
C.III.1. Fallbeispiel einer Erwerbungsgeschichte
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III. Erwerbungsgeschichten: der Kampf um die Wohndinge
„Wie kommen wir an eine Schrankwand für unsere neu bezogene Wohnung, wo doch in der
ganzen Stadt und im Umkreis alle Schrankwände auf längere Sicht hin ausverkauft sind.“ - Der
Erwerb von Mangelwaren war ein zentrales und dauerndes Problem im DDR-Alltag. Das spie-
gelt sich auch in den Wohninterviews: Erwerbungsgeschichten finden sich dort ebenso häufig
wie Wohnbiographien. Alle Gesprächspartner sprachen irgendwann einmal im Laufe des Ge-
sprächs über den Erwerb von Mangelwaren. Doch unterscheidet sich die Art, wie die Inter-
viewpartner von ihren Erwerbungen erzählten, deutlich von der Sprechhaltung der Wohnbio-
graphien. Bewerteten sie damit etwa diesen Teil ihres Alltagslebens in der DDR auch ganz an-
ders. Der Frage will das folgende Kapitel nachgehen: Nach dem Fallbeispiel einer ganzen Er-
werbungsgeschichte soll zuerst der historische Hintergrund benannt werden und dann Inhalt,
Form und Erzählhaltung der Erwerbungsgeschichten beschrieben werden.
1. Ein Fallbeispiel einer Erwerbungsgeschichte:
Wie Frau Bauer dann doch noch einen Bagger organisierte.
Eine farbig erzählte ‘Erwerbungsgeschichte’ lieferte das Ehepaar Bauer. Sie sei hier als Bei-
spiel dieses Geschichtentyps zitiert, weil sie in der Problemstellung, des Lösungswegs und der
Erzählweise typisch ist für die von den Interviewpartnern erzählten ‘Erwerbungsgeschichten’.
Derart ausführlich und lebendig erzählte ‘Erwerbungsgeschichten’ enthält das Interviewcorpus
allerdings nur wenige.
Im vorausgehenden Abschnitt erzählte Herr Bauer, wie hilfreich ihm sein handwerklicher
Beruf zu DDR-Zeiten war, weil er damit auf der Basis gegenseitiger Hilfe viele sonst nur
schwer zu bekommende Handwerksleistungen eintauschen konnte. Daraufhin wandte Frau
Bauer ein, dass auch sie beitragen konnte Mangelwaren bzw. Mangel-Dienstleistungen zu be-
kommen. Dazu erzählte sie folgende Geschichte:
„Sie: Aber wo der Raum oben mit dem Ausschachten war, das musste ich organisieren
.
Wir haben einen Bagger gebraucht zum Ausschachten hier. Der war hier oben in der
ZBO
1
, da war ich da gewesen. Da bin ich im Endeffekt jetzt echt vor dem auf die Knie
gefallen, zwei Beine im Arm, sag ich: "Guter Mann, wenn Sie uns jetzt nicht helfen, ich
weiß nicht mehr weiter." Ich hatte alle
[anderen] Wege
[bereits versucht]. Das Ende vom
Lied war, der hat uns einen Bagger gebracht. Den Bagger haben wir dann mit so und so
viel hundert Litern Diesel bezahlt. ... Oder Benzin, dass der unser Benzin hatte. Es war
ein Benzinkontingent auch für die Betriebe
. Dass der wieder Benzin hatte, um für den Be-
trieb Sachen zu erledigen
.
Er: - auch wieder organisiert
. Das muss man sich mal vorstellen, da konnte ein Betrieb
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wohl eher ZGO = zwischengenossenschaftliche Bauorganisation



