdrucksformen<br \/>\nder Volksfr\u00f6mmigkeit, wie Wallfahrten und Prozessionen verboten. Gleichzeitig<br \/>\nbrachte die beginnende industrielle Revolution mit der Erfindung der Eisenbahn<br \/>\numw\u00e4lzende gesellschaftliche Ver\u00e4nderungen.<\/p>\n<p>Diese Entwicklungen an der Jahrhundertwende f\u00fchrten zu einer geistigen<br \/>\nVerunsicherung. Hier setzt die Romantik als Suche nach neuer Orientierung ein.<br \/>\nEine neue Hinwendung zu&nbsp;<i>Religi\u00f6sem<\/i>war zu beobachten. Innerkirchlich<br \/>\nstand Johann Michael Sailer, der hier in Landsberg bei den Jesuiten sein<br \/>\nNoviziat absolviert hatte, f\u00fcr Erneuerung mit einem direkten spirituellen Bezug<br \/>\ndes Einzelnen auf das Evangelium. Bei Johann Michael Sailer, der eine Professur<br \/>\nin Ingolstadt innehatte, studierte Kronprinz Ludwig, der sp\u00e4tere K\u00f6nig Ludwig<br \/>\nI. von Bayern. Im Umfeld Ludwig I. bewegten sich viele der in unserer<br \/>\nAusstellung gezeigten K\u00fcnstler. Johann Georg von Dillis war der pers\u00f6nliche<br \/>\nKunstberater des kunstbegeisterten K\u00f6nigs, Begleiter auf Reisen und<br \/>\nGaleriedirektor. K\u00f6nig Ludwig I. f\u00f6rderte die Neugr\u00fcndung von Kl\u00f6stern. Er<br \/>\ngestattete zwar nicht die R\u00fcckkehr des Jesuitenordens nach Landsberg, aber es<br \/>\nsiedelte sich in Landsberg der Ordnen der Malteser mit der Aufgabe der<br \/>\nKrankenpflege an.<\/p>\n<p>Empfindsamkeit wurde in der Romantik nicht nur in der Religion, sondern auch<br \/>\nin der&nbsp;<i>Natur<\/i>&nbsp;gesucht. Selbst in der kleinen Stadt Landsberg<br \/>\nwurde Natur ein Thema. Wie in der Landeshauptstadt M\u00fcnchen gr\u00fcndete man einen<br \/>\nEnglischen Garten mit naturnaher Gartengestaltung. Graf Rumford, dem M\u00fcnchen<br \/>\nseinen Englischen Garten verdankt, regte Johann Georg von Dillis schon 1786 zum<br \/>\nStudium der Natur \u201ein die interessantesten Gegenden baierischen Gebirges\u201c an.<br \/>\nSo zeichnete Dillis 1790 er ein sehr expressives Blatt mit einem Blick auf den<br \/>\nPilsen- und Ammersee, (das sich leider nicht im Besitz des Landsberger Museums<br \/>\nbefindet).<\/p>\n<p>In S\u00fcddeutschland gingen die katholisch orientierten K\u00fcnstler einen eigenen<br \/>\nWeg. Sie wollten an den christlichen Mythos ankn\u00fcpfen und ihn f\u00fcr ihre<br \/>\nGegenwart erneuern. Sie bildeten die Gruppe der so<br \/>\ngenannten&nbsp;<i>Nazarener<\/i>. Ihr Ideal war die Reinheit von Leben und<br \/>\nKunst. Das sahen sie vor allem bei Raffael, Perugino, D\u00fcrer u.a. altdeutschen<br \/>\nMalern verwirklicht. Viele \u00fcbersiedelten nach Rom. Nach Raffaels Vorbild trugen<br \/>\nsie lange Haare und einen altdeutschen Rock. Wegen ihrer christus\u00e4hnlichen<br \/>\nlangen Haare