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und Frau
Das Wort ¬ĄAccessoires¬ď leitet sich vom lateinischen
accedere: beitreten, beistimmen ab und bedeutet
danach Zusatz, Zubehör und Beiwerk.
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Von die-
sen Zubeh√∂rst√ľcken, die zur eigentlichen
Oberbekleidung hinzu gef√ľgt werden, sind in der
Ausstellung unter anderem zu sehen: H√ľte,
Handschuhe, Boas, Schals, Str√ľmpfe, Schirme,
Fächer, Stöcke, Schirme, Krägen, (Hand-)Taschen,
Schuhe und H√ľte als modisches Beiwerk f√ľr die
Dame; aus dem Bestand von Herrengarderoben
sind Handschuhe, Krägen und Hemdbrust,
Schirme, Gangstöcke, Pfeifen und Tabaksbeutel,
Fliegen und Krawatten sowie Schuhe zu finden.
Oft waren gerade die Accessoires die Bestandteile
der Kleidung, die zuerst ins Auge stachen, und in
Kombination mit sich weniger stark ändernden
Basiskleidungsst√ľcken die modischen Ausdrucks-
träger (siehe beispielsweise die Accessoires in der
Garderobe von Elisabeth Meier, im Kapitel
¬ĄKomplett ausgestattet¬ď). Der Hut etwa wurde oft in
jeder Saison der Mode angepasst und sei es nur
durch eine neue Garnitur, das Kleid dazu aber
wurde viel länger getragen. Umgekehrt kann ein
Accessoireteil, etwa ein Schal, mit verschiedenen
Oberteilen kombiniert werden. Oft sind gerade die
Accessoires die sprechenden Bestandteile eines
Kost√ľms. Das hat jede schon einmal erlebt: Man
muss nur einen entsprechenden Hut aufsetzten und
schon f√ľhlt man sich verkleidet. Die Accessoires ¬Ė
besonders die H√ľte ¬Ė waren weit √ľber ihren prakti-
schen Nutzen hinausgehend wichtig als Zeichen.
Mit ihnen ließ sich eine Eigenschaft oder Zuge-
hörigkeit zur Schau tragen. So waren etwa um
1900 St√∂cke selbst f√ľr junge Herren modern, die
damit männlichen Schmiss signalisierten. Gerade
die Accessoires wurden oft zu Zeichen der Zeit und
ihrer wechselnden Moden. Außerdem sind Acces-
soires meist kleiner als die restlichen Ober-
bekleidungsst√ľcke. Aus all diesen Gr√ľnden haben
sich oft die Zubehörteile länger erhalten als die
Hauptkleidungsst√ľcke; sie wurden aufbewahrt und
gelangten dann in größerer Zahl ins Museum, mit
Ausnahme der besonders kostbaren St√ľcke wie
Schmuck oder etwa silbernen Täschchen, die in der
Regel in Familienbesitz behalten werden.
Absatz am Schuh
Schuhe mit Absatz lassen den Träger der Schuhe
gr√∂√üer erscheinen und heben ihn ¬Ė ganz w√∂rtlich
genommen ¬Ė heraus. Im l√§ndlichen Kleidungs-
gebrauch um 1900 waren Schuhe mit Absätzen ein
Ausdruck von modischem Chic. Ganz anders die
alltägliche Fußbekleidung: Kinder auf dem Land
liefen bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts während
der wärmeren Zeit des Jahres meist barfuß. In unte-
ren und mittleren sozialen Milieus waren Schuhe
etwas sehr Teures und die meisten Leute besaßen
nur ein oder wenige Paare, die oft viele Jahre lang
getragen wurden. Sommer wie Winter ¬Ė man trug
das ganze Jahr √ľber die gleichen Schuhe. √úblich
waren flache Stiefeletten oder Halbschuhe zum
Schn√ľren ¬Ė sowohl bei Frauen als auch bei
M√§nnern. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts gibt es f√ľr
besondere Gelegenheiten auch Stiefeletten mit
geschwungenen Absätzen. In den 1920er-Jahren
zeigten Frauen mit immer k√ľrzeren Kleidern Bein,
unterst√ľtzt durch Spangenschuhe mit deutlich
erhöhtem Absatz, was eine modische Innovation
und einen Hinweis auf ein neues Frauenbild dar-
stellte.
Aus dem Jahr 1926 stammt das zweifarbig beige-
braune Paar Absatzschuhe mit √ľberkreuzten
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Accessoires
schwarze Absatzschuhe
- gängiges Modell auf
dem Land, "feinere"
beige Absatzschuhe und
Herrenhalbstiefel,
1920er
Pelzaccessoires: Boa,
Pelzkrägen und Muff
aus der Garderobe der
Elisabeth Meier, um
1900