Pilgerherbergen und Pilgerrituale

Zahlreiche Wegmarkierungen und ausführliche Wanderführer machen den Camino zu einem gut ausgebauten und von der sportlichen und logistischen Herausforderung nicht allzu schwer zu bewältigenden Fernwanderweg. Ein dichtes Netz von Pilgerherbergen strukturiert den spanischen Camino. Die Refugios sind meist einfache Massenquartiere mit Versorgungs- und Waschmöglichkeit. Ausgewiesene Pilger können hier gegen ein geringes Entgelt übernachten, weil sich vielfach Ehrenamtliche um die Betreuung kümmern. Hier können sich die Pilger auch ihren Pilgerpass abstempeln lassen, um dann in Santiago ihre Pilgerurkunde zu bekommen.

Gemeinsames Essen abends in der Pilgerherberge (Foto: Karl-Heinz Steigmann)

Die Pilgerherbergen sind auch wichtige Treffpunkte für die Wallfahrer: In der Regel geht jeder Pilger unter Tags in seinem Rhythmus, um die Anforderungen seiner Etappe bewältigen zu können. So ergeben sich nur immer wieder wechselnde kleine Grüppchen, aber abends in den Herbergen trifft man sich oft wieder. Viele kochen und essen zusammen, tauschen sich aus über die Mühen und Freuden des Weges, sei es die beste Behandlung der Blasen an den Füßen oder die Empfehlung für eine „bar“ am Wege.

„Man kann gar nicht oft genug sagen, wie weh die Füße tun, wenn man den Jakobsweg läuft.“ (Hape Kerkeling, S. 128) (Foto: Karl-Heinz Steigmann)

Vieles verbindet die Jakobswanderer: nicht nur der gleiche Tagesablauf mit frühem Aufstehen, täglichem Weiterziehen und Wandern bis zur abendlichen Etappenstation, sondern die meisten der Jakobspilger berichten auch, wie die Auseinandersetzung mit sich selbst, die sich fast automatisch im langen Gehen einstellt, zu intensiven Gesprächen mit den Mitwallfahrern führt. Der Jakobsweg wird auch immer wieder als großer Heiratsmarkt bezeichnet. Verbindend sind auch die verschiedenen Pilgerrituale, der Gruß „Ultreia! – Weiter so!“, der Besuch von Pilgermessen in den Wallfahrtskirchen, die Eintragung in Pilgerbücher in den Herbergen und das eine große Ziel Santiago. So schildern viele ihre Jakobswallfahrt nicht nur als individuellen Weg der Selbsterfahrung, sondern auch als Gemeinschaftserlebnis.


Der Jakobsweg als Medienthema der Gegenwart