Gesammelte Gegenwart- Eine virtuelle Ausstellung

Die Dinge be-schreiben. Texte in Ausstellungen







Rand (1985): ¬ĄBenutze einen Angelhaken- schreibe in aktiver, lebendiger, direkter Sprache, dann >>hol den Leser ein<<.¬ď

(Alle Ausf√ľhrungen sind nicht so zu verstehen, dass eine jede in einem Text umgesetzt oder beachtet werden muss. Das Formale ist in jedem Fall zu ber√ľcksichtigen, aber z.B. Stil, Typographie und Schriftsatz k√∂nnen und sollen individuell auf das Objekt und die Ausstellungsthematik abgestimmt werden.)

1. Von der Stoffsammlung zum verständlichen Text...

1.1 Zuerst: Einige Fragestellungen...

¬∑ An welchem Platz im Gedankengef√ľge der Ausstellung wird der Text eingeordnet?

· Wen soll der Text erreichen? (Allgemeinheit, spezielle Zielgruppe)

· Welcher Stil, welche Sprache soll gewählt werden?

· Welche Inhalte sind in diesem Text wesentlich?

· Wo kann man auf Text verzichten?

· Welche Vorbildung und ausgeprägte Wissensstrukturen kann man erwarten?

· Sollen Symbole, Zeichen, Farbe eine inhaltliche Gliederung verdeutlichen?

· Welche Typographie, welcher Schriftsatz entspricht am besten den Inhalten?

1.2 Dann beachte: Welche formalen Aspekte gelten f√ľr die Einzeltexte?

¬∑ Textl√§nge: durchschnittlich 20 Zeilen, auf keinen Fall mehr als 30! (Minda Borun: 14 bis 21 Zeilen √° 10 Worte werden durchschnittlich von Ausstellungsbesuchern gelesen, dagegen fordert George Weiner nur 75 Worte f√ľr einen √úberblickstext.)

· Zeilenlänge: höchstens 65 Anschläge pro Zeile, Leerräume zählen mit (50-60 Buchstaben sind optimal lesbar).

¬∑ Sinneinheit: pro Zeile eine Sinnheit ist √ľbersichtlich.

¬∑ Abs√§tze und Zwischen√ľberschriften untergliedern und lockern den Text zus√§tzlich auf.

· Nur Großbuchstaben wirken monoton.

· Der Text kann eingeteilt werden in Überschrift, Vorspann und Fließtext.

1.3 Ber√ľcksichtige auch die Erwartungen an den Text:

· Besucher:

- Antworten auf die Fragen: worum geht es, was kann man machen?

- Der Text soll am Thema bleiben.

- Ein Rahmen f√ľr Gespr√§che und Diskussionen soll geschaffen werden.

- Wesentliches soll auch f√ľr Schnell- und Segmentleser erfassbar sein.

· TextschreiberInnen:

- Der Text soll Schl√ľssel zum Verst√§ndnis der einzelnen Exponate sein.

- Der Text soll Zusammenhänge hervorheben.

- Er soll einen Hinweis auf den roten Faden der gesamten Ausstellung geben.

- Er soll zum (weiteren) Nachdenken anregen, Anleitungen und eventuell Anstöße zum Umdenken geben.

1.4 Nicht zu vergessen: die Verständlichkeitskonzepte...

Die 4 wichtigsten Säulen nach Langer:

· Sprachliche Einfachheit (einfache Sätze mit kurzen Satzteilen, aber nicht nur Hauptsätze; konkrete Beispiele anstelle von Abstraktionen; geläufige Worte; aktive Verben und starke Verben; wenige Nominalisierungen).

¬∑ Gliederung und Ordnung (folgerichtige, √ľbersichtliche, klare Gedankenf√ľhrung; Beschr√§nkung auf das Wesentliche, einfache Informationen stehen meist vor Schwierigeren; Abs√§tze mit 4-7 Zeilen gliedern den Text; eine Abstufung der Schriftgr√∂√üen spiegelt die Stufen in der Informationsdichte im Verlauf des Textes wieder; ein Zeilenfall erleichtert das Lesen und gibt die Gliederung der S√§tze nach Bedeutungseinheiten wieder).