nannten die R\u00f6mer sp\u00f6ttisch die Nazarener. Zu diesen K\u00fcnstlern der<br \/>\n\u201eDeutschr\u00f6mer\u201c pflegte K\u00f6nig Ludwig I. enge Kontakte. Auf seinen Besuchen in<br \/>\nRom wurde der K\u00f6nig von Johann Georg von Dillis begleitet. Von Dillis zeigt<br \/>\nunsere Ausstellung einundzwanzig Arbeiten. Aus dem Umkreis der Deutschr\u00f6mer<br \/>\nsind zudem noch Werke von Friedrich Selath\u00e9, Heinrich B\u00fcrkel oder Carl Rottmann<br \/>\nin der Ausstellung vertreten.<\/p>\n<p><img img class=\"alignleft\" alt=\" Heinrich B\u00fcrkel: Am Brunnen, Bleistift, Gouache\" class=\n\" size-full wp-image-850\"  src=\n\"wp-content\/uploads\/2009\/06\/buerkel_heinrich_am_brunnen.jpg\" title=\n\" Heinrich B\u00fcrkel: Am Brunnen, Bleistift, Gouache\" width=\"300\"><\/p>\n<p><b>Johann Georg von Dillis (1759-1841)<\/b><br \/>\nJohann Georg von Dillis war einer der bedeutendste Zeichner des 19.<br \/>\nJahrhunderts. Er wurde 1759 in der N\u00e4he von Haag im l\u00e4ndlichen Oberbayern<br \/>\ngeboren. Als Sohn eines kinderreichen Revierf\u00f6rsters stammte er aus einfachen<br \/>\nVerh\u00e4ltnissen. Schon fr\u00fch wurde der bayerische Kurf\u00fcrst auf den Knaben<br \/>\naufmerksam und f\u00f6rderte dessen Ausbildung. Dillis absolvierte nach einem<br \/>\nTheologiestudium eine Ausbildung an der Zeichenakademie. Dann verdiente er<br \/>\nseinen Lebensunterhalt als Zeichenlehrer in M\u00fcnchner Adelsfamilien. Es folgen<br \/>\nReisen in die Schweiz, \u00d6sterreich, Italien und Frankreich. 1790 wurde er zum<br \/>\nInspektor der kurf\u00fcrstlichen Gem\u00e4ldegalerie ernannt. 1805-06 folgte ein<br \/>\nl\u00e4ngerer Aufenthalt in Italien und auf der R\u00fcckreise mit Kronprinz Ludwig eine<br \/>\nWeiterreise nach S\u00fcdfrankreich. 1808-14 war Dillis Professor f\u00fcr<br \/>\nLandschaftsmalerei an der M\u00fcnchner Akademie. 1822 wurde er Direktor der<br \/>\nZentralgem\u00e4ldegalerie, dem Vorl\u00e4ufer der heutigen Bayerischen<br \/>\nStaatsgem\u00e4ldesammlungen. 1834-35 unternahm er die H\u00e4ngung der Alten Pinakothek,<br \/>\ndie 1836 er\u00f6ffnet wurde. Im Jahr 1841 starb Dillis in M\u00fcnchen, der bis zuletzt<br \/>\naktiv war, im Alter von 81 Jahren \u201ean Entkr\u00e4ftung\u201c, wie es in den<br \/>\nzeitgen\u00f6ssischen Quellen hei\u00dft.<\/p>\n<p>Das&nbsp;<i>k\u00fcnstlerische Werk von Dillis<\/i>&nbsp;ist neben seinen<br \/>\namtlichen T\u00e4tigkeiten \u00fcberwiegend frei und unabh\u00e4ngig von Auftr\u00e4gen, Sammlern<br \/>\nund dem Kunstmarkt entstanden. Es sind gro\u00dfenteils private Studien, die vor<br \/>\nallem auf den zahlreichen Reisen nach Italien oder auf Wanderungen durch das<br \/>\nbayerische Alpenvorland entstanden sind. Die Bilder zeigen Landschaften und<br \/>\nPortr\u00e4ts oder einfacher Menschen im Alltag. Den gr\u00f6\u00dften Umfang aber haben in<br \/>\nseinem Werk rasch vor dem Motiv ausgef\u00fchrte Skizzen, in denen er die zarten<br \/>\nFarbstimmungen und das sich \u00e4ndernde Licht in der Natur festzuhalten versucht.