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Pilgerherbergen
und Pilgerrituale
Zahlreiche Wegmarkierungen und ausführliche Wanderführer
machen den Camino zu einem gut ausgebauten und von der sportlichen und
logistischen Herausforderung nicht allzu schwer zu bewältigenden Fernwanderweg.
Ein dichtes Netz von Pilgerherbergen strukturiert den spanischen Camino. Die
Refugios sind meist einfache Massenquartiere mit Versorgungs- und
Waschmöglichkeit. Ausgewiesene Pilger können hier gegen ein geringes Entgelt
übernachten, weil sich vielfach Ehrenamtliche um die Betreuung kümmern. Hier
können sich die Pilger auch ihren Pilgerpass abstempeln lassen, um dann in
Santiago ihre Pilgerurkunde zu bekommen. Die Pilgerherbergen sind auch wichtige
Treffpunkte für die Wallfahrer: In der Regel geht jeder Pilger unter Tags in
seinem Rhythmus, um die Anforderungen seiner Etappe bewältigen zu können. So
ergeben sich nur immer wieder wechselnde kleine Grüppchen, aber abends in den
Herbergen trifft man sich oft wieder. Viele kochen und essen zusammen, tauschen
sich aus über die Mühen und Freuden des Weges, sei es die beste Behandlung der
Blasen an den Füßen oder die Empfehlung für eine „bar“ am Wege. Vieles verbindet die Jakobswanderer: nicht nur der gleiche
Tagesablauf mit frühem Aufstehen, täglichem Weiterziehen und Wandern bis zur
abendlichen Etappenstation, sondern die meisten der Jakobspilger berichten
auch, wie die Auseinandersetzung mit sich selbst, die sich fast automatisch im
langen Gehen einstellt, zu intensiven Gesprächen mit den Mitwallfahrern führt.
Der Jakobsweg wird auch immer wieder als großer Heiratsmarkt bezeichnet.
Verbindend sind auch die verschiedenen Pilgerrituale, der Gruß „Ultreia! –
Weiter so!“, der Besuch von Pilgermessen in den Wallfahrtskirchen, die
Eintragung in Pilgerbücher in den Herbergen und das eine große Ziel Santiago.
So schildern viele ihre Jakobswallfahrt nicht nur als individuellen Weg der
Selbsterfahrung, sondern auch als Gemeinschaftserlebnis.
→ Der Jakobsweg als Medienthema der Gegenwart
© Dr. Margarete Meggle-Freund
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