Jakobsweg, Santiago de Compostela
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Wiederbelebung der internationalen Santiagofahrt

Einer internationalen Öffentlichkeit wurde das Phänomen der Jakobswallfahrt erst wieder bekannt, als sich seit den 1940er Jahren die internationale Geschichtswissenschaft damit beschäftigte. Zahlreiche Kongresse und Ausstellungen thematisierten die Jakobswallfahrt. Anknüpfend an die Kultur des christlichen Abendlandes wurde in einem vereinten Europa in den Jahren nach den Schrecken des Zweiten Weltkrieges ein Gegenentwurf zu den nationalistischen Kriegs-Ideologien gesucht. Zu diesem Zeitgeist passt die Beschäftigung mit der europäischen Jakobswallfahrt. Schon 1950 wurde in Paris die erste Gesellschaft zur Förderung der Jakobswallfahrt gegründet: „Les amis de Saint-Jacques de Compostela“.

Im „Compostela“, einer lateinischen Urkunde wird dem Pilger, der die letzten 100 Kilometer bis Santiago zu Fuß oder 200 km mit dem Rad zurückgelegt hat, die Wallfahrt zum Grab des Hl. Jakobus bestätigt.

In den Herbergen können sich die Pilger als Beweis der zurückgelegten Strecke einen Stempel in ihren Pilgerpass geben lassen. (Foto: Karl-Heinz Steigmann)

Parallel dazu bemühte sich die spanische Tourismusbehörde an die Pilgertradition anzuknüpfen und damit Santiago und den kulturellen Reichtum Nordspaniens touristisch zu vermarkten. Die Pilger- und Touristenzahlen stiegen. Seit 1986 gibt es an der Kathedrale von Santiago eine feste Anlaufstelle für Pilger. Sie können sich dort die „Compostela“ ausstellen lassen. In der lateinischen Urkunde – nach mittelalterlichem Vorbild – wird dem Pilger, der die letzten 100 Kilometer bis Santiago zu Fuß oder 200 km mit dem Rad zurückgelegt hat, die „peregrination ad limina Beati Jacobi“ (= Wallfahrt zu den Schwellen des Heiligen Jakobus) bestätigt. Dort gemeldete Pilger gehen in die offizielle Statistik ein.


Der Jakobsweg als erste europäische Kulturstraße