Absatz, Boa und Zylinder
Ländlicher Chic aus den Sammlungen des Fränkischen Freilandmuseums Bad Windsheim

Dr. Margarete Meggle-Freund  |   Publikationen  |   Kontakt  

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Neben diesen „frühen“ Einzelstücken haben wir
noch einen zwar kleinen aber interessanten
Bestand an Kinderkleidung aus den 1950er und
1960er Jahren.
Kleidung bewahrt
Traditionell bewahrender Umgang mit Kleidung:
flicken und horten
Viele Stücke in der Sammlung des Fränkischen
Freilandmuseums blieben nur erhalten, weil sie zu
Kinderkleidung umgearbeitet werden sollten. Und
manchem Kinderteil sieht man an den aufgetrenn-
ten Nähten noch an, dass es vorher einmal anders
verwendet worden war. Historische Putzlumpen
lassen noch an ihrer Stickerei erahnen, dass sie ein-
mal festliche Schabracken waren. Zu den histori-
schen Textilien gehören inzwischen auch historisch
gewordene Gewohnheiten und Kulturtechniken:
Um 1900 und noch bis in die Sechzigerjahre war
für die meisten Menschen Kleidung etwas so
Teures, dass sie möglichst lange genutzt und sorg-
sam behandelt wurde. Die dazu nötigen Flick-
fähigkeiten
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gehörten auch ins Ausbildungs-
programm der Mädchen. Zahlreiche Ratgeber soll-
ten dabei helfen. Ein besonders sprechender Titel
aus dem Jahr 1924 lautet: „Wie lerne ich ausbes-
sern. Ein Retter des Kleider- und Wäschebestandes“
(Ullstein-Schneiderbücher; Bd. 9).
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Derartige
Künste der Frau wurden hoch geschätzt. Der
Gebrauch von Textilien war Teil einer Kreisl-
aufwirtschaft: Aus dem Sonntagsrock wurde be-
ispielsweise nach einigen Jahren ein Werktagsrock,
dann eine Schürze und schließlich ein Putzlumpen,
bis sich der Stoff völlig auflöste. Heute dagegen
wechseln wir unsere Kleidung oft mit dem halb-
jährlichen Wechsel der Mode. Von vielen wird sie
schnell gekauft und wandert auch schnell wieder in
die Altkleidersammlung. Zu flicken mutet heute
anachronistisch an.
Neben der hochkultivierten Flickkunst sollte frau
aber auch eine textile Vorratswirtschaft führen.
Kisten- und schränkeweise landet historische
Aussteuerwäsche und textiler Vorrat im Museum.
Vielfach hortete die Frau ihre in großen Mengen
und unter großem finanziellen Einsatz angeschaffte
Aussteuerwäsche ein Leben lang. Sie galt ihr als
Reserve für Notzeiten und als Kapital. Den Erben
einer anderen Generation aber ist sie im Weg. Mit
dem zunehmenden Rückzug der Frau aus dem
öffentlichen Leben im 19. Jahrhundert wurde sie
immer mehr auf den häuslichen Bereich verwiesen.
In dem Maß, wie ihre ökonomischen Möglich-
keiten abnahmen, wurde eine reiche Aussteuer als
Ausgleich wichtiger.
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Der in der Ausstellung
gezeigte Feuerschrank mit dem Stoffvorrat stand in
der Kleiderkammer eines bürgerlichen Haushaltes
in Wassertrüdingen. Es war üblich, textile Vorräte –
besonders Aussteuerwäsche – in derartig schweren
Schränken aufzubewahren. Diese bestanden aus
mehreren Teilen, die wie Truhen übereinander
gestapelt waren. Jede Etage hatte an der Seite
Griffe, damit sie im Brandfall weggetragen werden
konnte.
Wenn heute die Textilien der Vorfahren im Museum
aufbewahrt werden, erfährt diese bewahrende
Werthaltung eine Fortsetzung. Das Museum als
Erinnerungsinstitution übernimmt stellvertretend
die Entledigung und Bewahrung der Vergangenheit.
In der Präsentation der Sammlungen in
Ausstellungen schlägt es für ein breiteres Publikum
eine Brücke von der Vergangenheit in die
Gegenwart.
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Hochzeit