Dr. Margarete Meggle-Freund  |   Publikationen  |   Kontakt  

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abhingen. Unterröcke sollten wärmen. Dies war in
einer Zeit, in der die Frauen √ľberwiegend keine
Unterhosen trugen, besonders wichtig. Sie sollten
√ľberdies dem Oberrock den n√∂tigen Stand geben.
Daher wurden in der Regel mehrere Unterröcke
√ľbereinander getragen. Warme Winter- und leich-
tere Sommerunterr√∂cke. Die Einf√ľhrung der
Krinoline verringerte in der Mode der oberen
Gesellschaftsschichten die Anzahl der Unterröcke.
Als nach Ablegen der Krinoline Tourn√ľre und
Schleppenkleid modern geworden waren, fertigte
man sie der Oberkleidung entsprechend, vorne
sehr anliegend, in der hinteren Partie reich gefältelt.
Innerhalb der traditionellen ländlichen Kleidung
galten möglichst viele Unterröcke auch weiterhin
als eine Art Statussymbol. Mit F√ľllmaterial gepol-
sterte Röcke in zwei Stofflagen vernäht sorgten
zus√§tzlich f√ľr ausladende Oberr√∂cke. Unterr√∂cke
in verschiedenen Farben, bunt bedruckt oder mit
Applikationen verziert kamen vorwiegend in der
traditionellen ländlichen Kleidung vor. Sie mussten
den Blicken der √Ėffentlichkeit nicht unbedingt ver-
borgen bleiben. Dies galt teilweise auch f√ľr man-
che modischen Unterröcke aus Feinleinen und
Baumwollbatist, meist in dezenten Farben, mit
Volants, Spitzen und Stickereien verziert, die, je
nach Mode, auch unter dem Kleid hervorsehen
durften. Interessant sind die gegen Ende des letzten
Jahrhunderts in der Damenmode √ľblichen
Unterr√∂cke mit R√ľschen aus Seidentaft, die weni-
ger optisch als durch ihr Rascheln und Knistern
mehr akustisch wirken sollten.
Nachtwäsche: auf dem Land vor allem warm
Spezielle Nachtwäsche war seit dem 16.
Jahrhundert nur in der
Oberschicht verbreitet. Im
Lauf des 19. Jahrhunderts
wurde sie auch in b√ľrger-
lichen Kreisen verwendet. In
den ersten Jahrzehnten des
20. Jahrhunderts d√ľrfte sie
sich endg√ľltig durchgesetzt
haben. F√ľr Frauen bestand
sie in einem speziellen
Nachthemd ¬Ė einfach gehal-
ten oder reich mit R√ľschen
garniert ¬Ė und einer so
genannten Nachtjacke, meist
aus Baumwollstoff, die dar√ľ-
ber getragen wurde. Vielfach
wurde letztere in einfachen
Bevölkerungsschichten auch
√ľber das klassische Hemd
angezogen, das auch nachts
getragen wurde. Gerade hin-
sichtlich der Nachtjacken,
auch als Bettjacke oder -kit-
tel bezeichnet, gibt es ein
sehr breites Spektrum in der
Ausf√ľhrung: von der einfa-
chen, schnörkellosen
Variante bis hin zum
Schmuckst√ľck mit Volants
und Schleifen. Hierzu passte
eine ger√ľschte Nachthaube.
Einfache Frauen banden sich
anstelle der Haube nachts
ein Kopftuch um
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. In unse-
rer Sammlung haben wir
eine Vielzahl an einfachen
Nachtkitteln, oft in wärmen-
der Stoffqualität, was ange-
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Verborgener
Chic
Nacht- oder Morgenjacke (¬ĄMatin√©e¬ď), um 1900
Korsett √ľber Unterhemd,
um 1900