<br \/>\nDillis geh\u00f6rt damit zu den Wegbereitern der realistischen Landschaftsmalerei in<br \/>\nDeutschland.<\/p>\n<p><img img class=\"alignleft\" alt=\n\"Johann Georg von Dillis:&quot;Lanschaft bei Dietramszell 1807&quot;, Kreide, Aquarell wei\u00df geh\u00f6ht auf grau-braunem Papier\"\nclass=\" size-full wp-image-851\"  src=\n\"wp-content\/uploads\/2009\/06\/dillis_dietramszell.jpg\" title=\n\"Johann Georg von Dillis:&quot;Lanschaft bei Dietramszell 1807&quot;, Kreide, Aquarell wei\u00df geh\u00f6ht auf grau-braunem Papier\"\nwidth=\"300\"><\/p>\n<p>Vor allem als&nbsp;<i>Landschaftsmaler<\/i>&nbsp;wurde Dillis von seinen<br \/>\nZeitgenossen wahrgenommen. Als Johann Wolfgang von Goethe \u00fcber Joseph Stieler<br \/>\n1828 einige Landschaften von Dillis zugeschickt erhielt, schrieb er an den<br \/>\n\u00dcbersender:&nbsp;<i>\u201eHerrn Inspector Dillis bitte f\u00fcr die mittgetheilten<br \/>\nRadierungen verpflichtet zu danken. Gerade solche kaum bedeutend scheinende<br \/>\nGegenst\u00e4nde, gl\u00fccklich aufgefasst und mit Geschmack wiedergegeben, setzten mich<br \/>\nin die angenehmste Empfindung; man gelangt zum Mitgef\u00fchl, wie der K\u00fcnstler,<br \/>\nindem er sich mit dergleichen besch\u00e4ftigte, einer w\u00fcnschenswerten Gem\u00fcthsruhe<br \/>\ngenossen und solche der Landschaft, dem Himmel, der Erde, B\u00e4umen und<br \/>\nBaulichkeiten, nicht weniger dem Wasser mittzutheilen gewu\u00dft habe. Vielleicht<br \/>\n\u00fcberliefert ein Poet nicht so unmittelbar seine inneren Zust\u00e4nde als der Maler,<br \/>\nder, ohne im mindesten daran zu denken, uns zu seinen Gesellen macht und die<br \/>\nWelt durch seine Augen und seinen Sinn anzusehen<br \/>\nn\u00f6thigt.\u201c<\/i>&nbsp;(Tageb\u00fccher, Bd. 11, S. 299, zitiert nach Hardtwig, S. 60)<br \/>\nDillis selbst schrieb in sein Skizzenbuch als er viel mit Graf Rumford und<br \/>\nenglischen Touristen zu tun hatte:&nbsp;<i>\u201eNature ist but a name vor an<br \/>\neffect, whose cause ist God.\u201c<\/i>&nbsp;Der Begriff Natur bezeichnet nur den<br \/>\noptischen Eindruck, der in Gott seine Begr\u00fcndung hat.<\/p>\n<p><img img class=\"alignleft\" alt=\n\"Johann Georg von Dillis:&quot;Ebersberg den 30. May 1835 im Dorfe gen Osten, Bleistift Aquarell\"\nclass=\" size-full wp-image-852\" src=\n\"wp-content\/uploads\/2009\/06\/dillis_ebersberg.jpg\" title=\n\"Johann Georg von Dillis:&quot;Ebersberg den 30. May 1835 im Dorfe gen Osten, Bleistift Aquarell\"\nwidth=\"300\"><\/p>\n<p>Seine&nbsp;<i>Motive<\/i>&nbsp;fand Dillis auf seinen ausgedehnten Reisen.