Zwischen Altbau und Platte
Erfahrungsgeschichte(n) vom Wohnen. Alltagskonstruktion in der Spätzeit der DDR.

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Epilog
In der Zuspitzung auf die Alltagskonstruktion der zwei Welten mag der DDR-Alltag recht klar
und eindeutig erscheinen. Doch dieser Eindruck bleibt nur bestehen, solange man den Alltag
allein in Bezug auf den totalitären Staat interpretiert. Die Geschichte der Erfahrungen vom
„Wohnen in der DDR“ wie sie in den Erfahrungsgeschichten meiner Gesprächspartner auf-
scheint, ist vielschichtiger. Deshalb sollten in dieser Arbeit immer wieder die Zwischentöne
zum Klingen gebracht werden, um das Wohnen zwischen Altbau und ‘Platte’ zu erfassen. Es
war mir wichtig, die Uneindeutigkeiten und subjektiven Einzelstimmen der vielen Alltage ste-
hen zu lassen. Denn erst aus den vielen Teilbildern kann eine typisierte Zusammenschau eines
Alltags entstehen. Dazu habe ich eine große Vielfalt von Themen und Perspektiven aufgezeigt.
Fast überall aber könnte und müsste man noch weiter differenzieren und in Einzelstudien
genauer nachfragen. So mag etwa der Alltag hier in der zeitlichen Beschränkung auf die Acht-
zigerjahre als statisch und unhistorisch erscheinen, doch auch Alltag entwickelt sich historisch.
Hier liegen Grenzen der Oral History Methode. Auch die Einbindung der Einzelnen in ein örtli-
ches und soziales Umfeld oder eine Differenzierung nach Generationen und Geschlechtern wä-
ren eigene Themen. Die gewichtige Rolle sozialer Distinktion - entgegen der offiziellen Pro-
klamation sozialer Gleichheit in einer egalitären sozialistischen Gesellschaft und entgegen den
Eigenwahrnehmungen der Reichenbacher - fiel mir sehr deutlich auf. Doch als Westdeutsche,
welche die DDR selbst nicht erlebt hat, konnte ich im historischen Rückblick nur grundsätzli-
che Mechanismen dieser Praxis sozialer Differenzierung aufzeigen. Die Feinheiten dieser Spra-
che blieben mir als Westdeutscher aber verschlossen. Hier liegen Grenzen des Zugangs von
Außen.
Besondere Chancen aber lagen in der Kombination meiner analytischen Sicht von außen
und der Innensicht, wie sie in den Erfahrungsinterviews enthalten ist. So konnte ein Zusam-
menhang von politisch-kulturellem System und der Identitätskonstruktion der Einzelnen herge-
stellt werden. Aus der Zusammensicht von Dingen und Erzählen als gleichwertige Quellen er-
gab sich immer wieder eine Verknüpfung von Sach- und Bewusstseinsforschung. Neben den