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Absatz, Boa und Zylinder – drei Accessoires aus
der Spannweite ländlichen Chices von A bis Z –
KĂĽrzel einer vergangenen Zeit und ihrer Moden.
Schuhe mit Absatz lassen den Träger der Schuhe
größer erscheinen und heben ihn – ganz wörtlich
genommen – heraus. Im ländlichen Kleidungsge-
brauch um 1900 waren Schuhe mit Absätzen ein
Ausdruck von modischem Chic.
Boa wird ein schmaler Pelz- oder Federschal
genannt. Boa – weil ihr Aussehen der Riesen-
schlange Boa constrictor ähnelt. Von 1900 bis zum
Ersten Weltkrieg war sie gängiger Bestandteil der
Tageskleidung.
Der Zylinder war bis zum Zweiten Weltkrieg der
Festtagshut für Herren. Ohne einen Hut wäre die
StraĂźenkleidung eines Herren nicht komplett gewe-
sen. Einen Hut zu tragen, war Kennzeichen eines
erwachsenen Mannes.
Verborgene Schätze: Die Textilsammlung
des Fränkischen Freilandmuseums
Bei einem Rundgang durch das Fränkische
Freilandmuseum begegnet man auf Schritt und Tritt
den Spuren einer vergangenen Kultur – einer
Kultur, die die Menschen im ländlichen Franken im
Laufe von Jahrhunderten geschaffen haben. Sie
begegnet uns in Form alter Gebäude, aber auch
mittels zahlreicher Gegenstände, in der Ausstattung
von Häusern, Scheunen und Ställen. Viele Besu-
cherinnen und Besucher des Museums wissen
jedoch nicht, dass die ausgestellten Objekte nur
einen Bruchteil dessen darstellen, was in den ver-
schiedenen Museumsdepots aufbewahrt ist. Denn
als regionales kulturgeschichtliches und volkskund-
liches Museum hat das Fränkische Freilandmuseum
in den vergangenen Jahrzehnten in beachtlichem
Umfang eine repräsentative Auswahl dinglicher
Kulturgüter wie Arbeitsgeräte und Maschinen,
Möbel, Geschirr und andere Gefäße, Bilder und
Textilien gesammelt. Einen Eindruck von diesen
„verborgenen Schätzen“ können Sonderauss-
tellungen geben, bei denen Gegenstände aus den
Depots gezeigt werden. Ăśblicherweise greift man
hierbei auch auf Leihgaben aus anderen Museen
zurück. Mit der Ausstellung „Ländlicher Chic“ zei-
gen wir hingegen ausschlieĂźlich StĂĽcke aus der
Textilsammlung des Fränkischen Freilandmuseums.
Diese ist mit mehr als 6000 Einzelteilen eine der
größten des Museums und besteht etwa zur Hälfte
aus Haushaltswäsche, zur anderen Hälfte aus histo-
rischer Kleidung.
Textilien und Kleidung: ein wichtiges Kulturgut
Ăśber eine Aufnahme der Textilien ins Museum ent-
scheidet nicht ihr Kunst- oder Handelswert. Der
Wert der Sammlungsgegenstände liegt vielmehr
darin, dass wir in ihnen wichtige Geschichts-
dokumente und Sachzeugnisse sehen, die von
Alltag und Arbeit, von Einstellungen und Lebens-
gewohnheiten früherer Generationen erzählen
können. Besonders die am Leib getragene Kleidung
ist ein elementares Kulturgut mit oftmals hohem
Aussagewert ĂĽber den jeweiligen Menschen und
die Gesellschaft, in der er lebt. Jeder Mensch ist auf
Kleidung angewiesen. Er kann sie – als „zweite
Haut“ – im Rahmen seiner finanziellen Möglich-
keiten und innerhalb eines gesellschaftlichen
Normensystems selbst gestalten. Mit der Be-
kleidung sagt er also gleichzeitig auch etwas ĂĽber
sich selbst aus: beispielsweise wer er ist oder wofĂĽr
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Verborgene
Schätze
Absatz, Boa und Zylinder
Ländlicher Chic aus den Sammlungen des Fränkischen Freilandmuseums
Margarete Meggle-Freund, Beate PartheymĂĽller
Knöpfstiefeletten mit
Absatz, um 1900;
Federboa aus einem
bĂĽrgerlichen Haushalt
in WassertrĂĽdingen, um
1914; Zylinder, 1.
Hälfte 20. Jahrhundert