Zwischen Altbau und Platte
Erfahrungsgeschichte(n) vom Wohnen. Alltagskonstruktion in der Spätzeit der DDR.

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Schluss: Alltagskonstruktion in der DDR
Der Ort des Alltags.
Das Spannungsfeld aus Staat auf der einen Seite und Bürger auf der anderen Seite bestimmt das
Thema dieser Arbeit. Sie beschreibt dinglich-konkrete oder erzählte Alltagskonstruktionen im
Bereich des Wohnens unter den Rahmenbedingungen der DDR - ihres Staates und ihrer Gesell-
schaft. Immer wieder habe ich die strukturellen Vorgaben des staatlichen und gesellschaftlichen
Systems dargestellt. Nun bleibt noch der ‘Ort des Alltags’ zusammenfassend zu klären: Wie
sehr waren die einzelnen Menschen in ihrem Wohnalltag von staatlicher / politischer Seite be-
einflusst - kontrolliert. Oder wirkten umgekehrt die Menschen in ihrem alltäglichen Verhalten
auch auf die staatliche Seite zurück. Welchen Stellenwert hatte der Alltag im DDR-Staat und
auch die Alltagskonstruktionen der Einzelnen im Gesamtgefüge der DDR-Gesellschaft. Oder
gilt es eher von der Privatheit der Einzelnen aus zu fragen, ob der Alltag im totalitären Staat der
DDR gar einen in sich geschlossenen Lebensbereich der privaten Freiheit bildete. Wie schätz-
ten die Reichenbacher Gesprächspartner ihren Wohnalltag selbst ein; welches Lebensgefühl
verbanden sie damit. Diesen Fragen möchte ich mich noch einmal vom empirischen Befund
her nähern, bevor ich die Reichenbacher Ergebnisse in die theoretische Debatte zur DDR-
Alltagsforschung einordne.
1. Ein Fallbeispiel: Frau Ludwig beschreibt ihr Lebensgefühl in der DDR:
„Ich war zwar auch nicht einverstanden, aber deswegen konnte ich trotz-
dem hier gut leben.“ (14)
„Ich konnte das überhaupt nicht fassen. In Hof auf dem Bahnsteig schon habe ich ge-
dacht, jetzt bist du wirklich hier, irgendwas stimmt doch hier nicht. Ich muss aber auch
dazusagen, ich habe mich in der DDR nie eingesperrt gefühlt
. Es war eben halt so und
nicht anders und wenn man es nicht anders kennt. Wie manche, die dort geschrien haben,
sie wären laufend hier eingeengt in ihrer Entfaltung; das ist vielleicht auch ein bisschen
arg übertrieben. Es gab da bestimmt welche, aber die wenigsten, die das geschrien haben,
die haben das wirklich so empfunden. Die wollten hinterher nach der Wende bloß fix was