<br \/>\nS\u00fcdliche Sehnsuchtslandschaften oder auf dem Weg dorthin Ansichten des<br \/>\nAlpen\u00fcbergangs von ihm und Zeitgenossen finden sich in der Ausstellung. Dillis<br \/>\nzeichnet sich besonders aus durch seine Zeichnungen der Umgebung. Er war oft in<br \/>\nder nahen Umgebung M\u00fcnchens unterwegs. Von Amts wegen war er als<br \/>\nGalleriedirektor meist in der Stadt festgehalten und vermisste dort die<br \/>\nunmittelbare Begegnung mit der Natur. Dies kompensierte er mit h\u00e4ufigen<br \/>\nSpazierg\u00e4ngen oder Jagdausfl\u00fcgen. Im ausgestellten Bestand etwa gibt es gleich<br \/>\nzwei Ansichten von Schloss Harlaching bei M\u00fcnchen, ein Bauernhof im<br \/>\nVoralpenland oder eine Landschaft bei Dietramszell.<\/p>\n<p><img img class=\"alignleft\" alt=\n\" Johann Georg von Dillis: Ansicht von Schloss Harlaching, braune Feder, Aquarell\"\nclass=\" size-full wp-image-853\"  src=\n\"wp-content\/uploads\/2009\/06\/repro-000559-2dillis_harlaching_kl.jpg\" title=\n\" Johann Georg von Dillis: Ansicht von Schloss Harlaching, braune Feder, Aquarell\"\nwidth=\"300\"><\/p>\n<p>In der Ausstellung finden sich&nbsp;<i>Landschaften in verschiedenen<br \/>\nTechniken<\/i>: einige fertig ausgef\u00fchrte Aquarelle, die anschlie\u00dfend mit der<br \/>\nFeder \u00fcbergangen sind, wie z.B. die fr\u00fche Ansicht von Wolfsegg (siehe ganz<br \/>\noben), die sehr detailgenau ausgearbeitet ist. Die Mehrheit der ausgestellten<br \/>\nBl\u00e4tter aber sind eher locker bis skizzenhaft gezeichnet. Im Blatt<br \/>\n\u201eRinderherdenabtrieb Kichhofb\u00fcchel\u201c wird diese Kunst der Abstraktion in der<br \/>\nAndeutung der Skizze besonders deutlich. Mit ungeheurer Sicherheit der<br \/>\nPerspektive und Anatomie sind die K\u00fche gezeichnet. Einzeln betrachtet k\u00f6nnten<br \/>\ndie K\u00fche auch von Franz Marc sein, derart modern erscheinen sie.<\/p>\n<p><img class=\"alignleft\" alt=\"Johann Georg von Dillis: Bachlauf, braune Feder\" class=\n\" size-full wp-image-854\"  src=\n\"wp-content\/uploads\/2009\/06\/dillis_bachlauf.jpg\" title=\n\"Johann Georg von Dillis: Bachlauf, braune Feder\" width=\"300\"><\/p>\n<p>Charakteristisch f\u00fcr Dillis sind die locker in Astgruppen komponierten B\u00e4ume<br \/>\nBei der Betrachtung der Bl\u00e4tter habe ich mich daran erinnert, dass meine alte<br \/>\nZeichenlehrerin Philomena Koch erz\u00e4hlte, sie habe von Dillis gelernt nicht die<br \/>\nBl\u00e4tter zu z\u00e4hlen. Die origin\u00e4re Landschaftszeichnugen von Dillis sind auch<br \/>\nals&nbsp;<i>\u201eBaumlandschaften\u201c<\/i>&nbsp;definiert worden. Die B\u00e4ume erscheinen<br \/>\nindividualisiert. Sch\u00f6n ist dies auch in der \u00d6lskizze an der Stirnwand zu<br \/>\nsehen.