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Uniform. Da diese während des Dritten Reiches
besonders hoch im Kurs stand, wurde sie, wie
historische Fotografien zeigen, auch schon Jahre
vor dem Krieg zur Hochzeit getragen.
Sammlungsbestand an Hochzeitskleidung
Insgesamt ist in unserem Textildepot nur sehr wenig
Hochzeitskleidung vorhanden, komplette Aus-
stattungen fehlen ganz. Gehröcke und Westen der
Männer, die höchstwahrscheinlich zur Hochzeit
angeschafft wurden, finden sich mehrere, aber
Frauenkleider nur sehr wenige. Dagegen besitzen
wir einige schöne Einzelteile, die zur Hochzeit
getragen wurden: ein prächtiger Brautstrauß aus
k√ľnstlichen Blumen, verschiedene gerahmte
Brautkr√§nze, die h√§ufig in der ¬ĄSch√∂nen Stube¬ď
hinter Glas als Wandschmuck aufgehängt wurden
sowie einige Brautschleier.
Verborgener Chic ¬Ė Unterw√§sche
In unserer Textilsammlung ist der Anteil an
Frauenunterwäsche beachtlich. Zu verdanken
haben wir dies vor allem der Tatsache, dass f√ľr die
Frauen des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts
sowohl Hauswäsche als auch Unterwäsche ein
wertvolles Gut war
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, das die Mädchen seit dem
Schulabschluss im Rahmen ihrer Möglichkeiten
horteten und als Aussteuer in die Ehe brachten. In
Schränken stapelweise Kante auf Kante gelegt und
sorgsam geb√ľndelt wurde die W√§sche wie ein
Schatz geh√ľtet, geschont und oftmals kaum aufge-
braucht. Schließlich gelangte der Inhalt des einen
oder anderen Wäscheschranks viele Jahrzehnte
später ins Museum.
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Männerunterwäsche ist hingegen
wenig erhalten. Im Vergleich zum
Wäschebestand der Frauen war der
durchschnittliche Vorrat an
Leibw√§sche f√ľr den Mann √§u√üerst
bescheiden
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. Wie die
Oberbekleidung des Mannes war
auch sein ¬ĄUnterzeug¬ď kaum Mode-
trends unterworfen, änderte sich
also wenig und wurde √ľblicher-
weise aufgetragen. Außerdem war
sie funktional und praktisch, auf
besonders attraktives Aussehen
wurde kein Wert gelegt. Folglich
hielt man die beiden wesentlichen
Teile der männlichen Unterwäsche,
Unterjacke (Unterhemd) und
Unterhose auch nicht f√ľr aufhe-
benswert. Oftmals endeten sie in
Zweitverwendung als Putzlumpen.
Historische W√§schest√ľcke als kul-
turhistorische Zeugnisse
So sind an der Unterw√§sche fr√ľhe-
rer Generationen kulturgeschichtli-
che Prozesse, Wertvorstellungen
und Verhaltensweisen ablesbar: Es
lässt sich zum Beispiel verfolgen,
wie sich innerhalb der letzten 150
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Verborgener
Chic
feines Unterkleid aus zartem Batist, um 1900
traditionelles
Leinenhemd, datiert:
¬Ą18 M.B. D√ľll 68¬ď