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dunklen Farben, den K├Ârper streng formend und
einschlie├čend bis zum Hals verliehen die Taillen
ihren Tr├Ągerinnen eine gewisse W├╝rde und Strenge.
Sie galten als die wichtigen und wertvolleren
St├╝cke der Garderobe. Oberteile, die ohne
Futterleibchen gearbeitet sind und oft die obere
Weite in Falten statt in Abn├Ąhern unterbringen,
nannte man Blusen. Wobei es Zwischenformen
zwischen Taille und Bluse gab.
Bei sechs Taillen aus dem Meierschen Bestand fin-
den sich R├Âcke aus dem gleichen Stoff und dazu
passende Formg├╝rtel. So entstand der Eindruck
eines einheitlichen Kleides. Solche Ensembles wer-
den dann auch zweiteilige Kleider genannt (siehe
Abb. S. 4, 14, 15). Die anderen Taillen und Blusen
lie├čen sich aber zu den vorhandenen einfarbig
dunklen R├Âcken gleicherma├čen kombinieren. Die
zweiteilige Trageweise war in unteren und mittle-
ren Sozialschichten ungemein verbreitet. Mit ihr
konnte ein der Mode angepasstes Aussehen
erreicht und doch die traditionelle Kleidungsweise
beibehalten werden, in der ├╝blicherweise eher
Einzelteile zusammengef├╝gt als dass komplette
Ensembles immer wieder neu angeschafft wurden.
Denn es war einfacher und kosteng├╝nstiger nur
einzelne Teile zu erneuern. Das entsprach einer
├ľkonomie der Mittel. Elisabeth Meier pflegte dabei
einen sozusagen l├Ąndlichen Stil, indem sie weite
R├Âcke mit Halbsch├╝rzen und dazu Taillen kombi-
nierte. Sie behielt Elemente, Trage- und
Kombinationsweisen traditioneller Kleidung bei
und erreichte doch ein der allgemeinen Mode
angen├Ąhertes Aussehen.
- „Gesellschaftskleider“ für bessere Gelegenheiten
Kleider bei denen Oberteil und Rock in einem Teil
gearbeitet sind waren die Steigerung der Kom-
binationsmode. F├╝r festlichere Gelegenheiten wur-
den sie von den zeitgen├Âssischen Mode-
zeitschriften als so genannte „Gesellschaftskleider“
empfohlen. In kost├╝mgeschichtlichen ├ťberblicks-
werken stehen solche Stilkleider in der Regel f├╝r
diese Zeit. Die allt├Ągliche Kleidungsrealit├Ąt einer
breiten Mehrheit war aber eine andere. Hier
herrschte eher die Kombinations- und Blusenmode
vor. Auch im Nachlass von Elisabeth Meier findet
sich kein solches Kleid. Erst aus den Zwanziger-
Drei├čigerjahren haben sich vier Kleider erhalten.
- Das praktische Kost├╝m
Kost├╝me bestehend aus langem Rock und h├╝ft- bis
oberschenkellanger dazugeh├Âriger Jacke mit
Kragen waren eine beliebte Kleidungsform. Klas-
sischerweise waren beide Teile aus dem gleichen
Stoff gefertigt. Kost├╝me galten als Kleidung der
berufst├Ątigen Frauen oder ┬ľ wenn sie aus besonders
stabilen Stoffen gefertigt waren ┬ľ als Reisekleidung.
Die zeitgen├Âssischen Modezeitschriften bewerte-
ten Kost├╝me als praktische und doch korrekte
Kleidung. Sie lehnten sich an die Anzugmode
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der
M├Ąnner an und waren dementsprechend eher sach-
lich. In der Garderobe von Elisabeth Meier finden
sich zwar keine Kost├╝me aus einheitlichem Stoff,
aber sechs schwarze Jacken. Diese sind aus deut-
lich kr├Ąftigeren Stoffen gefertigt und weiter
geschnitten als die Taillen. So ergab sich in
Kombination mit den vorhandenen dunklen
R├Âcken die Wirkung von Kost├╝men.
- Hut und Pelz: Accessoires f├╝r den modischen
Chic
Mit Hut, Handschuhen und Schirm schlie├člich
wurden Kost├╝m und jegliche Stra├čenkleidung kom-
plettiert. In der Garderobe von Elisabeth Meier fin-
den sich dazu noch andere Accessoires wie T├╝cher,
Schals, Pelzkr├Ągen, Muff und K├Ârbchen. Noch bis
in die Sechzigerjahre des 20. Jahrhunderts galt f├╝r
Frauen die Regel, in der ├ľffentlichkeit oder zumin-
dest in der Kirche das Haupt zu bedecken. Im
Winter und besonders auf dem Land banden sich
viele Frauen dicke, dunkle Schals um (siehe Abb.
S.13). Auch im Meierschen Bestand befindet sich
ein solcher schwarzer Chenilleschal. Aber die von
der Mode favorisierten Kopfbedeckungen waren in
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Komplett
ausgestattet
Detail einer Jacke mit
Kordelstickerei aus der
Garderobe der Elisabeth
Meier, um 1900
Frauencape aus der
Garderobe der
Elisabeth Meier, um
1900