<\/p>\n<p><img class=\"alignleft\" alt=\"Anonym: Tanzpaar, Aquarell, Ende 18. Jhr\" class=\n\" size-full wp-image-855\" src=\n\"wp-content\/uploads\/2009\/06\/repro-000069-2tanzpaarkl.jpg\" title=\n\"Anonym: Tanzpaar, Aquarell, Ende 18. Jhr\" width=\"300\"><\/p>\n<p>Dillis zeichnet&nbsp;<i>einfache Menschen<\/i>. Er sieht sie sich von der<br \/>\nN\u00e4he an. Sie sind nicht mehr nur Staffagefiguren auf Veduten oder im<br \/>\nLandschaftsvordergrund. Dillis sieht sie sich real an \u2013 keine tanzenden Sch\u00e4fer<br \/>\nzu Hirtenmusik als fest definierte Genregruppen wie noch das reizende Aquarell<br \/>\naus dem 18. Jhr in der Ausstellung. Nein, Dillis zeichnet reale Bauern aus<br \/>\nunbeeindruckter Menschenbeobachtung. Hier Auff\u00e4llig oft auch von hinten. Er ist<br \/>\nromantisches Kind seiner Zeit mit einem neuen Interesse am urspr\u00fcnglichen<br \/>\nVolksleben.<\/p>\n<p><img img class=\"alignleft\" alt=\n\"Johann Georg von Dillis: Rastende Bauern auf dem Campo in Rom, Bleistift, Aquarell\"\nclass=\" size-full wp-image-856\"  src=\n\"wp-content\/uploads\/2009\/06\/dillis_bauern_rastende_bauern_auf_dem_campo_in_rom.jpg\"\ntitle=\n\"Johann Georg von Dillis: Rastende Bauern auf dem Campo in Rom, Bleistift, Aquarell\"\nwidth=\"300\"><\/p>\n<p><b>Dillis Zeichenkunst im 19. Jahrhundert<\/b><br \/>\nBesonders interessant, finde ich, sind in der ausgestellten Sammlung die auf<br \/>\nden ersten Blick unscheinbar wirkenden Zeichnungen, die nicht perfekt<br \/>\nausgef\u00fchrt und farbig durchgestaltet sind. Im Skizzenhaften k\u00f6nnen wir den<br \/>\nEntstehungsprozess von Kunst mitverfolgen. Im Werk von Johann Georg von Dillis<br \/>\nfinden sich Zeichnungen und&nbsp;<i>Skizzenb\u00fccher<\/i>&nbsp;in gro\u00dfer Zahl. Dem<br \/>\nvielbesch\u00e4ftigten Galeriedirektor blieb oft nicht die Zeit seine Werke<br \/>\nauszuf\u00fchren, aber er skizziert viel auf seinen Reisen.<\/p>\n<p>Die Zeichnung als eine sehr private Form war nicht dazu bestimmt, der<br \/>\nKunst\u00f6ffentlichkeit vorgestellt zu werden. Hier zeigt sich ein intimerer Blick<br \/>\ndes K\u00fcnstlers. Dillis hat in seinen Zeichnungen in erster Linie Studienmaterial<br \/>\ngesehen. 200 Jahre lang blieben diese Zeichnungen der \u00d6ffentlichkeit verborgen.<br \/>\nMit diesen Zeichnungen \u00fcbte er seine technischen F\u00e4higkeiten und vergewisserte<br \/>\nsich eines Formenschatzes alter Kunst.