Der Jakobsweg als Medienthema der Gegenwart

Der öffentliche Diskurs zum „Jakobsweg“[6] findet in allen aktuellen Medien statt: in Fernsehreportagen, Talkshows mit wallfahrtserfahrenen Gästen – bevorzugt Hape Kerkeling; in Zeitungsberichten in den Rubriken Reise, Kultur oder Zeitgeist; in Bildbänden und Kalendern mit stimmungsvollen Kunst- und Landschaftsaufnahmen; in Erbauungsliteratur mit Religiös-Besinnlichem unter den Stichworten (Jakobs-)Weg und Aufbruch; daneben erschienen einige historische Romane zum Jakobsweg; zahlreiche Pilger haben ihre Erfahrungsberichte veröffentlicht – in Form von ganz ungeschminkten Tagebuchnotizen bis hin zu den erzählenden esoterischen Bestsellern von Paulo Coelho[7], der seinen „Bericht“ mit einer Sammlung spiritueller Übungen kombiniert, und der amerikanischen Hollywoodschauspielerin Shirley MacLaine[8], die im Erfahrungsbericht ihrer Reise ihre Visionen – ähnlich einer Rückführung – von ihrem früheren Leben, dem Wesen der Sexualität, bis hin zur Entstehung der Welt erzählt; auch private Internetseiten mit Pilgererfahrungen und Tipps finden sich zahlreich; detaillierte Wanderführer gibt es für alle Strecken; ebenso die Internetseiten der verschiedenen Jakobsweggesellschaften, die auch Herausgeber der meisten wissenschaftlichen Veröffentlichungen sind; Jakobspilgern war auch schon Thema mehrere Ausstellungen und mittlerweile dient die Reise auf dem Jakobsweg als Rahmenhandlung für die Kino-Komödie „Saint Jacques ... La Mecque. Auf Abwegen zum Wandermekka“.[9]

In der Fülle dieses Materials fallen drei Hauptmotive auf, die in Variationen wieder und wieder reproduziert werden: Gehen – der alte Weg – auf der Suche nach dem Selbst. Diese Motive scheinen Themen unserer Zeit anzusprechen.


Sportliche Motive: Jakobspilgern als körperlich erfahrbare Reiseform in der Natur

Historisierende Motive: Rückbezug auf ein überzeitliches „Mittelalter“

Spirituelle Motive: der Camino als Erfahrungsweg