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Filigranknöpfe auf dem Körs, ein
Schaumgoldgehänge an Ketten um den Hals und
Schaumgoldohrringe getragen.
Die auffälligen, hoch stehenden Ärmel dieser
Tracht sind die Schinkenärmel der biedermeier-
lichen Mode, die in spezieller Weise mit Pappe ver-
stärkt und flach gedrückt wurden. Roter Rock und
rotes Tuch – überhaupt die Buntheit – sind in der
Zeichensprache dieser Tracht Ausdruck höchster
Feierlichkeit. Gleichzeitig kennzeichnet diese star-
ke Farbigkeit die Spätform einer Tracht. Vorhandene
Ausdrucksmittel wie Dekor mit glänzenden Borten,
Stickerei, gemusterte Stoffe, Schmuck und Farbe,
standen mit der industrialisierten Textilproduktion
reichlich zur Verfügung. Sie wurden addiert –
Schönheit durch Dekor – was zu einer gesteigerten
plakativen Wirkung fĂĽhrte. Deshalb war diese
Trachtenform schon Ende des 19. Jahrhunderts eine
beliebte Festzugskleidung.
- Festtagstracht aus Ruppmannsburg
Die Festtagstracht aus Ruppmannsburg ist mit den
ausgestellten Teilen wohl nie getragen worden,
denn sie stammt aus der Aussteuerkammer der
wohlhabenden Wirtstocher Maria Auernhammer
(1904 – 1988). Frau
Auernhammer hatte einen
groĂźen Bestand an
TrachtenkleidungsstĂĽcken
fĂĽr ihre Aussteuer ange-
schafft, diese dann aber als
kostbaren Besitz gehĂĽtet
und groĂźteils nie verwendet.
Nach ihrem Tod ĂĽbernahm
das Fränkische Frei-
landmuseum die komplette
Kleiderkammer in seine
Sammlung. Die ausgestellte
BĂĽste (siehe Abb. rechts)
haben wir nach dem Vorbild
der Fotografie einer
Ruppmannsburgerin ange-
kleidet.
18
Ruppmannsburg liegt im
Trachtengebiet
um
WeiĂźenburg
in
Mittelfranken. Die dortige
Bevölkerung ist evangelisch,
deshalb ist die
Grundfarbigkeit dieser
Tracht viel zurĂĽckhaltender
und dunkler – überwiegend
schwarz. Zum schwarzen Rock wurde eine schwar-
ze SchĂĽrze mit bunter Stickerei getragen. Im
Ruppmannsburger Kleiderbestand finden sich aber
auch einfarbig schwarze FesttagsschĂĽrzen. Als
Oberteil gehörte dazu ein ebenfalls schwarzer
Kittel mit aufgenähten Zierborten am unteren Rand
und an der Ă„rmelkante. Die Anzahl und Art dieser
Bortenverzierung konnte auf den Wohlstand der
Trägerin verweisen. Kittel hießen die Jacken-
oberteile der Tracht, die im Gegensatz zu den
12
Festtagstracht aus Ruppmannsburg, 1910/20er Jahre
Ruppmannsburgerin in
Festtagstracht, 1. Viertel
20. Jahrhundert
Fränkisches
Spektrum