<\/p>\n<p><img img class=\"alignleft\" alt=\n\" Johann Georg von Dillis: Landschaft, \u00d6lskizze, Foto: Stephanie Irlen, Neues Stadtmuseum\"\nclass=\" size-full wp-image-857\" src=\n\"wp-content\/uploads\/2009\/06\/dillis_oelskizze_landschaft_foto_stephanie_irlen_neues_stadtmuseum_kl.jpg\"\ntitle=\n\" Johann Georg von Dillis: Landschaft, \u00d6lskizze, Foto: Stephanie Irlen, Neues Stadtmuseum\"\nwidth=\"300\"><\/p>\n<p>Das 19. Jahrhundert trennte streng zwischen der privaten \u00d6lsstudie und den<br \/>\nf\u00fcr den Markt gedachten Gem\u00e4lden. Diesen Konventionen seiner Zeit war Dillis<br \/>\nverpflichtet. Gleichzeitig aber war er ungeheuer modern in seinem Werk, das er<br \/>\n\u2013 wirtschaftlich abgesichert als Beamter \u2013 weitgehend f\u00fcr sich privat schuf und<br \/>\ndabei die Fl\u00fcchtigkeit des Augenblicks festhielt und den wechselnden<br \/>\nKonstellationen von Licht und Farbe in der Natur nachging. Mit seinen \u00d6lskizzen<br \/>\nnahm er die sp\u00e4tere Freilichtmalerei, etwa der Schule von Barbizon, vorweg und<br \/>\nwar damit f\u00fcr seine Zeit sehr modern.<\/p>\n<p>Dr. Margarete Meggle-Freund<\/p>\n<p><b>verwendete Literatur<\/b><\/p>\n<ul>\n<li class=\"level1\">\n<div class=\"li\">\n            Galerie Billesberger: Deutsche Zeichnungen 18. und 19. Jahrhundert.<br \/>\n            M\u00fcnchen 1999.\n        <\/div>\n<\/li>\n<li class=\"level1\">\n<div class=\"li\">\n            Hardtwig, Barbara: Johann Georg von Dillis (1559-1841)- Die Kunst<br \/>\n            des Privaten. Zeichnungen aus dem nachlass des Historischen Vereins<br \/>\n            von Oberbayern.\n        <\/div>\n<\/li>\n<li class=\"level1\">\n<div class=\"li\">\n            Hedinger, Barbra; Richter-Musso, In\u00e9s und Westheider, Ortrud:<br \/>\n            Wolkenbilder. Die Entdeckung des Himmels. (Katalog zur Ausstellung<br \/>\n            im Bucerius Kunst Forum Hamburg u.a.) M\u00fcnchen 2004.\n        <\/div>\n<\/li>\n<li class=\"level1\">\n<div class=\"li\">\n            Heilmann, Christoph (Hrsg.): .Deutsche Romantiker. Bildthemen der<br \/>\n            Zeit von 1800-1850. (Katalog zu einer Ausstellung in der Kunsthalle<br \/>\n            der Hypo-Kulturstiftung). M\u00fcnchen 1985. M\u00fcnchen 2004.\n        <\/div>\n<\/li>\n<li class=\"level1\">\n<div class=\"li\">\n            Scheffler, Gisela: Deutsche K\u00fcnstler um Ludwig I. in Rom. (Katalog<br \/>\n            zur Ausstellung der Staatlichen graphischen Sammlung M\u00fcnchen in der<br \/>\n            Neuen Pinakothek). M\u00fcnchen 1981.\n        <\/div>\n<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ausstellung im Neuen Stadtmuseum Landsberg Lech 11.7. \u2013 1.8.2010 11.7.2010 Einf\u00fchrung zur Vernissage der Ausstellung Begleitend zur Romantischen Musiknacht zeigt das Neue Stadtmuseum Landsberg Lech vom 11.7. \u2013 1.8.2010 eine Studioausstellung: \u201eRomantische Landschaften. Grafiken von Johann Georg von Dillis und Zeitgenossen\u201c. Dillis ist einer der gro\u00dfen Protagonisten der romantischen Kunst in S\u00fcddeutschland. 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