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Lkr. Ansbach. Sp├Ąter wurden die ├ärmel abgeschnit-
ten und das Kleid als festliches Sommerkleid getra-
gen (siehe Abb. oben). Nachdem der Mann im
Krieg gefallen war, wurde sein Hochzeitsrock in der
Nachkriegszeit zu einem Damenmantel umgear-
beitet. Als die Enkelin das Kleid ihrer Gro├čmutter
ins Museum brachte, ├Ąu├čerte sie die Vermutung,
dass ihre Gro├čmutter bei der Hochzeit bereits
schwanger gewesen sei und deshalb wohl kein
wei├čes Kleid getragen h├Ątte. Das schwarze Kleid
zur Hochzeit passt aber auch in eine ├ťbergangs-
zeit, in der noch in Schwarz aber auch schon in
Wei├č geheiratet wurde.
Auf dem Land fanden die ersten ┬äwei├čen
Hochzeiten“ seit den 1920er Jahren statt. Um diese
Zeit tauchten, in Anlehnung an die wei├če
Brautmode, auch die ersten wei├čen Kleider bei der
Erstkommunion auf, bei der die M├Ądchen zuvor
ebenfalls schwarz oder in regionaler Festtagstracht
gekleidet waren.
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Die Festkleidung der
Konfirmandinnen blieb hingegen schwarz.
Wie aus den seit Beginn des 20. Jahrhunderts zahl-
reich vorhandenen Hochzeitsfotos ablesbar ist, ver-
breitete sich das Heiraten in Wei├č in den 1930er
und 1940er Jahren zusehends. Wei├čes Kleid,
Schleier und Brautstrau├č sind nun Standard-
kleidung der Braut. Eine wei├če Hochzeit ist jetzt so
selbstverst├Ąndlich, dass sich beispielsweise in den
Notjahren der Kriegs- und Nachkriegszeit wei├če
Fallschirmseide aus deutschen oder amerikani-
schen Best├Ąnden im Tauschhandel zur begehrten
Ware entwickelte.
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Ein sehr einfaches Brautkleid
aus den Vierzigerjahren, ├╝ber dessen Herkunft lei-
der nichts Genaueres bekannt ist, k├Ânnen wir in der
Ausstellung ebenfalls zeigen. Die Linie ist extrem
schmal, was der Stoffknappheit dieser Zeit ent-
spricht. Der flie├čende cremewei├če Stoff liegt eng
am K├Ârper an. Mit verschiedenerlei Druckkn├Âpfen
┬ľ offensichtlich vorhandenen Resten ┬ľ ist das Kleid
r├╝ckw├Ąrtig verschlossen.
In den 1950er Jahren wird, mit dem wirtschaft-
lichen Aufschwung, auch die Brautausstattung
immer aufw├Ąndiger. Kostbare Kleider, ├╝ppige
Brautstr├Ąu├če und Schleier kleiden nun zunehmend
die wei├če Braut.
Hochzeitskleidung der M├Ąnner
M├Ąnner heirateten etwa seit der Mitte des 19.
Jahrhunderts in Stadt und Land in b├╝rgerlich-
schwarzer Kleidung. Hose, Weste, Gehrock und
Zylinder waren bald Standardkleidung des Mannes
zur Hochzeit wie zu anderen festlichen und offi-
ziellen Anl├Ąssen. Dies galt auf dem Land auch in
Gegenden, in denen die Braut noch in regionalty-
pischer Tracht gekleidet war. Seit den 1920er Jahren
wurden Gehrock und Hose immer mehr durch den
schwarzen Anzug ersetzt. W├Ąhrend der Weltkriege
kleideten sich die M├Ąnner bei der Trauung h├Ąufig in
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Verborgener
Chic
Hochzeitsaccessoires:
Brautstrau├č der
Elisabeth Borst, Schleier,
Schleier mit
Brauttaschentuch,
gerahmter Brautkranz,
Kr├Ąnze und
Ansteckstr├Ąu├če f├╝r
gr├╝ne, silberne und gol-
dene Hochzeit, Ende
19. Jahrhundert bis 1.
H├Ąlfte 20. Jahrhundert