Moderne Heilssuche auf alten Wegen?
Der Jakobsweg im Fokus der Öffentlichkeit

Margarete Meggle-Freund


1967 noch meinte Helmut Domke in seinem Kulturführer über „Spaniens Norden“: „Abermals, man kann die Pilgerfahrt nicht auferstehen lassen. Pilgern bedeutet etwas, das unserem Zeitgefühl entgegengesetzt bleibt: Das Auf-sich-nehmen. Es schließt das Herausfordern der Gefahr und das unverbrüchliche Ziel in sich ein. Es steht im Zeichen des Todes, der überall am Wege lauerte, ... er wollte gekonnt und bestanden sein.“[1]

„ Der Weg ist das Ziel“ Motto vieler Pilger, urspünglich Konfuzius (Foto: Ulrike Wrobel)

Das Gegenteil ist heute vierzig Jahre später zu beobachten: Die totgesagte Wallfahrt erlebt seit den 1990er Jahren eine Renaissance, ist geradezu in Mode. Aus Spanien, ganz Europa, Südamerika und anderen Ländern sind Pilger und Reisende unterwegs nach Santiago im nordwestlichen Spanien. Im Mai 2006 stand Hape Kerkelings Erlebnisbericht seiner Pilgerreise nach Santiago de Compostela auf Platz eins der Bestsellerliste der Sachbücher des Spiegel-Magazins. Mit seinem Pilgerbericht tourt der Entertainer derzeit durch alle Talkshows; alle großen Zeitungen berichten und die Buchhandelsschaufenster sind voll mit Büchern über den Jakobsweg.

Wie kam es zum Niedergang der europäischen Santiagofahrt und dem neuerlichen Boom? Was nehmen heutige Pilger auf sich – unter welchen Rahmenbedingungen sind sie unterwegs? Welches Bild vermitteln uns die Medien zu diesem Thema? Schließlich, welches Zeitgefühl drückt dieses Medienthema aus?


Niedergang der europäischen Santiagofahrt