¬∑ K√ľrze und Pr√§gnanz (keine Wiederholungen und F√ľllw√∂rter, keine Klangwiederholungen, konkrete und bildhafte Worte, kurze Worte sind vorzuziehen, vermeiden von Tautologien und keine Zerlegung von Hauptw√∂rtern).

· Zusätzliche Stimulanz (z.B. Farbe; Zeichen; ansprechender Ton; direktes Ansprechen des Lesers, aber keine geschlossenen Fragen oder autoritären Aufforderungen...).

1.5 Was ist bei den √úberschriften zu bedenken?

· Die Überschrift enthält die zentrale Aussage des Textes und sollte diese nicht verfälschen.

· Sie sollte leicht erfassbar, klar und unmißverständlich sein.

· Sie sollte einen Lese-Anreiz oder einen Ansporn zum Weiterlesen darstellen.

· Ein Schlagzeilencharakter wie in der Boulevardpresse ist möglich, aber nicht erstrebenswert.

· Ereignisse und Meinungen sollten nicht vorweg genommen werden.

¬∑ Zu vermeiden sind √ľberlange Worte, exotische Namen in H√§ufung, historisch ¬Ąbesetzte¬ď Worte, modisches Weglassen von Deklinationen, Telegrammstil, Wortspiele und Metaphern, sofern davon ausgegangen werden kann, dass sie von der Vielzahl der Ausstellungsbesucher nicht verstanden oder fehl interpretiert werden k√∂nnten.

2. Arten von Texten in Ausstellungen

2.1 Abteilungstexte (Was erwartet den Besucher in der Abteilung?)

¬∑ Sie f√ľhren zum Thema hin.

¬∑ Sie sollten an allgmein bekannte Vorstellungen/Vorurteile ankn√ľpfen und aktuelle Fragen aufgreifen.

· Sie geben einen knappen Einblick in das betreffende Fachgebiet oder Thema.

· Sie bieten organisatorische Hinweise an und helfen bei der Orientierung im Raum.

2.2 Bereichstexte

¬∑ Sie erl√§utern, welche √ľbergeordneten Inhalte den Ausstellungsabschnitt charakterisieren.

· Sie erklären, warum man gerade DIE Inhalte ausgewählt hat.

· Sie stellen historische, wirtschaftliche, soziale und ökologische Zusammenhänge her.

2.3 Gruppentexte (Rahmen, in den man Detailinformationen einordnen kann)

· Sie benennen mit ihrem Titel die Gruppe.

· Sie geben an, welche Inhalte dargestellt sind.

· Sie bieten eine Erklärung, welche Zusammenhänge zwischen den zu einer Gruppe zusammengefassten Objekten bestehen.

· Auch sie stellen historische, wirtschaftliche, soziale und ökologische Zusammenhänge her.

2.4 Objekttexte (zu Original-Exponaten)

· Der Titel benennt den Objektnamen, Hersteller, Herstellungsort und Herstellungsjahr.

¬∑ Der Kurztext kann auf Neues und √úberraschendes hinweisen, an Alltagserfahrungen und bekannte Ph√§nomene ankn√ľpfen, den Blick auf das Exponat in Bezug auf das Austellungsthema/Thema der Gruppe √∂ffnen oder Fragen an vordergr√ľndig Wahrnehmbares stellen.

· Der Langtext kann unterschiedliche Fragen beantworten:

- Aus welchem Anlass entstand das Objekt?

- Wo und wozu wird/wurde es eingesetzt?

- Welche Besonderheiten der Herstellung sind erwähnenswert?

- Wer (Erfinder, K√ľnstler...) hat es gemacht?

- Welche Bedeutung kommt dem Objekt zu? (Arbeitswelt, Umwelt, soziale Strukturen, Kunstrichtung...)

- Wie funktioniert das Gerät im Einzelnen, welche Grundprinzipien stecken dahinter?

- Welche technischen Daten sind f√ľr den Spezialisten oder den besonders interessierten Laien von Interesse?

· Technische Daten sollten soweit wie möglich standadisiert werden.

· Inventarnummer/Stifter/Leihgeber können auch genannt werden.

(Kristina Schierbaum)

Literatur:

Texte in Ausstellungen. In: Schriften des Rheinischen Museumsamtes Nr. 60, Biermann, Alfons W. und das Deutsche Museum (Hg.). M√ľnchen, 1995. S. 1-145.


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