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tierte sich an der Antike, einer als Ideal angesehe-
nen Epoche. Die nun modernen wei├čen oder hell-
pastellfarbenen Frauenkleider aus d├╝nnem flie├čen-
den Stoff mit nach oben gezogener Taille waren
weitgehend antiken Frauenstatuen nachempfun-
den. Wei├č wurde damit zu einer beliebten
Kleiderfarbe, vor allem bei gesellschaftlichen
Anl├Ąssen. Entsprechend kleidete sich auch die
Braut in einem wei├čen oder hellpastellfarbenen
Kleid, das sich von einem „normalen“ Ballkleid
nicht unterschied. Wie auf zeitgen├Âssischen
Abbildungen zu sehen ist
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, konnte zu entspre-
chender Ballkleidung als Accessoire beispielsweise
auch ein Schleier ins Haar gesteckt werden. Als
sich die Frauenmode nach dem ersten Jahrzehnt
des 19. Jahrhunderts vom antiken Vorbild und der
hellen Gesellschaftskleidung abwendete und im
Biedermeier immer kr├Ąftigere Farben zulie├č, wurde
f├╝r die Hochzeitsgarderobe die wei├če Farbe beibe-
halten. Erg├Ąnzt durch den ebenfalls zuvor in der
Gesellschaftsmode zuweilen getragenen Schleier
und einen Kranz hatte sich in relativ kurzer Zeit
eine spezielle Brautkleidung herausgebildet, der
nachtr├Ąglich ein hoher Symbolwert zugewiesen
wurde: sie stand für die „Unschuld“ der Frau. In der
Oberschicht setzte sich die wei├če Brautgarderobe
immer mehr durch, wobei sich Schnitt und Form
des Brautkleides an der jeweils herrschenden
Damenmode orientierte, als ┬äwei├čes┬ô oder hellpa-
stellfarbenes Kleid mit Schleier war es jedoch deut-
lich als Sonderkleidung zu erkennen.
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Und als
Sonderkleidung ┬ľ als spezielle ┬äBrautmode┬ô ┬ľ
taucht diese vor allem ab der zweiten H├Ąlfte des
19. Jahrhunderts ganz selbstverst├Ąndlich in Mode-
journalen und Frauenzeitschriften auf.
Schwarze Braut
Im Gegensatz zur Oberschicht trug die Frau der
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Hochzeitskleidung
Hochzeitskleid von
Ottilie
Werthm├╝ller,
Rothenburg 1919
Hochzeit von Maria und Friedrich Karl Kober in Dentlein,