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die Kleidung Erwachsener Leitbild f√ľr junge
Menschen war.
- Hut und Stock: die Insignien des Mannes
Ein Hut komplettierte das Erscheinungsbild des
Herren. Erst mit den dazugehörigen Accessoires
war seine Festkleidung vollständig. Schon die
Konfirmanden auf den Konfirmationsbildern im
Fotostudio präsentierten sich im Anzug mit steifem
Hemd, Binder oder Krawatte und mit Hut und
Stock. Auf Porträtaufnahmen zu etwas profaneren
Gelegenheiten hielten Männer statt des Stocks oft
auch eine Zigarette oder Zigarre in der Hand.
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Diese Accessoires waren zeichenhaft aufgeladen;
mit ihnen wiesen sich die jungen Männer als
¬Ąganze M√§nner¬ď aus. Sie stellten die Insignien eines
erwachsenen Mannes dar.
- Uniform des Postboten: repräsentativer Chic
In der Garderobe von Stefan Meier findet sich auch
noch seine spezielle Dienstkleidung als Postbote:
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Das sind zwei königsblaue Joppen, eine aus könig-
lich-bayerischer Zeit und eine aus der
Reichspostzeit nach 1920, als das Postwesen aus
der bayerischen Landeshoheit ans Deutsche Reich
√ľbergegangen war. Dazu kommen noch ein
Uniformmantel und zwei Wollumhänge als
Wetterschutz, drei Schirmm√ľtzen und ein Paar
Ohrensch√ľtzer, die im Winter unter den
Schirmm√ľtzen getragen werden konnten. Ein Foto
zeigt Stefan Meier als Postboten in Uniform: eine
lederne Posttasche umgehängt und hinter sich sei-
nen hölzernen Postkarren, zu Fuß unterwegs. Über
viele Jahre versorgte er so drei ländliche
Gemeinden. Im örtlichen Leben war er eine
Institution. An seiner Uniform war er sofort als eine
Amtsperson, als ein Repräsentant des Staates, zu
erkennen. Dieser Status als Beamter galt als etwas
Besonderes, deshalb war man in der damaligen
Zeit stolz darauf solch eine Uniform zu tragen.
Staat und Militär hatten ein hohes gesellschaftli-
ches Ansehen. Sie galten als Träger der Moderne
und Garanten der Sicherheit. Fast alle jungen
Männer ließen sich, als sie zum Militär kamen, in
ihrer Uniform mit Stolz geschwellter Brust ablich-
ten.
Besonders die Joppe aus königlich-bayerischer Zeit
und der Uniformmantel stechen aus dem allgemei-
nen Schwarz-Grau-Braun der √ľbrigen Garderobe
von Stefan Meier hervor: Auf königsblauem oder
schwarzem Grund leuchten die goldglänzenden
Messingknöpfe. Die Uniformknöpfe sind doppel-
reihig von der Schulter bis zur Taille trapezförmig
angeordnet und betonen so das Dreieck des männ-
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Die ¬Ąneue Frau"
Jacke zur königlich-bayerischen Postbotenuniform aus der
Garderobe von Stefan Meier, vor 1918
Sommerkleider,
1920er Jahre